Joshua Davis, ehemaliger Technologie-Forscher bei der Agentur Kioken und Herrscher über PrayStation.com, hat einiges erlebt im letzten Jahr. Als Vorbild aller Flash-Designer und Besitzer einer Goldenen Nica der Ars Electronica blickt er zurück auf ein Leben zwischen Scripten und dem nächsten Konferenz-Vortrag.
Text: thomas brodahl aus De:Bug 59

Ein Technologieforscher auf Reisen

DEBUG: Als du anfingst, was würdest du da als Wendepunkt bezeichnen?
JOSHUA DAVIS: Ich hatte gerade die Domain praystation.com gekauft und dachte über ein paar satirische, halb-religiöse Statements nach, die man ins Netz stellen könnte, als sich ein virtueller Voodoo ereignete: Im Oktober 1998, als drei von uns noch daran arbeiteten, bekam die Seite 27.000 Hits in ein paar Stunden. Sie crashte den Server dreimal. Der Rest ist Geschichte.

DEBUG: Warum im Web? Was ist am Web so anziehend für dich?
JOSHUA DAVIS: Ich denke, es ist das Intime. In Verbindung mit der Unmenge an Multimedia-Tools, die es dafür gibt.

DEBUG: In den letzten Jahren war ich wahrscheinlich nicht der einzige, der dich um deine bezahlten Abenteuer rund um den Globus beneidet hat. Wie hat das Reisen dich und deine Arbeit beeinflusst?
JOSHUA DAVIS: Es ist schwer, nicht von allem inspiriert zu werden, vor allem, wenn man dazu tendiert, hypersensitiv auf alles zu reagieren – auch auf die Dinge, die für die Locals nicht mehr sichtbar sind.

DEBUG: Welche von den Städten, die du besucht hast, hat dich am meisten beeinflusst? Und warum?
JOSHUA DAVIS: Ich würde sagen Süd Afrika und Hongkong. Süd Afrika war sehr spirituell und magisch für mich. Wohingegen Honkong eine starke audio- und visuelle Erfahrung war.

DEBUG: Was machst du gerade? Arbeitest du immer noch für die Agentur Kioken in New York? Wie bezahlst du deine Rechnungen?
JOSHUA DAVIS: Ich bin nicht mehr bei Kioken. Ich wollte wieder etwas Zeit auf Tour verbringen und so viel wie möglich an Ideen für das nächste Jahr erarbeiten. Irgendwie kriege ich es hin, meine Miete mit Reisen zu bezahlen (Workshops, Vorträge). Es ist das bescheidenste Leben, das ich je geführt habe, aber gleichzeitig auch das Beste.

DEBUG: Wie kannst du allen Dingen die Aufmerksamkeit geben, die sie benötigen, und dabei noch so produktiv sein? Es ist doch sehr schwierig, sich um all die Lieblings-Projekte zu kümmern und gleichzeitig Zeit für die Notwendigkeiten des Lebens zu finden.
JOSHUA DAVIS: Ich behandle die Arbeit an Praystation als Full-Time-Job. Ich stehe auf und investiere einen ganzen 8-Stunden-Tag (meist mehr). Eigentlich wie jeder andere mit einem Nine-to-Five-Job. Die Wochenenden verbringe ich dann mit meiner Frau. Manchmal muss ich Geschäftsreisen in verschiedene Länder unternehmen und manchmal etwas mehr arbeiten.

DEBUG: Welche Dinge sind am wichtigsten für dich? Was bringt dich voran?
JOSHUA DAVIS: “The Alchemist: A Fable About Following Your Dream”, lies dieses Buch von Paulo Coelho, es wird dich zu neuen Einsichten bringen. Es hat mein Leben verändert.

DEBUG: Wie steht es um die Zukunft deines Lieblings-Webtools Flash? Gibt es irgendetwas Neues in der nächsten Version, das du aufregend findest oder worauf du hoffst?
JOSHUA DAVIS: Die gesamte Code-Struktur hat sich verändert, womit das, was die meisten von uns damit tun, um einiges effizienter wird. Und ich bin schon ganz wild darauf, mich mit ein paar Video-Menschen zusammen zu tun und mit den Video-Möglichkeiten zu spielen. Auch die neuen Grafik Bibliothek sieht ganz robust aus.

DEBUG: Als ich vor ein paar Monaten in New York war, stieß ich auf eine Installation von dir im PSOne in Queens. Gibt es irgendetwas Neues Richtung Kunst in der nächsten Zukunft?
JOSHUA DAVIS: Ein Menge! Im Moment arbeite ich an meiner fünften Museums-Show und bin in Gesprächen mit einer Galerie über Ausstellungen, Sammlungen und Ankäufe.

DEBUG: Viele Websiten sehen heute so aus wie die von Matt Owens, Mike Cina oder dir. Hältst du das für einen Trend oder eine Kunst-Bewegung im Netz?
JOSHUA DAVIS: Ich denke, ein bisschen von beidem. Es ist sicherlich ein Trend, der im Untergrund anfing. Trotzdem habe ich mich oft gefragt, ob wir später darauf als eine Kunst-Bewegung zurückschauen werden, kreiert in einer Welt ohne Beschränkungen, kreiert von Menschen, die sich sehr nahe standen, obwohl sie geographisch weit voneinander getrennt waren.

DEBUG: Für jemanden, der zum ersten Mal eine Maus in die Hand nimmt und in das Spiel einsteigt, was würdest du dem empfehlen? Welche Fähigkeiten und Kenntnisse hältst du für notwendig?
JOSHUA DAVIS: Halt dich fern von irgendwelchen Design-Portfolios! Was immer du machst, mach es mit Liebe und suche besser nach etwas Obskurem, etwas das du liebst. Und zu erst: Finde heraus, wer du bist und was du sagen willst! Innovate don’t replicate!

DEBUG: Glaubst du noch an Papier und Print, oder nur noch an Screen-Design?
JOSHUA DAVIS: Ich denke oft, dass Papier für mich als Medium zu gewellt ist. Und oft erlaube ich der Technology mit mir zu machen was sie will.

DEBUG: Was wirst du deinen Enkeln erzählen, wenn sie dich nach dem Sinn deines Lebenswerkes fragen?
JOSHUA DAVIS: Ich werde ihnen sagen, dass es gesund ist, Fragen zu stellen. Es hilft dabei, Zweifel zu beseitigen und neue Informationen zu erlangen. Leben sollte sich eher darum drehen, Fragen zu stellen als Antworten zu finden. Und dass ich mein Leben mit dem Streben nach Fragen verbracht habe, nicht unbedingt in dem Wunsch, auch deren Antworten zu finden.

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Elektronische Lebensaspekte.