Die schwedischen Technoproduzenten waren immer gut darin, Minimaltechno den glitzernden Glamour abzuringen. Johan Skugge perfektioniert mit seinem neuen Album "Volume" den schwedischen Stil und fordert seine Kollegen heraus.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 89

Nie wieder S-Techno
Johan Skugge

Irgendwann gab es mal Schwedentechno. Und wir haben alle vergessen, dass es das immer noch gibt. Schweden, das heißt für uns: minimale Elektronik, Dubspielereien, kurzum, Mitek. Und Schweden heißt immer mehr, aus Minimalismus heraus etwas machen, das einen immer noch bewegt. All diese Produzenten in Stockholm haben eins gemeinsam. Sie langweilen sich und beklagen, dass das Leben in Schweden so teuer ist. In ihrer Musik hört man davon nichts und die meisten bleiben – wie Johan Skugge – einfach da, weil man in Stockholm unter sich ist. “Wir hören unsere Musik immer gegenseitig an, und dann geht man mit dem Gefühl nach Hause, dass man es besser machen will.” Johan Skugge, Anfang dreißig und mit mehr als einem Jahrzehnt als Bandmusiker im Rücken, begann spät mit elektronischer Musik. Aus seinem zweiten Demo wurde 2002 ein Album auf Source Records und dann landete er, wie so viele der “großen” schwedischen Grammyanwärter (Sophie Riemheden, Andreas Tilliander, etc.) bei Mikael Stavöstrands Label Mitek, wo jetzt sein zweites Album “Volume” erscheint, dass bei uns in der Redaktion einmütig als die Platte gilt, für die man das letzte Luomo-Album gerne gehalten hätte. Dreifach durch den Effektwolf gedrehte Vocals von u.a. Jay Johanson und Laura Delicata, ein leichter digitaler Disco-Vibe, harmonische, aber dennoch kickende Tracks, die genau die Waage halten zwischen klaren Strukturen und Dichte. Einfach eine dieser Elektronikhousediscoirgendwas-Platten, die einem beim ersten Hören schon im Ohr bleiben und da nicht wieder raus wollen. “Das erste Album entstand ja, nachdem ich aufgehört hatte, in Bands zu sein, weil ich eben einfach genug davon hatte. Dann habe ich gemerkt, dass mir vor allem das Feedback fehlt, weshalb ich immer noch gerne jedem, den ich treffe, meine neuen Tracks vorspiele. Aber seitdem ich – seit zwei Jahren kann ich ja von Musik, vor allem natürlich von meinen Auftritten leben – sehr viel live spiele, fließt immer mehr von der Reaktion des Publikums in die Tracks ein. Daraus entstand viel von ‘Volume’.”

Glück haben dank Clubs

Und sein Publikum, das sind glücklicherweise die Clubs gewesen. Irgendwie ist er mit seinen Liveauftritten trotz seiner clickrig introvertierten Sounds auf “Objects And Buildings” immer wieder auf einem Dancefloor gelandet und fing dadurch an, die Sounds immer mehr in das Glitzern der Nacht, die Neondisco, den Dancefloor, der, einmal angedreht, nie wieder zu Ende sein will, einzubetten. Und genau darin hat “Volume” eine Perfektion erreicht, die dieses Jahr nur schwer zu übertreffen sein wird. “Volume”, auch wenn es Johan Skugge schwer fällt, den eigenen Titel zu beschreiben, ist, wie es heißt. Mal leise, mal laut, immer rund, etwas, das man zu Hause hören kann, wie man ein Buch liest, aber genau so im Club braucht, wenn man in eine Welt eintauchen will, die sich schon immer gewünscht hat, dass aus Minimalismus doch noch mal die perfekte Musik für den Dancefloor wird. Und wenn Mikael dann mal wieder in Stockholm zu Besuch ist, werden die beiden Live-Versionen verkabelt und man jammt in fünf Tagen ein ruffes Album und zwei EPs für Onitor zusammen. “Man kann ja nicht immer tagelang an den Sounds herumbasteln. Glücklicherweise geht es ja heutzutage auch direkter.” Aber Schwedentechno wird es nie wieder werden.

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Elektronische Lebensaspekte.