Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 02

x257.y870>:*ack2the#FFFFFFuture jodi.org

Mercedes Bunz
bunz@buzz.de

Warum Kunst manchmal HipHop ist
In der Tat ist Kunst noch viel schlimmer als HipHop, mit Sicherheit jedoch eine westeuropäische Variante davon. Worüber wir reden? Von der Sache mit den Namen. Genauso wie im System Hiphop der Name relativ im Mittelpunkt des Geschehens steht, tut er das bei Kunst. Während jedoch bei ersterem der Namen als Terrain, das sauberzuhalten ist, lanciert wird, stellvertretend für die Familie, Mitarbeiter und Freunde, die die Bausteine, das Terrain, die Welt bilden, die man sich gebaut hat, steht bei Kunst der Name dann egoistisch nur für sich selbst: also nicht stellvertretend, sondern auf sich selbst verweisend: das Ding mit dem Subjekt, das im Mittelpunkt des Weltgeschehens steht und dessen Wert einzig und allein durch die Ausstellungen, bei denen er auftauchen darf, bestimmt wird. Genau diese Rolle der Namen konnte man in letzter Zeit bei der Documenta beobachten: erst die Namensliste nicht rausrücken – was für Presserummel gesorgt hat, weil wichtig, und im Endeffekt doch inkonsequent wieder alles nach Namen aufbauen: ein kurzer Blick auf die Website: Falls man den Button für Webkunst findet (Oberflächen heißt der) und die einzelnen Projekte anklickt: zuerst die Namen, darunter den Button: Go und: schließlich die Arbeit. Brav nach der Reihenfolge, nach der das System funktioniert.
>trash”rt, bemerkt jodi.

Wie durch das Netz alles anders werden kann…, vielleicht

jodi.org hat sich bislang aus diesem System herausgehalten, soweit es geht. Man kann berichten, daß Jodi von Dirk Paesmans und Joan Heermskerck programmiert wird, aber sobald man mit jodi e-mail wechselt, hat man das Gefühl mit einer kleinen freundlichen Maschine zu kommunizieren, die in einer Mischung aus ASCI und Englisch daherquasselt: “bbest bye di…jo”.
Jodi ist eine Webaddresse bestehend aus über 350 Seiten, in denen man sich verlieren kann und in die Versuchung über Kunst zu reden, gerät man dabei wohl nur, weil sie ab und zu in dieser Umgebung auftauchen, gespiegelt oder gelinkt, so auch auf der Website der Documenta. Grundsätzlich wohnt Jodi im Netz in seiner eigenen Domain und das ist ihnen wichtig: “>:ULtra.8lways Now asinthe.pppast>:B0th walk.in.line >:the exhibit.area
>c0ntra WAIS/WHOIS e.xhibited>: ,The digital0riginalZ areinthe PublicDomain>A.USER:MUSt.Extrude,Unstuff,,:PublicDomainPPPr0jects.OS.GO ANON.Penet//No Realty.Value Item.g00dVirual >Rarity/TM”
Vielleicht ist Jodi dann auch mehr HipHop als Kunst, eine ausgiebige Netzkarte mit Links zu allen anderen befreundeten oder verwandten Websites steckt das Terrain der eigenen Einordnung ab. Hochkulturelle Kunstinstitutionen sind davon eher mal keine.
“Ich denke, jeder sollte seine eigene Domain eröffnen”, betont Dirk in einem Interview, das auf der Mailingliste Nettime gepostet wurde, “es ist nicht teuer und auch nicht besonders schwierig. Es gibt beispielsweise in Amerika viele junge Künstler, die mit html oder Java arbeiten, ihre eigenen Internet-Projekte machen und damit zu einer Institution gehen. Sie kümmern sich überhaupt nicht darum, ihre eigene Domain aufzumachen.
Da bin ich vollkommen anderer Meinung. Das wichtigste für mich war, im Netz meine eigene Sache machen zu können, sein eigenes kleines Boot zu besitzen und nicht auf die große Fähre aufzusteigen. Das ist nicht besonders schwierig. Mittlerweile werden zwar eine Menge Informationen darüber zurückgehalten, was es schwierig erscheinen läßt. Es gibt auch Gesetzte, die das weiter verkomplizieren, Domains wurden auch sehr nationalisiert. Die geographische Angabe in der url ist beinahe automatisch mit drabei. Es ist einfacher solche Adressen mit nationalem Sticker wie auf deinem Auto zu bekommen, als die Endung .com, .org, .nom oder .art. Andererseits stellen sich sowieso verschiedene Server als mächtig dar, sie setzen die Preise hoch oder lassen die Information, wie man das macht, verschwinden.
Im Grunde hängt alles jedoch von einer do it yourself-Mentalität ab und es ist immer noch einfach.”

