Sobald die Katze aus dem Sack gelassen ist, muss man sie füttern. Ein natürlicher Spaß für den West-Londoner Agent K, der seine musikalische Laufbahn als Rattenfänger der Midlands begann und nun ein Fusion-Album mit großer Metaphorik auf den Tisch legt.
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 61

Die Katze füttern nicht vergessen!

Kaidi Tatham/ Agent K

West-London und die Katze: Wer beide nicht füttert, kann sein blaues Wunder erleben. Agent K aka Kaidi Tatham ist zur Raubtierfütterung angetreten und dropt mit “Feed the Cat” die haustierische Geschmeidigkeit. Der Kopf des Agent K steckt aber schon wieder ganz woanders. Gerade wieder mit Roy Ayers für die “BB-Boogie”-Platte kollaboriert, winkt das hauseigene “Bugz-in-the-Attic”-Kollektiv heftig mit einem Album in der berühmten Rohrleitung.

Kaidi Tatham hat Anfang 2002 einen Entschluss gefasst: “Nicht mehr so faul sein – jetzt alles geben.” Und der Gute gehört wohl zu den Menschen, die, wenn sie nur wollen, Leistungen vollbringen können, die niemand von ihnen erwarten würde. “Feed the Cat” hatten jedenfalls nur wenige so richtig als feste Größe auf der VÖ-Mappe. Das Album spielt sich aber erstens hartnäckig in die Herzen des relevanten Teils der Musikwelt. “Feed the Cat” kann zweitens der Beginn einer wunderbaren Gelassenheit sein, die den verschiedenen musikalischen Lagern Satisfaktion geben möge. Denn Kaidi Tatham rückt die Koordinaten zwischen Sample-Nerds und Sound-Forschern gerade. Er hat nichts anderes getan, als im Housegewand George Clinton, Herbie Hancock und George Duke aufeinander rasseln zu lassen. Dennoch West-London sehr nice-guy-mäßig.
Im Vergleich zu anderen Album-Oeuvres der Fusion-Gemeinde klingt “Feed the Cat” mehr aus dem Bauch geschossen als highend-konstruiert. Er findet, dass dieses Album “einfach nur Funk ist” und “ausdrückt, was ganz natürlich passiert”, wenn er zu produzieren anfängt. Wen wundert es da, wenn Kaidi sagt, das die Katze füttern “nur eine Kostprobe ist. Das nächste Album ist schon fast fertig.”
Nur mal eben so rechts antäuschen und dann links vorbeiziehen also? Nee, so nicht. Eher rechts antäuschen und dann aus allen Rohren: Alben ohne Ende (mit)produzieren, Live-Auftritte und an dem West-London-Kollektiv arbeiten: Doch bevor der Multiinstrumentalist im September erstmals live spielen will, “gibt es noch ein BB-Boogie-Album und am Bugz-in-the-Attic-Erstling wird auch” gerackert.
Womit wir bei Kaidis Posse angelangt sind: “Als Bugz-in-the-Attic-Jungs arbeiten wir seit fünf Jahren zusammen. Die Idee des Kollektivs ist, sich gegenseitig zu füttern und am Vibe zu schrauben, Platten rausbringen. Jeder hat sein eigenes Projekt, ist aber bei den Platten der anderen dabei”, kann sich also wenn nötig auf die Räuberleiter der anderen verlassen. Na und wenn man weiß, dass bei den KriKraKrabbel-Käfern Leute wie Orin Walters aka Afronaught, Paul Dolby aka Seiji, Alex Phountzi, G-Force, Daz I Kue und Scott Clifford dabei sind, kann das Album einfach nur spannend werden.
Tatham hat aber auch noch ein paar Schocker am Lager. Unter dem Namen “Shocks” bastelt er gerade an Veröffentlichungen. Seit er 18 ist, ist das noch so ein Seitenprojekt, mit dem Kaidi nichts anderes bezweckt als Leute zu überraschen – “im Guten wie im Schlechten”. Hat er sich das von Herbie Hancock abgeguckt? Könnte sein. Denn der ist eigentlich dafür verantwortlich, dass Kaidi an der Musik kleben geblieben ist. “Als ich zum ersten Mal Herbie Hancock gehört habe, war ich einfach nur noch süchtig nach Musik. Marvin Gaye, Patrice Rushen und Tania Maria haben mich aber nicht weniger beeinflusst.”
Vielleicht hat seine Haltung aber auch etwas mit Trotz zu tun. Als der Pennäler Kaidi früher auf dem Heimweg Flöte spielte, wurde er von Mitschülern gehänselt. Statt sich verarschen zu lassen, was gerade als Eleve äußerst übel sein kann, machte er seinen Weg, ging aus den Midlands fort nach London, lernte mit 16 ein Instrument nach dem anderen und reißt inzwischen Dego von 4Hero dazu hin: “Wenn Berühmtheit und Talent gemessen werden würden, würde Kaidi Tatham schon jetzt berühmt sein.”
Kaidi Tatham fühlt sich in London jedenfalls wohl: “Es ist einfach gut, hier zu sein. Ich habe die ganze Musik um mich herum. Es ist leicht, dieses Gefühl in Musik auszudrücken und es in die richtigen Hände und Ohren zu bringen.” Das musikalische Universum des Agenten K scheint unendlich. Solange West-Londons-Vorzeige-Talent gut gefüttert wird, dürfte das auch so bleiben, wenn nur aus der Katze nicht wieder ein Murmeltier wird, das die Hyperaktivität gegen den Winterschlaf eintauscht.

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Elektronische Lebensaspekte.