Halbzeit. In der Sommerpause ist immer genau der Moment, an dem man im immer noch unglaublich expandierenen Feld der graden Bassdrum überlegen kann, wer einen bislang wirklich dieses Jahr beeindruckt hat. Die Wahl fällt leicht.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 104

Von einem, der Pet Shop Boys für eine Platitüde hält
Jona

Der selbst erklärte Eklektiker Jona aka Jonathan Troupin aus Liège fiel mir das erste Mal auf, als seine erste EP unter diesem Pseudonym auf Toys For Boys erschien, einem der besten Label aus dem machmal fast wie eine Parallelwelt existierenden Pool von Labeln, die dort die Szene bestimmen, auf dem auch Quennum, Bern, Miguel Tutera und Karri O. releasen. Seine Laufbahn ist ziemlich typisch: raven, auflegen, Partys organisieren, erste Releases unter einem Pseudonym, Carsen Denaso, auf den hierzulande weniger bekannten Labeln Color und Serie mit einem Sound, der zwar kickt, aber nicht unbedingt auffällig war. Über seine Platten auf Strobe und eben Toys For Boys wurde Get Physical auf ihn aufmerksam und veröffentlichte die EP “The Learnings”, die trotz ihres Titels klar machte, dass Jona einer der ganz Großen im Feld von dem, was man fälschlicherweise immer noch minimal nennt, werden würde. Seine Tracks sind nämlich, egal wie man es dreht und wendet, alles andere als minimal. Ravig, bleepig, heiter, überraschend, voller unterwarteter Breaks und melodischer Spielerein, aber (wie es sich für einen S.A.E.-Studenten gehört) mit einem Sound, der so beeindruckend professionell und klar klingt, dass man ihm gerne eine längere musikalische Vergangenheit angedichtet hätte. Learning hieß aber hier eben nicht, dass Jona ein Anfänger ist, sondern jemand, der mit jedem neuen Track seinen Sound neu definieren möchte und der damit in der zur Zeit sehr auf ein Ziel, einen Sound, eine kurze Signatur-Trademark gerichteten Minimalwelt fast diametral gegenüber steht. Das Geheimnis seines Sounds aber bleibt, dass Jona-Tracks trotzdem oder vielleicht deshalb immer auch funktionieren und den Floor rocken wie kaum etwas. Und vielleicht eröffnet Jona damit auch, denn seine Tracks sprechen sich schnell rum und er hat mittlerweile mit Resopal und Fumakilla zwei weitere große deutsche Label im Rücken, eine Perspektive, wie aus dem Dilemma zwischen Minimalismus mit immer ähnlicheren Sounds und ebenso eingleisig rockendem Ravesound zwischen Elektro und House Minimal doch noch mal in einen weiteren Pop-Frühling gehen könnte, ohne sich anbiedern zu müssen bei Trance, Pet Shop Boys oder sonstigen Platitüden. Wir jedenfalls sind uns schon jetzt sicher: Jonathan Troupin wird der Mann des Jahres auf den 4/4 Dancefloors.

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Elektronische Lebensaspekte.