Das Netlabel Autres Directions macht den Schritt von der virtuellen hin zur materiellen Welt. Mit den ersten zwei CD-Releases erweitert es sein Spektrum aus Netlabel, Webzine und Radio-Show.
Text: Nils Dittbrenner aus De:Bug 91

Jetzt zum Anfassen
Autres Directions

Endlich, möchte man meinen, obwohl doch alles schon so gut ist: Unser liebstes Netzlabel aus Nantes, mittlerweile mit neun schnuckeligen Releases im Netz, baut weiter aus. Nach der gehörigen Anlaufs- und Versuchsphase als Webzine, Netzlabel und Webcast folgt Autres Directions dem schon seit frühen Tagen gesteckten Ziel und veröffentlicht dieser Tage die ersten beiden physischen Tonträger, zwei CD-Releases stehen vor der Tür. Laut Stéphane Colle haben damit die am Anfang beabsichtigten Pläne, ein “richtiges“ Label zu werden, nach der DIY-Ausprobierphase und dem damit einhergehenden Wissenszuwachs sowie dem Aufbauen eines kleinen Netzwerkes endlich ihre Erfüllung gefunden. Den Anfang macht netterweise Melodium (damals, 2003, auch als erster Online-Release mit von der Partie) mit seinem Longplayer “La tête qui flotte“ (Kat. Nr. 13), an dem seit dem ersten Web-Release knappe anderthalb Jahre gewerkelt wurde. Melodium, von verträumtem Pop getragen, ohne kitschig zu sein, hat uns schon damals die Ohren gestreichelt. Bereits einige Wochen später wird mit Kat. Nr. 11 eine hiphoppigere Nummer von Depth Affect mit Gastauftritten von Alias (Anticon) als Silberling folgen. Die Nummerndreher gehen laut Stéphane auf einen leicht geänderten Release-Schedule zurück und machen die ganze Sache irgendwie noch sympathischer. Von den ersten Schritten als Webzine 2001 über die seit Frühjahr 2003 erfolgten Web-Releases bis zum wöchentlichen Sende-Termin auf JetFM (Nantes), hat sich einiges getan. Das Team des mit Dehors betitelten Webradios mixt jeweils zu dritt rund um ein selbst gewähltes Thema zu Musik aus drei unterschiedlichen Musikkulturen. Ein interessantes, funktionierendes Konzept, dem wir dank Stream ebenfalls beiwohnen dürfen.
Leider – und das ist eigentlich eine Schande – hat sich bisher noch kein Vertrieb für das nun entstandene Label in Mitteleuropa gefunden, noch müssen wir in die USA (via Darla), nach Australien (via Couchblip) oder sogar nach Japan (via Plop) schreiben, um die CDs erstehen zu können. Wenn die ersten Schritte vom respektierten Netzlabel in die physische Distribution gerade solche Umwege treibt, reibt man sich schon wundernd die Augen, aber was soll’s, eine verrückte Welt war das irgendwie vorher auch schon; ähem, jetzt wird abgeschweift: danke für den Sound.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.