Die drei Macher des Designportals aller Designportale dieser Welt Kaliber10000 verbrachten die letzte Zeit damit, sich um die hauseigene Software zu kümmern, mit der die Zukunft des Tagebuchs gesichert ist.
Text: jarrett kertesz aus De:Bug 59

K10K macht Depressionen zu Diagrammen

Das digitale Stimmungsbarometer “Moodstats”

Drei dänische Designer machten mit Kaliber1000 (k10k) dass, wovon viele vorher nur geträumt hatten. Ein Webdesign Magazin, dass wöchentlich mit einer neuen Ausgabe die wichtigsten Websites und Projekte präsentierte und mit einem Weblog stündlich alle wichtigsten News der Szene verbreitete. Ein Forum für Design Flexecutives aus aller Welt. Untertitel: The Designers Lunchbox! Seit letztem Sommer ist ihre Website allerdings in einen ruhigen Schlaf gefallen, denn die Macher sind voll und ganz mit ihrer Moodstats Software beschäftigt, mit der ihr ein Tagebuch im Diagramm-Stil führen könnt.

DEBUG: Woher kam die Idee, ein Programm wie das Mood-o-Meter zu entwickeln, das Launen, Kreativität und Stress misst?

K10K: Einer von uns verbrachte die meiste Zeit seines Teenagerlebens damit, grässliche Tagebücher zu schreiben über junge Lieben und solche Sachen. Er maß seine Stimmung jeden Tag auf einer Skala von 1 – 100. Am Ende jeden Jahres beschäftigte er sich damit, lange deprimierende Statistiken zusammenzustellen, die eindrucksvoll die furchtbare Traurigkeit illustrierten, die es bedeutete, ein pickeliger, armseliger dänischer Jugendlicher zu sein. So entstand die Idee des Mood-o-Meter (in Dänemark: humor-o-meter).

Dann fragte uns Matt Owens , ob wir ihn mit einem interaktiven Teil für seine Codex Serie unterstützen könnten, also für die CD Rom-Compilation voller digitaler, experimenteller Arbeiten verschiedener internationaler Designer und Künstler. So entstand die Idee für Moodstats. Wir begannen darüber zu diskutieren, ob wir irgendein weiteres generisches Stück animierter Blödheit entwickeln wollten, unterlegt mit einem gnadenlos repetitiven Drum and Bass-Soundtrack. Oder ob wir einmal etwas völlig anderes tun wollten. Etwas Menschliches, Süßes und Subtiles – und trotzdem nützlich auf eine komische Art und Weise. Und so starteten wir auf eine lange und stürmische Entwicklungsreise, die am Ende ein Jahr dauern sollte und sich immer noch so anfühlt, als seien wir erst am Anfang.

DEBUG: Hat euch Moodstats außerhalb von Design neues Wissen vermittelt, beispielsweise wie wir Kreativität und Stimmung miteinander koppeln?

K10K: Es gab eine Menge interessanter Menschen, die uns ihre Ideen erzählten, um Moodstats aus seiner kleinen On-Screen-Umgebung herauszulösen und in die reale Welt zu bringen. Medizinische Unternehmen, Psychologen, Sozialarbeiter und andere haben uns interessante Alternativen für modifizierte Versionen von Moodstats vorgeschlagen. Wir begannen zu begreifen, dass das Programm nicht nur für Kreative nützlich sein kann, und seither denken wir über neue, ausgeweitete Anwendungsmöglichkeiten nach.
Viele Nutzer gaben uns außerdem sehr positives Feedback. Einige hatten Moodstats dazu benutzt, um ihre Depressionen zu beobachten, um mit den Dingen und dem Leben besser umzugehen. Das war der Punkt, an dem wir einsahen, dass dieses Programm so viel mehr ist als ein Spielzeug.

Die derzeitige Version ist vor allem auf Kreative zugeschnitten: Man kann sechs verschiedene Kategorien beobachten, drei davon sind Stimmung, Kreativität und Stress. Die anderen drei können auf jede Weise angepasst werden. Hohe Stress Level bedingen für gewöhnlich niedrige Stimmungslevel (aber können hohe und niedrige Kreativitätslevel bedeuten, das ist vom User abhängig) und umgedreht.

Einer unserer Zukunftspläne ist, verschiedene Versionen des Programms zu entwickeln, die auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnitten sind. Sie werden eine unterschiedliche Auswahl von festen Kategorien haben (oder überhaupt keine festen Kategorien) und, hoffentlich, neue, interessante Verbindungen zwischen diesen Kategorien.

