Wir gehen mental, verbal, lethal steil auf Pasta. Das Münchner Label dreht an unserem Rave-Rad.
Text: Rikus Hillmann aus De:Bug 92

Rave-Fettucini
Pasta/Jichael Mackson

Die Meute kocht. Dieser Text beruht auf Annahmen. Fakten hat man in München genug. Allein wenn ich nur Pasta höre, fange ich an zu nesteln. Würde ich Jonathan Lethem heißen, wäre Pasta mein Tourette Syndrom. PastaPasta. PastaRaven. DubAcid. RastaPave. PaveDub. DeepDubAcid. PeepRub. RubberDub. CubReepRcid. RaveDubPub, DubMob. RaveMob. DubBob. Riemig geht die Welt zugrunde. Eine neue Pasta-Platte bedeutet immer verdammte neue Deepnees, eine neue dubbige Ravefacette, Acid, die eigene Faust im Himmel, oft auch den Zeigefinger dazu und wieder eine neue Platte zu den zehn, die ich eigentlich nur auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte. Jubeln. Klar. Raver dürfen immer jubeln. Ein anderes Business kennen wir nicht. Das Münchner Label um Kopf und Produzenten Sista Bob alisas Jichael Mackson tut seit Release eins “Sendling” (immer Insel-Top 10) so, als wäre es der Rave an sich. Und sagt mir jemand, ich würde ihnen nach dem Maul schreiben, so sage ich, Pasta produziert mir auf den Arsch. Wie gesagt, Pasta Tracks sind Definition des Rave. Genauso matschig wie man selbst in der Zwischenwelt des Mittendrin von Albernheit, Konzentration, Dumpfheit, musikalisch detaillierter Ergebenheit und Sex. Und dennoch so klar, so detailversessen, perfekt produziert, so auf den Punkt gebracht, so lässig. Sounds, die dubben, Bässe, die brechen, Breaks, die entgrenzen. Upliftend, psychedelisch, roh, durchgeknallt, spleenig swingend, manisch und nie berechenbar. Außerdem albern. Total albern, großartig albern. Zum Beispiel mit einem Sample von Chris Rea, ‘On the beach’, allerdings in 6/8 Shuffle. Dazu immer irgendwie überhitzt und zu organisch warm für puren Techno. Bei Pasta-Platten war sofort klar, dass die Macher auch Raver sind und ihren Rave auf Platten pressen. Und das wahrscheinlich zu warm und tief. Wenn man Rave im Raveclub hört, also in richtigen Rave Clubs mit dicken Systems, gibt’s morgens diese Sounds, die man zu Hause auf Platten normalerweise nicht entdecken kann. Bei Pasta-Platten kann man das aber immer. Auch zu Hause. Das macht uns gleich. Radikal tiefergelegte Grooves mitten aus dem Herz des ewigen Ravers. Wer sucht, findet diese Demokratie auch auf der Pasta-Website. Also geht suchen.
”Jichael Mackson, Produzent & Putze“ steht in der Email-Signatur des Mannes, der als Produzent hinter allen Pasta-Releases steckt. Das macht Sinn, wenn man weiß, dass Pasta auch als ganzes Team zu buchen ist. DJ Anette Party, Jichael Mackson live samt Koch. Da hat man am Ende viel aufzuräumen, denn die Website verspricht viele Rezepttipps – unter anderem diese göttlichen Fettucine mit Steinpilzen und Speck, die wirklich jedem omnivoren Wesen zu empfehlen sind – und zeigt somit, welche Vielfalt von den Herren zu erwarten ist.

Neue Umlaufbahn.
Breitling Orbiter 8 heisst das neue Werk von Mackson und bringt es mit 3 Tracks fast auf LP Länge. Der Orbiter ist nicht auf Pasta Musik erschienen, sondern auf dem Schweizer Label Phictiv. Fett geht anders, denn das da ist breit, aufbauend, ein richtiges Werk. Die Alberheit steckt jetzt in der Variation und Unbrechenbarkeit der Tracks, der Länge und Langsamkeit. Nennt es unvorhersehbaren Dubacid oder eben endlich dreckscoole versaute schmutzige süddeutsche Deepness. Dieser Acid wirkt wie der Zersetzungsprozess den die Säure auslöst. Dunkel, warm, organisch, aufspaltend. Die Breitling Orbiter 8 Tracks scheinen im Vergleich zu Blowjob (also dieser Hammerplatte von 2004) weniger radikal und rough, dafür aber detaillierter. Die wuchtige Darkness weicht langsam dem fülligen Dub. Lange Aufnahme, Analyse, absolute Detailerkenntnis, Wiederholung, zufällige Variation. Dann: Spontan herausgespuckter geiler dubbiger Acid-Techno. Neben der Detailfülle und -Genauigkeit in den Tracks ist die ständige unvorhersehbare, fast zufällige Variation und Kombination dieser Details auffällig. Da hat jemand den Mädels die Perlohrstecker raugezogen und in den Rechner gesteckt. Dort rollen sie nun in langen, geostationären Bahnen, die man in sonst so nicht kennt.

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Elektronische Lebensaspekte.