Warum das Netz dann aber doch so ist, wie der Rest der Welt.

Jodi hat trotzdem keine revolutionäre Vorstellung vom Netz, so eine, wie man sie beispielsweise gerne Wired attestiert. Ohne Zweifel gehen sie zwar davon aus, das das Netz in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird – “*ack2the#FFFFFFuture”, lancieren es dabei aber nicht als eine kampffreie Zone, die alle glücklich machen kann, sondern denken es als Spiegel der Realität: ,,LIVE is EVIL>:Thats alsoin mediA.MUSEal contexture>:”
In diesem Zusammenhang kommt die eigene Domain dem Besitz der Produktionsmittel oder/und Vertriebsstruktur gleich. Suchmaschinen wie Altavista oder Hotbot werden von jodi nicht besonders ernst genommen. Wahrscheinlich zu Recht, weil die Vielfalt im Netz zu groß wird, um sie anständig auf sie zugreifen zu können. Auf die Frage, was sie von dem oftmals fallenden Satz halten, im Netz gäbe es einfach nicht genug Inhalte, antwortet jodi:
“>:morf decieveR.
e.Txt_is_not_content>:oT
,There.smorethanenough Ccontent onthe net.Now.”
Genau deshalb geht es mittlerweile darum, wie man im Netz sichtbar bleibt, wenn man sich nicht größeren Servern unterordnet. Suchmaschinen sind propenvoll gestopft, bei Altavista kommen auf jodi.org 400 Hints und unter den ersten 30 befand sich kein jodi.org. Um auffindbar zu bleiben scheint die eigene Domain fast schon unerläßlich.
“dBASE.IV SmartStart.,Property isallinthe.dot.0wner.site by>:Linking
your.domain.dot.yourname
,With a domain internic knows to find you>:
,Get a NIC Handle
> >>>>>Nomad Vision Number: 3.0
> **************** Please see attacked detailed destructions
> *****************
> ******** Only for registrations under EVIL, RATS, GEIL, DUE, ASM, CIA
> ********”
Nimmt man weiter ernst, das das Netz eine Zukunft ist, bei der es sich lohnt, zu investieren, wird Programmieren bzw. technisches Wissen zur wichtigsten Sprache neben Englisch: “,basic.CWhow.DIY,VIR.EXE kits.Shareware
Available.CWObject.cgi//begin.Build//AB.USEQ.html
^@^+__+{P”P+l__a+y”
Im Grunde ist es mittlerweile, bestimmt aber bei html, fast schon leichter als eine Fremdsprache, weshalb keiner so richtig versteht, warum Kids in amerikanischen Schulen damit beschäftigt werden, das Umgehen mit Suchmaschinen zu meistern, anstelle gleich in die Programmierung einzusteigen. Wenn man nett ist, erkärt man das damit, daß ihre Lehrer noch mit so anstrengenden Programmiersprachen wie Basic oder Pascal genervt worden sind und alleine vor dem Wort “Programmieren” einen Heidenrespekt haben. Ist man nicht so nett, sieht man darin einen frühen Unterricht im Konsumentensein, wogegen das Produzentenwissen als “Herrschaftswissen” versteckt wird. Das kann man sich aussuchen.

