Der Korg Kaoss Mixer kombiniert das Kaoss Pad Effektgerät mit einem DJ Mixer. Ein Glücksfall für alle Ambient auflegenden Kiffer und Kamikaze-gestimmten Schranz-DJs.
Text: sascha kösch | bleed@de-bug.de aus De:Bug 49

WISCHFINGER TRÄUME
DER KORG KAOSS MIXER

Das Kaoss Pad von Korg war (und ist, wie ich vermute) ein sympathisches Einfinger-Trackpadeffektgerät mit einer Art auf 2 Dimensionen runtergebrettertem Joystickcommandotool für die Parameter der diversen Effekte. Der jetzt kaufbare DJ Mixer mit integriertem Kaoss Pad soll den Fusselspaß und die Direktheit des Pads für DJs, bekanntlich der konservativste Haufen musikalischer Erzeugerinnen unter der Sonne (siehe Technics forever), zu einem “Performance Tool” machen. Also nicht mehr tanzen, wenn einem nichts mehr einfällt, sondern, wegen Ruckelgefahr, den Zeigefinger ruhig und besinnlich seine Effektkreise zirkeln lassen und die Samplepads anwerfen.

JETZT AN DAMIT
Hat man erst mal die Erdungsklemmen in das kleine Löchlein gefusselt und seine beiden Eingänge (ja, 2, nicht mehr, 3 und mehr Turntablewizzardz müssen halt das Effektgerät als Teller nehmen) mit Technics verstöpselt, vielleicht noch ein Mikrophon (das allerdings auch auf einem der beiden Kanäle läuft, die man für die Plattenspieler braucht, eher also für nostalgische Ansagen taugt wie: “Wer hat seinen Schlüssel verloren”, wofür es dann auch ein Talkover gibt), dann kann man die Kiste booten. Die LEDs drehen sich dabei munter im Kreis, und man darf obendrein den Einsatzpunkt des Crossfaders, zusätzlich zu dem schon vorhandenen Kippschalter für 3 verschiedene Kurven, noch mit einer gespreizten Tastenkombination kalibrieren. Als grundlegender Mixer ist der KAOSS mit lautem Kopfhörerausgang, schnellem Crossfader, gutem 3 Band Equalizer für jeden Kanal und vielleicht etwas zu kleinen orientierungslosen Gainreglern auch ohne Pad ein sympatisches, nostalgisch rotschimmerndes, robustes Kistchen. Die Gummiknöpfe klicken leicht, damit man weiß, dass sie funktioniert haben, manche Potis rasten in der Mitte ein, die Kippschalter sind OK, der BPM Eintipper reagiert schnell, was für die Effekte nicht unwichtig ist, die Levels lassen sich mit Tastendruck von R/L auf die zwei Kanäle umschalten, falls man wieder eine Nadel im Verdacht hat, den Mix versaut zu haben, denn Schuld sind bei DJs immer die anderen. Ein DJ Mixer halt, mit einer klaren, knappen, 6 Seitigen Bedienungsanleitung, die keine Fragen offen lässt. Einfach und gut ist immer gut. Also: FX Taste immer auf an und los, man versteht die Kiste sofort.

FUNKTIONALES
7 verschiedene Effektbänke, eine für Samples noch dazu, alle mit je 10 Effekten drin und über programmierbare (Lieblingseffekt) Gummileuchttasten und Drehpoti anwählbar, Holdtaste, für Leute, die eigentlich nur Effekte hören wollen, Beimischpoti, um zu sehen, wie laut man das alles neben oder statt der Platten haben will, 4 Sampletasten mit einer knappen halben Minute Gesamtlänge, die man aus unerfindlichen Gründen umständlich auch für Stromausfälle speichern kann, und natürlich das Pad, das neben den bekannten 4 schimmernden Ecken eine Zusatzleuchte hat, die stolz sagt: ich bin an. Genauer: Die Effektebänke wie Filter, Modulation, Reverb klingen gut und braucht man wohl weiter nicht zu erklären, sie lassen sich wie nahezu alle Effekte auf einen der beiden Kanäle oder eben den Master schalten, nur vorhören kann man sie nicht, was gelinde gesagt den KAOSS MIXER im Club zu einer ziemlichen Kamikaze Aktion machen kann. Nur ein paar der Delay Effekte reagieren in Koordination mit der eingegebenen BPM Zahl (nebenbei, es gibt eine Auto-BPM Funktion, die aber im Vergleich mit dem Eintippen so umständlich ist, dass sie glücklicherweise keiner benutzen wird, wozu auch), die Soundeffekt-Effekte mischen verschiedene Ringmodulationen mit mehr Hall, sind Sinus oder Sägezahn Oszillatoren, klingen gelegentlich wie Theremin oder Cheaposynth und bieten als letztes einen ambienten Wasserblubbersound, auf den ja auch Madonna steht. Am besten auf das abgestimmt, was DJs allgemein bekannt tun sollten (mixen nämlich) sind die X-Fade Effekte, mit denen man den Crossfader bei gedrückter Holdtaste gleich ganz ersetzen und erstaunlich vieldimensionale, weiche, wuschelige und skurrile Übergänge über Flanger, Filter, Delays, Echos, Isolatoren, Hall usw. hinrutschen kann, bis man selber nicht mehr weiß, was los ist, wozu vor allem die Tatsache beiträgt, dass man die Effekte bei X-Fade immer, bei den anderen oft auch über den Kopfhörer mithört. Die Sample/Play Effekte, die die gespeicherten Samples modifizieren, sollte man, bevor man sich damit in den Club wagt, eingehends auswendig gelernt haben, wobei die schnöde Nummernanzeige für jeden Effekt nicht grade hilft. Die skurrilen Scratcheffekte, Loop-Start und -Ende Kontrollen sowie diverse vorwärtsrückwärts Kür-Kombinationen sind wirklich eher etwas für den komplett bekifften Ambient DJ (die das Teil eh lieben werden, weil so flüssig), Fanatiker von Timestretching oder Leute, die genau wissen, was für Parts man aus den Tracks, die man spielt, wirklich damit benutzen kann, ohne dass aus dem KAOSS Mixer eben ein Chaos Mixer wird.

SUMMA SUMMARUM
Ein sympathisches “intuitives” Tool das Ganze und sicher eine der besten Effektlösungen für DJ Mixer, die man sogar noch nebenher mit dem Daumen oder ähnlichen Extremitäten bedienen kann und bei großen Lautstärken und mit tanzender Crowd vorsichtig eingesetzt aus langweiligen Platten verrückte, aus deepen alberne und aus komplizierten komplett unverständliche macht. Dem, der es bedient, aber immer vor allem Spaß. Neben ein paar komplett missverständlichen, fast barocken Applikationen (erwähnter Talkover Schalter sowie Super-Bassboost Drehknöpfchen), die nicht wehtun, sind es vor allem das Fehlen der Vorhörmöglichkeit und die an 80er Jahre Billigdiscobeleuchtungsanlagen erinnernden Nummerndisplays für Effekte, die der Kiste wichtige Einsatzterritorien verschließt. Zuhause verwischt der Korg Kaoss Mixer gelungen die Grenzen zwischen Musik Hören und Produzieren, verärgert Nachbarn und Mitbewohner und stärkt somit das Selbstvertrauen, im Club dürften sich allerdings Verwirrung und Begeisterung die Waage halten, wobei eher langweilige DJs durch ein wenig Verwirrung ja eher gewinnen können, konzentrierte mehr Begeisterung an sich gut vertragen. Sein kultureller Wert ist also per se unschätzbar.

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Elektronische Lebensaspekte.