Die wilden Jahre sind vorbei - Eddie Currelly will nur noch eins: Guten Vibe
Text: Michael Dörninger aus De:Bug 151

Nach einer 5-wöchigen Europatour ist Eddie nun erstmal wieder zu Hause in seinem abgeschiedenen Paradies. Obwohl er nach so langer Zeit so gut wie jeden aus der internationalen und kanadischen Szene kennt, wirkt er doch eher wie ein einsamer Wolf, der ab und an mal sein Revier verlässt und sein zufriedenes Glück mit der Welt teilt. “Ich hoffe, dass man Musik aus Kanada so charakterisieren kann, wie das Land selbst, in dem ja Leute aus allen Teilen der Welt leben. Ich empfinde den Sound genau so: international”, sagt er.

Die Vorstellung eines Bilderbuch-Kanadiers Eddie drängt sich auf und ist einfach zu schön, um sie gleich wieder zu verscheuchen: wie er im Flanellhemd durchs Städtchen spaziert, auf dem Flohmarkt ein paar Funk-Platten schießt, die hier sonst niemanden interessieren, und abends damit in der örtlichen Disko ein paar Touristen das Tanzen leichtmacht.

“Es ist schon eine mentale Herausforderung, nach solchen unglaublichen Wochen wieder mit dem normalen Leben weiterzumachen, echt verrückt. Aber ich bin hier absolut zufrieden. Und ich habe schon vor einer ganzen Weile gemerkt, dass Ausgehen und Großstädte mir nicht mehr viel geben.”

Eddie ist bodenständig im besten Sinne. Er könnte wie Big Ed in Twin Peaks der stadtbekannte Automechaniker sein, ein kumpelhafter, zurückhaltender Typ, auf den sich alle verlassen können. Seine wilden Jahre hat er gehabt, denn er ist alt genug, um House und Techno nahezu von Anfang an aktiv miterlebt zu haben. Und nach Detroit ist es von Toronto aus ein besserer Katzensprung, in dessen Suburbia Eddie aufwuchs, bevor er 1995 zum Studieren ins benachbarte Kitchener ging.

Big Eddies Discothek
Spätestens dort wurde sein Verhältnis zur Musik obsessiv: Platten sammeln, Auflegen, eine eigene Show im Campusradio und Raves wurden zum Alltag: “Wir durften gerade Auto fahren und nahmen so viel wie möglich von den ersten Warehouse Partys in Toronto mit. Rückblickend war die Szene dort sehr britisch beeinflusst, also viel Acid House und immer ein bisschen zu viel des Guten. Aber trotzdem richtig witzig und inspirierend. Später haben wir dann Trips nach Detroit unternommen. Besonders Richie Hawtins Partys waren immer unglaublich, klar. Er hat so gut aufgelegt, da war alles andere egal.” Auflegen, davon wollte Eddie auch leben. “Wir haben uns damals ständig getroffen und in jeder freien Minute Platten gespielt. Ich bewunderte immer Leute aus den verschiedensten Sparten, so wie ich auch alle Genres liebe. Ein DJ kann mich schon alleine durch seine Plattenauswahl oder Scratchtechnik umhauen, David Rodigan etwa, oder QBert.”

Seit ein paar Jahren veröffentlicht Eddie nun auch selbst Platten. Dance Music, wie er es nennt, weil das momentan für ihn einfach am reizvollsten ist. Seine Releases auf diversen Labels zeigen Eddie als das, was er schon sein Leben lang ist: ein Vollblut-DJ, der auch mal auf Hochzeiten auflegt und immer eines versucht: Hauptsache guter Vibe. Den Rave hat er hinter sich gelassen, er liebt die Wärme der 70er und 80er, von Disco und Funk, lieber zu langsam als zu schnell. Sein anstehendes Debütalbum “Parts Unknown”, ein breites Spektrum an Tracks, die er in die letzten sechs Jahren gemacht hat, ist also gewissermaßen ein Selbstportrait des schüchternen, aber leicht zu entflammenden Musikliebhabers, der den Leuten vor allem eins geben will: eine gute Zeit. Die will er jetzt aber erstmal selber haben, beim Skifahren, seiner zweiten Leidenschaft. Das tue er an mindestens 100 Tagen im Jahr, und nun müsse er schleunigst zurück auf die Piste. Gute Abfahrten gibt es nämlich nicht nur im Club.

Eddie C, Parts Unknown, ist auf Endless Flight erschienen.
http://www.myspace.com/remoteman
http://www.redmotorbike.blogspot.com