Tief aus Baden-Württemberg erschließt sich der melancholische Geist Detroits am besten. Arne Weinberg spürt die Verbindung.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 93

Keine einfache Musik
Arne Weinberg

Wenn es in den letzten Jahren neben der vielarmigen Delsin-Posse und vielleicht Fabrice Lig einen europäischen Produzenten gab, der mit jeder neuen Platte liebgewonnene Techno-Tugenden made in Motor City zu neuem, sehnsüchtig in aufwendigen Melodien und Bleeps schwelgendem Leben erweckt hat, dann war es Arne Weinberg. Tief in der Baden-Württembergischen-Provinz holt er aus seinem Equipment so viel detroitigen Techno Soul heraus, dass man auch auf der anderen Seite des Atlantiks längst die Ohren gespitzt hat.

Gibt es eine bestimmte Platte aus Detroit, die entscheidenden Einfluss auf dich gehabt hat?

Arne Weinberg: Weniger eine Platte als das Gefühl und die Message, für die Detroit Techno steht. Diese immer doch hoffnungsvolle, melancholische, teils traurige Verlorenheit, wie man sie bei Transmat, 430 West oder Red Planet findet, ist für mich unvergleichlich. Wenn ich recht überlege, gibt es doch eine Platte, die mir immer Gänsehaut bereitet und mich tief in der Seele berührt: Rhythim is Rhythims “Icon” auf Transmat. Die beste Detroit-Techno-Platte ever.

Der Detroit-Sound ist so was wie die Klassik in Techno. Neo-Detroit-Tracks werden oft als zeitlos beschrieben, gleichzeitig hört man auf hiesigen Floors kaum Stücke von z.B. Delsin, M>O>S oder dir …

Arne Weinberg: Ich denke, das Problem ist die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft im Allgemeinen. Immer schneller und einfacher konsumieren, das ist die Maxime. Detroit Sound bzw. Musik mit Soul und Melodien erfordert eine gewisse Offenheit und Bereitschaft, auch zuzuhören. Der Kopf spielt eine Rolle und ich denke 90% der Leute wollen im Club nicht mehr denken. Das und natürlich auch die Bequemlichkeit der DJs, nur noch Sureshots zu spielen. Ich vermisse die Abende, an denen man noch was lernen konnte, weil der DJ viel variabler auflegte, als das heute üblich ist. Heute zählt nur noch der Energy Level. Allerdings muss ich sagen, dass es in England/Schottland doch inzwischen anders ist. Ich spiele dort relativ häufig, mehr als in Deutschland. Vor allem in Glasgow sind die Leute wahnsinnig offen und man kann dort eben auch mal Delsin spielen und die Leute verstehen es darauf abzugehen. Naja, vielleicht sind aber dort auch die Drogen besser. Detroit Techno ist keine einfache Musik, die man mal so nebenbei hört.

Würdest du deine Tracks selbst auch als spielerisch bezeichnen bzw. entwickelst du deine Sequencen und Melodien eher frei oder arbeitest du da zielgerichtet?

Arne Weinberg: Das hält sich so die Waage. Meine Sachen sind schon sehr verspielt. Es sind viele Melodien und auch Wendungen in den Tracks. Ich stehe nicht auf repetetive Musik und liebe einfach aufwendige Melodien. Die Sequenzen entstehen auch durchaus mal aus Zufall, vieles ist ja oft auch so gar nicht einspielbar und geplant im Sequenzer erstellt. Ich bin nicht gerade ein Virtuose am Keyboard und habe nie wirklich viel über Musik gelernt. Das kommt so mit der Zeit von alleine. Das einzige was ich eigentlich vorher weiß, ist die Stimmung des Tracks …

Du veröffentlichst jetzt demnächst eine Maxi auf Sean Deasons Label Matrix. Gab es ansonsten schon Feedback aus Detroit auf deine EPs?

Arne Weinberg: Dass Sean Deason mich für Matrix gesignt hat, war ein echter Hammer für mich! Ich habe Purzelbäume geschlagen, da ich sein Label seit Jahren liebe. Ansonsten habe ich sehr, sehr viele Bestellungen meiner limitierten 7″ (AW-001) aus Detroit bekommen. Gutes Feedback gibt es von Anthony “Shake” Shakir und auch von Submerge.

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Elektronische Lebensaspekte.