Statt Tekken-Spielen kann man mit dem Joypad jetzt auch Raven. Studentische Forschung hat aus einem handelsüblichen Joypad einen Midi-Controller für Musi-Magie am Rechner gezaubert. Für ein besseres Morgen, kann DeBug da nur sagen.
Text: Markus Engel aus De:Bug 65

Keyboard spielen kann jeder. An Drehreglern zu schrauben beeindruckt heute niemanden mehr. Aber mit einem Joypad in der Hand mittels Game-geübten Moves die Filter zum Oszillieren und den Saal zum Kochen zu bringen, das gab’s noch nicht. Eine Gruppe von Studenten, darunter DIALs Lawrence, präsentierten auf der Hyperkult XI der Universität Lüneburg mit dem “JoyToMIDI” ein Delphi-Patch, das ein handelsübliches PC-Joypad in einen rockenden Controller verwandelt. Was gewöhnlich dazu dient, den maximalen Wahnsinn mit virtuellen Doppelgängern per Fernsteuerung zu fabrizieren, wird jetzt in ein Gerät umgewandelt, mit dem es möglich ist, sample- und synthesebasierte Klangerzeuger zu steuern.

Gerade in Zeiten, in denen die Lust an haptischen Interfaces größer ist denn je und die Leute eh dank nächtelanger Tekken-Battles am Pad durchtrainiert sind, ist dies eine ernst zu nehmende und vor allem preiswerte Alternative zu Top Sellern wie Korgs KaossPad oder dem Air FX von Alesis. Die Joypads haben außerdem den Vorteil, dass sie über lange Entwicklungsschritte hinweg mittlerweile ergonomisch perfekt und smooth in der Hand liegen.
Mit dem “JoyToMIDI” lassen sich die Parameter jedes MIDI-fähigen Klangerzeugers sowohl in den grundlegenden als auch in komplexen bis experimentellen Konfigurationen steuern. Die von den beiden Sticks des Pads eingehenden Befehle werden in MIDI-Daten umgewandelt und können parallel prozessiert werden. Die Feuertasten dienen als “Shift-Funktion”, durch die eine Mehrfachbelegung ermöglicht wird. Dadurch können sowohl standardisierte und festgelegte Channel Voice Messages wie NoteOn, Pitch oder Velocity als auch variabel zuordenbare Control Changes gesendet werden. Durch seine offene Struktur ist die Schnittstelle sowohl bei Installationen als auch für Live-Musik-Performances und Musikproduktionen einsetzbar. Zur Sounderzeugung eignet sich dabei besonders die Synthesizersoftware “Reaktor” von Native Instruments, da sich hier alle Bedienelemente mittels einer MIDI-Learn-Funktion sehr flexibel konfigurierbar von außen ansteuern lassen. Dank der Control Changes kann sich so jeder ein passendes Set basteln. Das Delphie-Patch erkennt automatisch alle MIDI-Ins und –Outs, über die der Computer verfügt.

Auf “glizz.net” gibt es das komplette Paket mit Delphi-Patch, Reaktorpatch, virtuellem MIDI-Kabel zur Rechner-internen Kanalisierung und Bedienungsanleitung zum freien Download. Das einzige, was neben Reaktor noch selber gekauft werden muss, ist das passende Pad (Logitech “Wingman Rumble Pad”). Rocken mit Sticks war nie einfacher.

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Elektronische Lebensaspekte.