Streben nach dem klassischen Klang
Text: Philipp Bullwein aus De:Bug 123


Deepness wird als Attribut für elektronische Musik ja ständig benutzt. Da passt also vieles rein. John Daly versucht, seine Musik extra deep zu machen, sagt er. Weil das aber ebenso oft benutzt wird, ist es dann zu wenig, Musik nur damit zu beschreiben. Dalys entfaltet völlig unaufgeregt eine Langsamkeit, ist dabei funky, warm und sehr organisch. So organisch, dass es auf der Hand liegt, dass er früher in Band-Projekte involviert war.

John kommt aus Cork im Süden Irlands, einem großartigen Ort für Housemusic und Clubkultur in den späten Neunzigern, wie er sagt: “Damals fing ich an, mich dafür zu begeistern. Ich habe dort eine längere Zeit aufgelegt und einige Partys organisiert.” Inzwischen hat John das hinter sich gelassen, lebt in Gelway im Westen Irlands und produziert dort House, mal mit Tribal-Anleihen, mal mit einem Hauch Psychedelik, stets reich an Chords und nie auch nur ein winziges bisschen bemüht, irgendeinem aktuellen Trend zu entsprechen.

“Ich strebe nach einem klassischen Klang, nicht danach, was gerade modern ist”, sagt er. “Es gibt da ein bestimmtes Gefühl, das ich bekomme, wenn es funktioniert, eine Art kosmischer Energie, danach suche ich.” Kosmische Energie, Psychedelik, die Assoziation mit den Siebzigern drängt sich da auf. John bestätigt: “Ich sample viel Musik aus den Siebzigern. Nicht zum Loopen, sondern als Klangquelle. Das ist der einzige Weg, diesen Sound zu bekommen. Denn es ist mehr als nur etwas Akustisches, es ist die Energie dieses bestimmten Zeitpunktes. Die kann man nicht nachbilden. Die Aufnahmen dieser Zeit klingen besser als alles, was heute gemacht wird.”

Ziemlich oldschool, natürlich auch was seinen persönlichen Musikgeschmack betrifft. “Ich höre nicht viel neue Musik. Die neuen Sachen, die ich mir anhöre, sind hauptsächlich die House- oder Technoplatten, die ich mir kaufe. Ich liebe klassische Rockmusik, zum Beispiel Jimi Hendrix, Pink Floyd, Cream oder Led Zepellin, etwas Krautrock und Spacemusic wie von Tangerine Dream und Klaus Schulze und Blues von Bob Dylan, Captain Beefheart und das ganze Westcoast-Hippiezeug. Jazz, besonders aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern, zum Beispiel von John Coltrane und Pharoah Sanders und die Fusionsachen, die danach kamen. Von Weather Report und Return To Forever und Free- und Far-Out-Jazz wie von Sun Ra oder Albert Ayler.”

Nach zwei EPs auf Wave Music und Singles auf seinem eigenen Label Feel Music ist gerade Johns Album auf Plak Records erschienen. Und das klingt so, wie man es nach Johns Ausführungen erwartet: House, ein bisschen Siebziger-mäßig, mit viel warmen Chords und insgesamt sehr zeitlos. Über den Kontakt mit Plak sagt John, er hoffe auf eine längere Zusammenarbeit. Und womit es sonst weitergeht, liegt bei seiner Ruhe eigentlich auf der Hand:

“Einfach weitermachen und Spaß daran haben.” Ganz klar. Und außerdem: “Ich würde gerne mal Filmmusik oder andere Leute produzieren.” Bevor er sich da aber reinarbeitet, sind einige Releases in nächster Zeit geplant: Eine neue Single und ein Album auf Wave Music und ein paar Remixe auf verschiedenen Labels, verrät John. “Ich versuche, verschiedene Stile zu machen und möchte auf keinen Fall nur nach einer bestimmten Formel arbeiten.”
http://myspace.com/thesoundofjohndaly

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.