Singen für die Seele.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 151

Das Minimal ist mittlerweile verschwunden, James Teej hat sein erstes Album auf Rekids längst hinter sich, und überzeugt von Release zu Release mit einer Mischung aus ruhigen, aber immer kickenden Tracks auf diversesten Labeln, die seine musikalische Bandbreite zeigen und perfekt in den Toronto-Zirkel zwischen Art Department und My Favorite Robot passen. Kein Wunder, sie sind alle Freunde.

Debug: Du kommst gar nicht aus Toronto, oder?

Teej: Stimmt, ich bin erst 2006 hingezogen. Eigentlich komme ich aus der Nähe von Montreal, bin aber mit 14 mit meinen Eltern in den Westen Kanadas gezogen, in ein kleines Dorf in den Bergen. Da habe ich ca. 1994 angefangen aufzulegen. In einem Dorf mit vielleicht 9.000 Einwohnern. Zum Plattenkaufen bin ich mit meinem Vater nach Calgary gefahren, immer mittwochs. 100 Kilometer. Zunächst haben wir unsere Partys selber gemacht, später auch in Cafés. Mit 16 hatte ich dann eine erste “Clubnacht”. Eddie C kommt übrigens aus der gleichen Ecke. Später habe ich mich bei seinen Platten immer gewundert: Ich kenne doch auch einen DJ, der Eddie C heißt, dachte ich. Bis ich realisiert hatte, dass er das tatsächlich war. Ich bin jetzt schon die Hälfte meines Lebens DJ.

Debug: Und wenn du auflegst, singst du.

Teej: Ja, aber natürlich nicht die ganze Zeit. Ich liebe das Auflegen einfach. Als ich nach Toronto gezogen bin, hatte ich keinen Job, aber zum Glück noch ein bisschen Geld auf der hohen Kante. Also habe ich mir ein Loft gemietet, das Studio verkabelt und losgeforscht. Ich musste zunächst herausfinden, was ich eigentlich machen wollte. Techno gab es bei uns auf dem Dorf nicht, in West-Kanada hört man House.

In der Panorama Bar habe ich dann zum ersten Mal vor größerem Publikum ausprobiert, wie es ist zu singen. Das verbindet dich auf eine viel intimere Art und Weise mit dem Publikum. Die Vocals bleiben allerdings im Hintergrund, das muss alles den richtigen Flow haben. Und auch mit den Effekten bin ich vorsichtig, Pitchshifting ist verboten. Ich bin zwar kein professioneller Sänger, aber diese Ehrlichkeit wollte ich immer in meiner Musik. Es ist mir wichtig, dass das Publikum hört, dass ich da singe. Ich nehme die Vocals für meine Platten auch fast immer in einem Take auf. Der erste hat meist die größten Emotionen, eine Art Live-Gefühl. Perfektion steht da nicht so im Vordergrund. Und für den Moment brauche ich auch keine dezidierten Live-Sets, DJ-Sets mit Gesang machen am meisten Spaß. Für mich ist Musik immer etwas sehr Deepes, fast schon spirituell.

Debug: Du hast einen amtlichen Lauf im Moment, bist aber schon sehr lange dabei.

Teej: Ja. Meine erste Platte hab ich mit 15 gemacht. Selbst gepresst und verteilt. Ich bin allerdings froh, dass die frühen Sachen eher rar sind, weil ich damals einfach noch nicht so weit war. Der James-Teej-Sound beginnt für mich erst mit ”Musique Noir“, zusammen mit Jonny White. Und natürlich mit “String Theory” auf Connect Four. Das alles hat viel Zeit gekostet und war eine fast therapeutische Erfahrung für mich. Umso überraschender dann der Erfolg. Als ich das Album für Rekids machen sollte, war ich ganz aus dem Häuschen.

Debug: Was steht in nächster Zeit an?

Teej: Aktuell gibt es ein paar Vocal-Features. Auf DJ T’s Album und für Alex Prommer von Jazzanova, die für mich immer schon ein Rieseneinfluss waren. Ich habe auch noch ein neues Projekt mit Aaron Santos, das sich Kings Arms nennt. Da kommen bald EPs auf No.19 und Wolf+Lamb Black. Das hat sich über ein paar gemeinsame Gigs entwickelt und ist eigentlich etwas albern. Als James Teej veröffentliche ich bald eine EP auf Supernature.

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