Text: Sascha Kösch aus De:Bug 11

The Stepford Boys Kerosene, Teenager, Aliens, Elvis, Metatag Sascha Kösch bleed@de-bug.de Das seltsamste daran ein Teenager zu sein sind die Geheimnisse. Es ist das Beste und das Schlimmste. Das was sich versteckt, mal aus vielen Gründen, manchmal aber auch grundlos, einfach weil es sich im Hintergrund auch ganz gut leben läßt und viele Dinge unausgesprochen besser funktionieren und das was das Offensichtlichste ist, was natürlich sofort jeder merkt, obwohl man mehr als nur gewollt hätte, daß es für immer vergraben bleibt. Teenager, vor allem wenn sie welche bleiben auch wenn sie längst von der Musik die sie machen leben können, ohne daß es jemand gemerkt hätte, haben aber auch unausgesprochene Gesetze, die das heilige Geheimnis überschreiten und ein aussen klar definieren. Sie verstehen die Bürokratie nicht, oder nur ungern. Die Arbeit die ein steuerlich – rechtlich akzeptables Leben mit sich bringt ist für sie, egal wie alt sie werden, eine Unverfrorenheit. Ein extrem lästiges Anhängsel der Wirklichkeit die man nicht begehrt, weil sie so irreal und unpräsent ist. Hollywood, die Sixties, James Bond, Lounges und Slickness, das ist real, das ist etwas das man nie hatte, nie haben wird, das nie existierte und das man begehren kann. Und Musik war immer schon, jedenfalls in unserer Zeitrechnung, die in ungefähr mit der Erfindung des Taschenrechners beginnt, die beste und direkteste Methode in genau dieses Land zu kommen, daß einem immer, und das nicht nur aus ästhetischer Weitsicht, wirklicher erschien als der wiedergekäute, ausgelaugte, umgestülpte Magen der Bürokratie. Ob es nun Party heißt, Club, Szene, Ausgehen, Programmieren, Auflegen, Studio, Arbeit, Label, Rumlungern oder Simulation. Die Wirklichkeit ist nie präsenter als wenn sie noch keiner so jemals zuvor gesehen hat, und Kerosene aka Roger Cobernus arbeitet seit Jahren an genau dieser Art von Wirklichkeit und daran, wie man sie dazu bringt, daß man sie hinterher auch in der Hand halten kann. Mal zusammen mit Cem Oral, mit dem er über das Label Pharma hierzulande Elektro der dritten Art einführte, mal alleine unter ein paar Pseudonymen, Zulutronic und Head z.B. bei befreundeten Labeln, oder, immer wieder auch als Kerosene, dem zentralen Alter Ego bei dem alles immer wieder auskommt. Er will, was in Wirklichkeit auch viel mehr Menschen wollen als Müllmann zu werden, Entertainer sein, weil es heißt Stilrichtungen endlich aufgeben zu können, sie in einer nicht anbiedernden Form konsumierbar zu machen, wie der nette Joghurt von nebenan, dessen kulturelle Relevanz jeden Morgen aufs neue unterschätzt wird. So als hätten die Joghurtkriege nicht mindestens das gleiche Ausmaß an persönlichem Leid, enttäuschten Hoffnungen und genialer Weitsicht ausgelöst wie die Browserkriege, oder der immer währende Streit der ewigen Teenager darum wer nun die coolere Musik hört. Er, sie oder es. Nachdem der Frankfurter Kerosene nun seit einiger Zeit schon die Erkenntnis, daß Simulation manchmal die beste Schule ist, pflegt, daß man nicht immer unbedingt mit der ersten Nucleus Platte und coolem Elektrokram, Acid oder gar Kraftwerk großgeworden sein muß, um hinterher zugeben zu können, daß man Sweet gehört hat, oder Queen, als man klein war, und sein heimliches Elvis Faible ganz offen bekennt, so wie andere ihr Coming Out nie, kann er umso klarer das auf den Tisch legen, was die einzige Rechtfertigung für die 90er ist. Ein Revival ist nur dann cool, wenn es etwas wiederauferstehen läßt, was es nie gegeben hat. Sei es Elektro, Acid, 60er, 70er, 80er, ein anderes Revival, das es damals schon nicht gegeben hat, oder eben wir selbst. Aber hören wir selbst erst mal was Kerosene dazu zu sagen hat. Kerosene: Ich habe das Gefühl, daß Wu Tang nicht soviel Wert auf die Produktion legt. Die Sachen die sie für andere produzieren klingen meist viel besser als die eigenen. Vielleicht wollen sie ranzig klingen, vielleicht ist das eine Ausdrucksweise von ihnen. Wir haben versucht, daraus überhaupt