Text: der Jim aus De:Bug 30

Jahrelang war ein Multi – Effektgerät wahlweise ein 19 Zoll Rack mit ein paar unhandlichen Knöpfen oder schlicht die klassische Gitarrentretmine. Groß Rumschrauben oder Editieren war nur in extrem beschränktem Maß möglich. Nachdem Anfang des Jahres die Federation von Red Sound erschien (das Multieffektgerät mit dem Joystick in der Mitte) machten sich auch andere Hersteller daran, ein neues Interfacedesign zu entwickeln. Mit dabei das Kaoss Pad von Korg, bei dem man die Effektparameter mit dem Finger auf einem quadratischen Folienpad steuern kann. Oben drauf Die Arbeitsfläche wird von dem großen X/Y-Pad dominiert. Das Pad reagiert schon auf leichte Berührung und quittiert dies mit einem roten Lämpchen (übermäßige Kräfte sind nicht von Nöten, diese könnten sogar zu Beschädigungen führen). Darüber befinden sich sechs frei belegbare Taster zur Direktanwahl der Lieblingsprogramme. Links oben ist ein Regler für den Inputlevel, daneben den Eingangwahlschalter für Mic, Phono(!) und Line. Rechts oben werden mit einem Endlosregler die Programme gewechselt. Das zweistellige Display zeigt entweder die Programmnummer oder die X/Y-Werte. Zwei seitliche Taster erfüllen die Funktionen Hold und Bypass/Record. Hinten dran Auf der Rückseite befinden sich die Eingänge für Mic(mono), Phono und Line, wobei letzterer mono oder stereo betrieben werden kann. Ein Umschalter ermöglicht die Anpassung an zwei Betriebsarten, entweder zum Durchschleifen (Plattenspieler > KaossPad > Mixer) oder im Effektweg des Mixers (nur Ausgabe des Effektsignals ohne Direktsound). Die Line-Outs sind wie die Ins als Cinchbuchse ausgeführt. Strom gibt’s über ein externes Netzteil mit Schalter. Auch an eine Erdungsschraube für den Plattenspieler wurde gedacht. Und selbst ein MIDI-Out findet noch Platz. Vorderseitig ist ein Kopfhöreranschluß (3,5er Klinke) mit Poti vorhanden. Die Bedienung… …ist denkbar einfach. Man wählt ein Programm aus, wuselt dann mit dem Finger übers Pad und erfreut sich am Kaoss. Nimmt man den Finger wieder weg ist auch der Effekt aus bzw. klingt noch nach. Betätigt man die Hold-Taste bleibt der Effekt in dieser Einstellung bis man eine andere Position tippt. Die Parameter, die für das angewählte Programm gelten, sind festgelegt. Die Auflösung des X/Y-Pads ist mit 9 Steps pro Achse gegenüber anderen Effektgeräten etwas gering und speziell lang ausklingende Delays sind nicht eben einfach dem Songtempo anzupassen. Mit der Record-Taste kann man in den Sample-Programmen aufnehmen. Das Sample wird über die gesamte Länge geloopt. Es empfiehlt sich, sehr genau zu tappen bzw. das ein wenig zu üben, da die 9 Step-Auflösung keine feinfühligen Loopkorrekturen zuläßt. Sound & Einsatz Der Grundklang ist sehr gut, was nicht weiter verwundert, wenn man weiß, das unter dem Gehäuse im FisherPrice-Design der Chip aus dem AM8000R arbeitet. Der etwas harte, metallische Charakter (typisch bei Korg) ist für den Club-Einsatz sogar recht vorteilhaft. Die 60 Programme zu beschreiben wäre etwas müßig. Ich möchte nur ein paar Spezies genauer beleuchten. TapeDelay: simuliert ein Bandecho incl. der Frequenzbeschneidung und Gleichlaufschwankungen, sehr gut für Dub-Effekte LowPassFilter: gibt es in verschiedenen Varianten und Kombinationen, auch mit Distortion, ist zwar kein Moog-Sound, klingt aber recht nett, (allemal besser als beispielsweise der Behringer Modulizer); ein Hochpass ist ebenfalls vorhanden, zum Bass-killen. TalkMod: betont die Formanten und erzeugt damit einen vokalen Effekt, auch kombinert mit RingMod (gibt’s auch einzeln) und Hall Flanger & Phaser: bei hohem Feedback kommt man fast bis zur Selbstoszillation Sampler: verschiedene Programme die Loop oder Speed und Reverse variieren können. Zum runden Lauf eines Drumloops muß man, wie gesagt, schon sehr genau recorden. Aber man braucht ja nicht immer einen ganzen Beat aufnehmen. Wenn man nacheinander Stückchen samplet und diese dann kurz mit variiertem Speed und rückwärts zum laufendem Beat einstartet, werden schnell aus lahmen Rhythmen lustige Breakbeats. Das funktioniert auch mit Melodie-Linien ganz gut. Die restlichen Hall- und Delay-FX tun halt ihren Job. Von jedem Effekt gibt es mehrere Varianten bzw. Kombinationen z.B. mit zusätzlichem Panorama. Für die Filtereffekte ist natürlich der “Durchschleifbetrieb” sinnvoll, während die restlichen Programme sowohl in diesem Modus als auch im FX-Weg des Pultes eingebunden betrieben werden können. Darum sollte optimalerweise am Mixer das Originalsignal abschaltbar sein, ohne das auch der FX-Weg davon betroffen ist, damit dann auch die Filtereffekte ohne Umstöpselei genutzt werden können. MIDI Das KaossPad kann die X/Y-Werte als MIDI-Controller ausgeben und Programm-Change senden. Der MIDI-Kanal ist frei wählbar, die Controller liegen fest, können jedoch einzeln abgeschaltet werden. Einen MIDI-In gibt es nicht, die MIDI-Funktion dient nur zum steuern fremder Geräte, Kaoss-Sessions lassen sich somit nicht von einem Sequenzer reproduzieren. Die Schlußbetrachtung… … ist nicht so ganz einfach. Einerseits sind Bedienung und Klangqualität sehr gut, andererseits bekommt man für diesen Preis schon ein leistungsfähigeres, vollprogrammierbares Effektgerät oder auch zwei einfachere Teile. Die beiden Mitbewerber mit “ähnlichem” Bedienkonzept, efx-500 und gerade die Federation, sind allerdings noch teurer. Die grobe Auflösung der Parameter erweist sich bei Delay- und Sampleprogrammen teilweise als etwas problematisch. Da lassen sich mit anderen Geräten präzisere Ergebnisse realisieren. Jedoch sind die Performancequalitäten bei kaum einer anderen Maschine so animierend und der Fun-Faktor so hoch. Da heißt es (wieder mal) Prioritäten abwägen. Trotz der kleinen Einschränkungen ist das KaossPad speziell für DJ’s und Live-Acts ein sinnvolles, empfehlenswertes Tools.

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Elektronische Lebensaspekte.