Old School is New School

jodi arbeitet mit einer anständigen Old School-Netzästhetik (weil: “history.ScreendepthX.CIA.ordered:WWW:atari.riot>:NoPlot*ackGamegrid.640X480Matrix”), dh. mit ASCI, Mac, html oder Unix Fragmenten, alles sehr raw, viele durch Fehler generierte Images und Rahmen und Buttons für Variationen: über 350 Einzelseiten, die auf noch mehr vor sich hinwachsen. In gewisser Weise hat die Art, wie jodi mit html umgeht, eine Parallele zum Mythos Techno, mit man dem dann gleichzeitig hier aufräumen kann: nicht daß die Machinen oder Programme gegen ihre Gebrausanweisung benutzt werden (wer liest schon komplett die Gebrauchsanweisung), sondern ein Arbeiten mit unvorhergesehenen Sounds bzw. hier eben Bildergebnissen.
Eigenartiger Weise sind jodi weit und breit die einzigen, die so arbeiten, was einem verblüffend klar macht, wie restriktive das Netz als Medium ansonsten benutzt wird: alle sind brav und halten sich an die angedachten Vorgaben oder warten auf die nächste Version, um damit was neues machen zu können.
Genau in diesem Verhalten der User selbst liegt der Grund für die Befürchtung, daß das Netz sich klassenartig auseinanderdifferenziern könnte, was heißt: teure Programmierer, die neusten Software und folglich die aufwendigsten Websites bestimmen was Standard ist und diese Information ist dann auch wiederum nur auf den leistungsfähigen und teuren Computern ansehbar. Nur, so einfach ist es eben nicht. Auf die Frage, ob jodi eine Gefahr für das Hinterherhinken selbstgemachter Hompages im Gegensatz zu “professionell/kommerziell” programmierten Sites, die von Firmen finanziert werden, sehen, schreiben sie:
“>:Vieuw net.source>:its notaPro or %$#acker_comparison,andthe one doesnot >exclude theother ,set.up aWebring.bHotlist.cWormfood.>: WWeb_isthe_eazieSt±±!#@Mediuminthe.w.WurlD!!!. XLmessage.s)))(m.egma>:Sniff$@my***asswordlist+???”
Jodis Site ist extrem low tech, keine Seite größer als 30k, also auch mit einem 14.4 Modem meisterbar, mit Absicht: “>:pp.screen a30KMax..Letthe Spize#FFFFFFlow>:300Kmbps…Incoming//>:
Lower_the_1mperial.bandwidth.>:De.de.sign.4bitmap>:Receiving:14.4Mode3m.//KashBa”

It’s about the medium.

Im Endeffekt ist Jodi eine Website, die über das Medium mit den Mitteln des Mediums arbeitet und typische Eigenarten dieser Welt aufnimmt. Technisch und thematisch, sozusagen. Selten genug das jemand so arbeitet, sind doch die meisten Sites immernoch damit beschäftigt, das Netz als nicht ganz ernst zu nehmendes Zusatzmedium zu behandeln und die vorhandene Information, so schnell es geht, da drauf zu klatschen. “Wenn man mit dem Netz arbeitet, muß man das Netz verstehen, wenn man beim Radio arbeitet, muß man das Radio verstehen.” bemerkt Joan im Nettime-Interview, und unverständlicher Weise wird die Kultur des Netzes immernoch unterschätzt.
Jodi greift diese typischen Netz- oder Computersachen auf und verarbeitet sie weiter. “Good Times” beispielsweise hat auf der Site einen eigenen kleinen Bereich, in dem damit herumgespielt wird. Good Times ist eine dieser Medienmythen, ein Virus, der auf einer weiterzupostenden E-mail (das, was früher Kettenbrief hieß) beschrieben und vor dem gewarnt wurde, den aber meines Wissens noch keiner jemals erlebt hat (wie die meisten Viren). Wie alle guten Menschen hassen jodi Microsoft und darin liegt der Grund, Good Times aufzugreifen. Im Anagram von Good Times findet sich:
“ps.hidden//VIR.EXE.MSGotoDie//ItemGoods//Godemo.sit>:in2it
,,Useletic.0perator.!>made4,slate.com//Tesla.cooki*”
Gerne verarbeiten sie auch verschiedene Lizensierungstexte (Sourceangaben laut Jodi: “6m1l3–dMacros0ft///>—WARnung–IDjavapapa–Wetscrap2.0–#00000Range–sent”), wie:
“The Software is not fault-tolerant and is not designed, manufactured or intended for use or resale as on-line control equipment in hazardous environments requiring fail-safe performance, such as in the operation of nuclear facilities, aircraft navigation or communication systems, air traffic control, direct life support machines, or weapons systems, in which the failure of the Software could lead directly to death, personal injury, or severe physical or environmental damage, ”

Den Rest dieser kleinen, seltsamen Einheit, die eigenartig unberührt alle Netzstandards verneint und das Wort Benutzerführung wahrscheinlich noch nicht einmal kennt (um herauszufinden, wo es weitergeht, muß man die Maus über den Bildschirm wandern lassen, bis sie die kleine Hand wird), sollte man sich selbst ansehen. Irgendwie dringend.

Jodi findet man auf:
http://www.jodi.org

und plant in Zukunft:
http://www.jodi.org/mess
http://www.jodi.org/mu
(bislang noch in dem “file not found”-Status)

Derzeitige Lieblingsnetzseiten von jodi:
http://194.152.164.137/090.cgi
http://www.silverserver.co.at
http://www.sunsite.cs.msu.su/wwwart
http://www.ljudmila.org
http://www.king.dom.de
http://www.phreak.co.uk
http://www.irational.org
http://www.infected.com
http://www.interland.it/margherita
http://www.etoy.com
http://www.dse.nl/ibw
http://www.ozemail.com.au/~thesnake

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Elektronische Lebensaspekte.