DEBUG: Hat Moodstats eure Art verändert, wie ihr an eure sonstigen Jobs und Kundenprojekte herangeht?

K10K: Nicht wirklich. Wir haben darüber nachgedacht, wie man an Kunden mit Moodstats-inspirierten Projekten herantreten könnte, aber die derzeitige Programmierung ist ein sehr spezialisiertes Tool. Die Arbeit, die wir angeboten bekommen oder die wir uns selbst suchen, hat im Allgemeinen überhaupt nichts mit Moodstats zu tun.
Die Art, wie wir es nutzen, ist eher low-level. Nämlich dazu, um Muster zu finden, wie wir Menschen funktionieren und um unsere voyeuristischen Tendenzen zu befriedigen, anderen Menschen bei ihrem Leben zuzuschauen, in Form von Heften und Tagebüchern, die uns helfen, nicht zu vergessen, was wir wollten.

Wir fanden es auch sehr hilfreich und ermutigend, schlechte Angewohnheiten aufzuzeichnen (Fitness und Rauchen waren die beiden Kategorien, die die Kaliber Crew nutzte), aber das betrachten wir mehr als eine ausgeweitete Form eines Tagebuches denn als ein Welt-Rettungs-Tool. Mit ein paar weiteren Kniffen werden wir es sicherlich auf einen vollständig neuen Level heben.

DEBUG: Es gibt offensichtlich eine Menge Möglichkeiten für die Weiterentwicklung von Moodstats.

K10K: Auf unserer To-Do-Liste stehen eine Menge von Customization-Features. An erster Stelle Design-Skins – etwas wonach viele User gefragt haben, vor allem die, die das Programm am Arbeitsplatz benutzen, wo Pink wahrscheinlich nicht die beste aller Farb-Wahlen ist. Dann ein Multi-User-Sharing, damit mehr als eine Person eine Kopie des Programmes benutzen können. Und die Möglichkeit, Fotos und Sound in die Tagebücher und Notizen zu integrieren. Es soll ein Blogger-Plug-in geben, um die Daten einfacher auf einer Website publizieren zu können, einen gestreamten Soundtrack und vieles mehr. Darüber hinaus arbeiten wir an einem Kunstwerk für eine Ausstellung, auf der Moodstats Daten live und auf eine lustige Weise dargestellt werden.

DEBUG: Wenn die K10K-Site relaunched wird, könnte Moodstats ein wichtiger Teil der Website werden?

K10K: Wahrscheinlich nicht so sehr, wie angenommen wird. Wir werden natürlich für das Programm werben und einen kleinen “World-Moods”-Bereich einrichten, der auf Shockwave-Basis Kurven zeichnet, die aus allen Moodstats-User-Daten gebildet werden, aber wir persönlich sehen diese beiden Dinge als völlig getrennte Einheiten.
Da Moodstats ein käufliches Programm ist – für nur 15$ ist es als Shareware zu haben -, müssen wir sehr vorsichtig sein, es in K10K zu integrieren. K10K ist ein Platz, der frei von kommerziellen Interessen ist.

DEBUG: Auf welchen Programmen ist Moodstats aufgebaut?

K10K: Wir haben Macromedia Director 8.0 und 8.5 verwendet, um die derzeitige Applikation zu entwickeln. Alle Grafiken, Design-Elemente usw. wurden in Adobe Photoshop und Adobe Illustrator entwickelt und danach in Director importiert. Für das Daten-Handling setzten wir auf eine MySQL-Datenbank auf, die auf unseren K10K-Servern läuft, welche sich um alle Userdaten kümmern, die hin- und hergeschickt werden. Alle Moodstats-Daten sind in XML formatiert, was im Nachhinein eine der besten Entscheidungen war, die wir je getroffen haben. Das kann ich euch flüstern.

DEBUG: In der “About”-Sektion erwähnt ihr, mehr “emotionale Software” entwickeln zu wollen.

K10K: Tja, nun….Dazu können wir nicht so viel sagen. Aber es gibt schon ein paar schlimme Sachen, die uns eingefallen sind. Diese Off-Beat-Projekte machen so viel Spaß. Zu sehen, wie Leute davon ergriffen werden, ist sehr ermutigend. Es scheint, als gäbe es einen Bedarf für einen nicht politisch korrekten Umgang mit Software-Entwicklung.

k10k.net

http://www.k10k.net

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Elektronische Lebensaspekte.