10 Jahre De:Bug: 10 elementare Bücher
Text: Anton Waldt aus De:Bug 115


John Keegan
Die Kultur des Krieges
Rowohlt, 1997

Der Militärhistoriker John Keegan räumt in diesem Buch mit der Idee vom Krieg als unbedingtem Schlachten auf. Auch die Art und Weise, wie Kriege geführt werden, unterliegt nämlich in ungeahnten Dimensionen kulturellen Gepflogenheiten.

Keegan macht vor allem mit einem historischen Rundgang deutlich, dass die sehr deutsche Idee des “totalen Krieges” nicht die Regel, sondern die Ausnahme ist. Die meisten Gesellschaften haben es nämlich überhaupt nicht eingesehen, das Kräftemessen auf dem Schlachtfeld über alles andere zu stellen. Im Kontrast zu den Fanatikern Clausewitz und Goebbels war vielmehr die strikte Beschränkung des Krieges durch Rituale der Normalzustand kriegerischer Auseinandersetzung.

Am augenfälligsten werden diese Beschränkungen durch die Schilderung der “primitiven Kriege” der Urwaldvölker: Nur ganz bestimmte Männer hauen sich nach ganz bestimmten Regeln Keulen ohne tödliches Potential über die Schädel, weil der Gesellschaft sonst zu viele Produktivkräfte entzogen würden.

Mit der Differenzierung des Kriegsbegriffs durch Keegan wird eine Position jenseits der Pole Pazifismus und Militarismus möglich, und aktuelle, verwirrend asymmetrische Konflikte werden verständlich.

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Elektronische Lebensaspekte.