Du magst den trippigen Space-Disco-Sound ebenso wie die Maschinen-Melancholie von Detroit-Techno? Dir fehlt bei einem Großteil der auf den Dancefloors gängigen Tracks das Unvorhersehbare? Dann dürfte die Musik der beiden Israelis Juju und Jordash dein Herz höher schlagen lassen.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 136

Juju&Jordash

Seit knapp sechs Jahren produzieren die beiden zusammen Tracks, die sich jeder allzu klaren Kategorisierung verweigern und ein Amalgam aus den unterschiedlichsten Einflüssen von Jazz über Krautrock bis hin zu Techno und House darstellen. Als sich die beiden Mitte der Neunziger Jahre in Haifa kennen lernten, waren sie beide in diversen Band-Konstellationen als Musiker aktiv und experimentierten gleichzeitig zu Hause mit Synthesizern herum. Jordash, der Ältere, entdeckte seine Liebe zu House und Techno während seines Wehrdienstes, wo er Yoav B, einem der wenigen anderen israelischen Techno-DJs und Produzenten kennen lernte.

Für Juju wiederum, der bis dahin vor allem Jazz und experimentellen Rock gehört hatte, lieferten die Kassetten voller House- und Techno-Kleinode, die Jordash ihm zusammen stellte, die Möglichkeit, sein Herz voll und ganz an die gerade Bassdrum zu verlieren. Noch mehr Synthesizer wurden gekauft und die Experimente vertieft. 2003 riefen sie dann Juju & Jordash ins Leben und ein Jahr später erschien ihre erste EP auf Reggie Doke’s Detroiter Label Psychostasia.

Weitere Maxis folgten unter anderem auf dem britischen Label Real Soon und auf Keith Worthy’s Aesthetic Audio. Ihre Tracks stechen mit ihrem improvisiert wirkenden Charme aus dem Meer an deepen House- und Techno-Platten hervor. Effektiver Funktionsware setzen sie eine verspielte Musikalität entgegen, die den Dancefloor zwar voll im Blick hat, aber gleichzeitig so herausfordernd ist, dass ihnen alles Offensichtliche abgeht.

Juju&Jordasch

So beschreiben die beiden ihre Musik auch als ”music from the future gazing deeply into the past”. Jordash dazu: ”Ich denke, dass die ästhetische Entwicklung im Jazz von den Big Bands zu der Freejazz-Bewegung der Siebziger sehr inspirierend ist. Von der Produktionsweise her ist ohne Frage Dub Reggae und die frühe Cabaret Voltaire-Phase ein großer Einfluss für mich. Die Musik, die ich am meisten liebe, war immer die, bei der ich zu mir selber gesagt habe: ’What the fuck?’” Und Juju ergänzt: ”Es ist zwar ein Klischee, aber gute Musik ist zeitlos, egal welcher Stil.

Auch, wenn sie erst einmal unzugänglicher erscheint als andere Sachen. Wir versuchen vollkommen analog zu arbeiten und jeden Sound im Raum wie ein eigenes Instrument zu behandeln. Auch wenn das manchmal mehr Arbeit ist. Es fühlt sich einfach richtig an.” Und wieder Jordash: “Fuck all that predictable shit.” Ihr gerade auf dem Amsterdamer Label Dekmantel erschienenes Debüt-Album, das die Lücke zwischen spleenig-jazziger Cosmic-Disco und deepen Techno-Futurismus Detroiter Prägung mit einer betörenden Leichtigkeit schließt, klingt wie der Soundtrack zu einem verschollenen Klassiker, bei dem sich die Hollywood-Altmeister Sam Peckinpah und David Lynch gegenseitig die Bälle zugespielt haben.

In die eklektische und agile Amsterdamer Szene mit den Schaltzentralen Rushhour und Delsin fügen sie sich damit perfekt ein. Seit einigen Wochen haben die beiden auch eine Online-Radioshow mit dem Namen ”Off Minor” auf deepfrequencies.com. Wer noch tiefer in das Universum von Juju & Jordash abtauchen möchte, dem bieten sich mit den Sendungen, in denen sie von Theo Parrish über Legowelt bis zu Klaus Schultze und dem Art Ensemble of Chicago durch die Jahrzehnte schweifen, die beste Gelegenheit.

Entsprechen die “Off Minor”-Sendung ihrer Vorstellung einer idealen Clubnacht? Jordash: Idealerweise ja. Aber die Realität diktiert uns etwas anderes. So lange die Leute tanzen und Spaß haben, werden wir kein 15 Minuten Stück von Klaus Schultze auflegen. Außer wir haben das Gefühl, dass sie damit umgehen können oder aber uns derbe auf den Sack gehen.”

Juju & Jordash ist erschienen auf Dekmantel/Rushour.

http://www.rushhour.nl
http://www.myspace.com/jujujordash

3 Responses

  1. marcelv

    No ja, ich hab die Seite gecheckt..und einege Setz gespeichert.. interessant und vielseitig.. Sie werden diese Woche in Bratislava auflegen.. bin gespannt..