Nach dem ersten Release "Pornokonsument" 2004 auf Neue Heimat hat Jochen Trappe inzwischen seine neue Heimat bei den Connaisseuren aus Frankfurt gefunden und 2006 mal richtig losgelegt.
Text: Sandra Sydow aus De:Bug 108

Techno

Jochen Trappe
Stevie Wonders blutende Ohren

Jochen Trappe hat sich vom Pornokonsum verabschiedet und übernimmt nun eher die aktiven Parts als Artist auf Connaisseur Recordings. Gegen Ende des Jahres ist seine Ansage klar: Sommer ist vorbei, jetzt wird wieder auf dem Clubfloor geschwitzt und einen Gang höher geschaltet. Hatte man sich schon auf “Organic” gerne eingelassen, hauen die drei Tracks “Bypass”, “Crosstalk” und “Flux Line” auf Trappes neuer EP “Blackout Barbados” einem aufmunternd in den Nacken.

Angekreuzt auf dem Interviewbogen wird unter Beruf “Student“, aber Jochen muss sich inzwischen eingestehen, dass sein Herz der Musik gehört und auch wenn es eher Berufung als Beruf ist, ist es auf jeden Fall viel mehr als nur ein Hobby. Sucht man, laut eigener Aussage, zwischen Laurent Garnier, Daft Punk und Stevie Wonder, findet man Jochen Trappe und der verspricht Platten und Liveact zwischen Ohrenbluten und Zuckerwatte.

Was ist passiert zwischen 2004 und 2006 und vier Releases? Wie viel Lehrgeld zahlt man, wenn man sich der Clubmeute darbietet? “Es hat sich einfach alles geändert. Ich bekomme jetzt Remix-Anfragen und kann mich endlich als LiveAct auf der Bühne austoben. Musikalisch bin ich grundsätzlich meiner Linie treu geblieben, denke ich, aber mit Sicherheit viel klarer und professioneller geworden. Ob die Musik als Standbein alleine ausreichen kann, wird die Zukunft zeigen.“

Jochen Trappe hat wenige Anfängerfehler gemacht, sicher auch deshalb, weil sich erst spät eine gewisse Grundzufriedenheit eingestellt hat. Man präsentiert sich erst der Öffentlichkeit, wenn das Haar perfekt sitzt. Mit einem Umfeld, das einem vorlebt, wie man es zu machen hat, kann man ja auch eigentlich nicht allzu viel verkehrt machen.

Jochen studiert Informatik in Kiel, ist aber vom klischeebeladenen Hackerfreak weit entfernt. Seine Tracks entwickelt er in Handarbeit am Computer. Vieles beginnt anfangs auf dem Papier und wird dann in Reaktor oder als VST-Plugin umgesetzt. Sind die selbst geschnitzten Tools zufriedenstellend, geht es an das Keyboard und an die Controller. Die Entwürfe schaukeln sich letztendlich nicht selten zu clubtauglichen Tracks hoch. Connaisseur ist die erste Hürde, dort entscheidet sich, was rauskommt.

Die Zusammenarbeit mit diesem Label lässt Jochen dennoch alle Freiheit, die er benötigt, und das nötige Know-how mit Händchen für gute Platten. “Wir sind eine Community gleichgesinnter Musikliebhaber und freuen uns über gute Tracks, wenn die zufällig von mir sind, um so besser! Wird es dann ernst in Sachen Release, läuft alles sehr gut organisiert ab, vom Design übers Mastering bis zur Pressung.“

Der drängende, schraubende Sound, den Jochen Trappe an die Meute liefert, entspringt nicht nur anfangs genannten Techno- und Popballadenvorbildern. Der Mix aus Gespür für Bewegungsdrangbefriedigungsmucke und Hitpotential resultiert sicher auch aus den persönlichen Vorlieben. “Ich kaufe grundsätzlich alles von Koze mit und ohne Ponys blind. Ansonsten sind in meiner Plattenkiste erstaunlich viele Vakant-Scheiben, vor allem von Alex Smoke. Richtig hart geflasht hat mich in den letzten Monaten die ‘Seeing Through Shadows’ von Loco Dice auf Minus. Ich finde oft Sachen gut, die ganz anders klingen als mein Zeug, z.B. Platten auf Wagon-Repair oder Border-Community.“
Anders klingen soll so auch der Winter. Jochen Trappe läutet die vierte Jahreszeit ein. Es darf wieder doller. Blackout and blood on the dancefloor.

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Elektronische Lebensaspekte.