Detroit-Minimalismus aus Chicago
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 114


Das letzte, was man auf Tracks von Kate Simko aus Chicago hören würde, ist ihre klassische Ausbildung. Oder ihre Vorliebe für das Piano. Dabei misst sie – selbsterklärte Perfektionistin – bis heute ihre Sounds an der Erfahrung mit dem Piano. Bis 2001 war sie Studentin für klassische Musik in Chicago, ihre Vorliebe für elektronische Musik, der Gedanke an eine elektronische Chilenen-Maffia in Santiago, der Versuch, ihr Spanisch aufzubessern und ein Platz als Austauschstudent ließ sie für eine Weile nach Santiago umsiedeln.

Dort aber musste sie feststellen, dass die Chilenen bis auf eine Hand voll mittlerweile nach Berlin umgesiedelt waren, traf aber glücklicherweise auf der Suche nach einem Keyboard noch auf Pier Bucci und damit auch seinen Bruder Andrés, der sie einlud, Laptop und Keyboard bei ihm im Studio aufzustellen. So entstand Detalles. Und später auch ihr Album mit Andrés auf Traum Schallplatten. Nach kurzem Umweg über Los Angeles landete sie 2003 dann wieder in Chicago, reiste aber gleich noch mal nach Santiago um ein zweites Detalles Album aufzunehmen, entwickelte ihr mittlerweile vielgerühmtes Liveset, mit dem sie mittlerweile in den Staaten auf jedem großen Festival aufzutreten scheint, und traf bei einer Traumparty mit Tilliander 2005 dann in Chicago auf Rafael Irissari, der mit Tilliander gerade sein Label Kupei gestartet hatte. Kate wurde sofort für eine erste EP verpflichtet. Mittlerweile sind nicht nur sie und Andrés Bucci sondern auch ihre gemeinsames Projekt (Detalles’ zweites Album ist soeben als erstes Album auf Kupei erschienen) fast schon das Fundament von Kupei.

Kate Simko Tracks haben genau dieses Moment, sich zwischen Minimal und Detroit so wohl zu fühlen, dass man sonstige Versuche dieser Art, die sich eher durch Neotrance und anderen Kitsch auszeichnen, sofort vergisst. Simko-Tracks haben – anders als bei den viel ruhigeren Detalles-Tracks – eine fast störrische Härte und Rohheit in den minimalen Grooves, die ihrer Vorstellung von Elektronik als zirkulärer Musik, ähnlich darin afrikanischer Musik, einen perfekten Boden geben, auf dem die Melodien ihren Soul fühlen können, statt ihn einfach nur anzudeuten. Und genau das dürfte sie wohl in den nächsten Monaten zu einem der Acts machen, die die Richtung weisen.
http://www.katesimko.com

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Elektronische Lebensaspekte.