erst mal ein richtiges HipHop Stück zu machen. Was es nach unserer Meinung ist. Die erste Idee war natürlich es so zu machen wie das Run DMC Ding. Aber das haben wir sofort unterlassen weil man Wu Tang Clan ja nicht so durch den Kakao ziehen kann. Jason Nevins, der den Run DMC Mix gemacht hat, ist wohl so einer, der ständig unverlangt Remixe einsendet, die dann keiner will, aber bei Run DMC hat es wohl unter der Vorraussetzung geklappt, daß es nicht auf deren Label erscheint. Smile hat es wohl gemacht und Epic, Sony hat es wohl gekauft und ein Riesending draus gemacht. So wollten wir es jedenfalls nicht machen, und es wäre auch absurd gewesen, weil sie ein völlig anderes Feeling haben wenn sie rappen, eher Freestyle. Nicht so eins – zwei – drei – vier – mäßig. Das stört mich auch so an den ganzen Deutschen HipHop Produktionen. Da ist kein Flow, immer die gleiche Rhythmik. Dagegen fallen so Leute wie Busta Rhymes auf. Kerosene: Die DMX Crew ist im Grunde so eine Art Potpurri aus allem, was mal gut gewesen ist. Aber das ist ja auch das Konzept der Platte. Party Beats. Es hat nicht den Anspruch einen neuen Stil zu kreieren. DMX macht so strange Sachen wie Originaltracks neu zu programmieren, aber keine Coverversionen, sondern Stücke, die hinterher genau so klingen wie das Orginal. Nur so aus Spaß. Als Übung. So ganz habe ich das nicht verstanden. Kerosene: Er spielt es auch gerne am Telephon vor. Hey, das hab ich grad gemacht, und es ist 100% genau dasselbe. Ich glaube er läßt sogar seinen Strom umwandeln, damit er nur 110 Volt Geräte bunutzen kann, weil er glaubt daß nur dann das richtige Elektrofeeling reinkommt. Ziemlich extrem. Kerosene: G 104 ist ein ähnliches Konzept. Andere Musik, aber auch Sachen drin, die man gut kennt um es durchlaufen zu lassen. Es ist ja auch ein bischen unser Anspuch, weil wir ziemlich stillos sind, daß, wenn jemand etwas für Pharma macht, es etwas besonderes ist. Kerosene: Teenage Secrets ist eine der wenigen Platten von mir, die ich mir selber auch immer wieder anhöre. Das Material ist ein wenig älter, teilweise zwei Jahre. Und damals war die Idee die, es Mille Plateaux anzubieten. Ich hatte Hypermodern Jazz von Alec Empire gehört und fand, nachdem ich Low On Ice sehr gut fand, daß mich irgendetwas störte. Für den Anspruch den das hatte, dachte ich, ich müsste es ganz anders machen Aber es wurde abgelehnt, nicht experimentell genug, zu musikalisch. Das konnte ich nicht verstehen. Und dann ging es mit dieser Platte, was mich sehr verwundert hat, immer so weiter. Und ich war hartnäckig, genaugenommen hab ich mich noch nie so angebiedert, um eine Platte loszuwerden. So etwas mache ich nie, wenn jemand eine Platte nicht will, dann will er sie halt nicht, Punkt. Ich war halt richtig überzeugt. Es gab ja damals auch Label die für ähnliche Musik bekannt waren, aber da wollte ich nicht hin, weil sie keinesfalls in eine Jazzschiene rutschen sollte. Der Typ von Caipirinha kam dann glücklicherweise aus dem Jazzbereich, und obwohl es ja nun eigentlich gar kein Jazz ist, liebte er es aus den richtigen Gründen, weil es gar nicht nach Techno klingt. Ich war einfach froh, daß es doch noch geklappt hat. Die Idee war Filmmusik, Bar- Cocktailmusik, das hat für mich eine fast fiktive Ausstrahlung. Etwas das man in der Realität nicht erleben kann, und das hat mich so fasziniert. Teenage Secrets heißt es weil es Sehnsüchte weckt, man sucht etwas, kann es auf sich einwirken lassen, bekommt ein Gefühl dafür, aber kann es nicht ausleben. Das hat mich gereizt. Zitate: - Teenage Secrets heißt es weil es Sehnsüchte weckt, man sucht etwas, kann es auf sich einwirken lassen, bekommt ein Gefühl dafür, aber kann es nicht ausleben. - Es ist ja auch ein bischen unser Anspuch, weil wir ziemlich stillos sind, daß, wenn jemand etwas für Pharma macht, es etwas besonderes ist. - DMX macht so strange Sachen wie Originaltracks neu zu programmieren. Nur so aus Spaß. Als Übung.

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Elektronische Lebensaspekte.