Kein Minimal mehr. My Favorite Robot feiern Oldschool.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 151

Man kann diese kanadische Szene jenseits der klassischen elektronischen Parameter hören. Aus einer Vergangenheit heraus, in der Vocals in elektronischer Musik so normal waren wie die Frisurenexperimente von Grace Jones. Und in der gleichzeitig die unterschiedlichsten Charaktere Platz hatten. My Favorite Robot prägen mit ihrem Label einen Raum für genau diese Offenheit und als Act weisen sie zurück in die 80er, was auch an Sänger Voytek liegt. Hier bleibt die Darkness immer funky. Musik, die augenzwinkernd mit dem Oldschool-Aspekt spielt, aber in der man dennoch ganz versinken kann. Poppige Deepness.

Debug: Welche Vorteile hatte es, das Label nur mit MP3s zu starten?

My Favorite Robot: Als wir vor über zwei Jahren angefangen haben, hatten wir nicht genügend europäische Kontakte. Die braucht man heutzutage einfach, um ein Vinyl-Label zu machen. So konnten wir langsam wachsen und unser Sound-Gefühl genauer ausrichten. Aber Schallplatten wollten wir immer machen. Unsere gesamte Geschichte ist doch auf Vinyl aufgebaut. Wir machen uns auch keine Illusionen, mehr als die üblichen 300-500 Kopien zu verkaufen. Unser Sound ist ja definitiv nicht für alle. Dafür mögen wir Melodien und Vocals viel zu sehr. Das ist eine Nische, aber gleichzeitig auch ein Glücksfall. Voytek hat ja auch einen Band-Background und ist ein Fan von Cure, Joy Division und den Happy Mondays. Ich hingegen komme eher von der elektronischen Tanzmusik und war früher Fan von Downtempo, Trip-Hop wie Massive Attack. Ich wollte nie ein Label haben, dass nur für einen bestimmten Stil steht. Es sollte schon ein echter Spiegel unserer Vorlieben sein und dabei überraschen können. Wir hatten nie Angst eine EP zu machen, die mal ganz anders klingt. Das passt, denn auch wenn wir praktisch alle aus Toronto kommen, gehen unsere Vorstellungen von Musik doch weit auseinander. Das war schon so, als wir ein DJ-Team waren und alles andere als linear aufgelegt haben. Kenny Glasgow, Johnny White und Teej haben uns nach unseren ersten Produktionen dann letztendlich auch fast schon gedrängt, endlich ein Label zu machen.

Debug: Seht ihr euch selber als Teil einer neuen kanadische Welle?

My Favorite Robot: Schon. Es war nie unser Anliegen, den definitiven kanadischen Schneeball-Effekt loszutreten, aber wir haben auch einfach Glück, dass wir so viele Talente um uns rum haben. In Nordamerika fühlt man sich manchmal sehr weit entfernt von denen, die die Musik wirklich lieben. Als Gruppe und mit MFR und No.19 haben wir schnell gemerkt, dass es lohnt, unsere Kräfte zu bündeln. Und mittlerweile kann man schon von einer Bewegung sprechen. Richie Hawtin, John Aquaviva, Konrad Black … es macht einen schon stolz dazuzugehören.

Debug: War Langsamkeit immer schon wichtig?

My Favorite Robot: Nein. Ich mag Uptempo für die richtige Crowd sehr gerne, und manchmal werden wir auch schneller, aber mit ein wenig mehr grauen Haaren im Bart wird die Idee, es zu diesen langsameren Orten zu bringen immer verlockender. Als wir angefangen haben war das auch keine bewusste Entscheidung. Und wenn man sich andere Labels wie Hot Creations oder Culprit ansieht, dann ist das und die Entscheidung für einen mehr oldschoolig orientierten Sound ja schon eine weltweite Bewegung. Es ist ein spezieller Vibe, und es hat viel zu lange gedauert, bis wir wieder bei 115 BPM angekommen sind. Vor allem die Basssounds haben so viel mehr Raum um Spuren zu hinterlassen.

Debug: Die Synths in eurer Musik spielen immer auch in Richtung Detroit.

My Favorite Robot: Absolut. Wir mischen zwar Hardware und Software, diese Art von fetten analogen Sounds und Synth-Melodien sind aber für uns immer zentral. Wir haben alle einen klassischen Oldschool-Hintergrund. Als ich aufgewachsen bin, sollte Techno ja immer modern und zukunftsgerichtet sein und viele Leute haben irgendwann wieder festgestellt, dass es Werte und Sounds aus eben dieser Vergangenheit gibt, die es einfach Wert sind, wieder aufgegriffen zu werden. Rückblickend war und ist Minimal einfach zu modern.

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James Teej
Art Department

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