In der Tradition des Konsolenklassikers "Eye Toy" wollen Projekte wie "Cyclon Uppercut" oder "Kick Ass Kung-Fu" Gamer zum Schwitzen bringen.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 95

Vom Sofa auf die Matte
Muss man sich jetzt beim Gamen bewegen?

Normalerweise schüttelt sich ein Computerspieler nach dem Verdreschen von zwei, drei Pixel-Fieslingen höchstens mal die Controller-Hand und der Gang zum Kühlschrank für ein neues Kaltgetränk stellt den motorischen Höhepunkt eines verdaddelten Nachmittags dar. Allerdings nicht bei “Kick Ass Kung-Fu”: Hier spielt der Gamer mit ganzem Körpereinsatz vor einer Leinwand und muss alle Bewegungen wirklich selbst ausführen und nicht nur mit der richtigen Tastenkombination antriggern. Das Steuerungsprinzip wurde vor zwei Jahren durch die Playstation-Serie “Eye Toy” allgemein bekannt, allerdings werden dabei nur die Bewegungen der Arme von der Kamera erfasst, und dies auch nur recht grob. “Kick Ass Kung-Fu” oder ähnliche Projekte wie das Boxspiel “Cyclon Uppercut” führen die “Eye Toy”-Idee seit einiger Zeit weiter, indem sie wirklich den ganzen Gamer zum Controller machen: “Kick Ass Kung-Fu” startet, sobald die fünf Quadratmeter große Spielmatte betreten wird, anschließend hetzt der Rechner drollige, aber aggressive Gegner von allen Seiten auf den Spieler. Jede Bewegung des Spielers wird von Kameras registriert und von dessen Spielfigur in Echtzeit ausgeführt, als Ausgabemedium dienen zwei Leinwände. Inzwischen funktioniert das Prinzip recht flüssig und wird sogar als die Zukunft der Game-Interfaces gehandelt – fraglich ist bloß, für wen. “Kick Ass Kung-Fu”-Entwickler Pertuu Hämäläinen findet die neue Sportlichkeit beim Computerspielen zwar “innovativ”, das klassische Gamer-Klientel dürfte die Schweißentwicklung aber schlicht als Zumutung empfinden und zwar nicht nur aus Trägheit, sondern vor allem weil echtes Rumgehüpfe der Intention von Computerspielen fundamental zuwiderläuft. Per Definition eine Simulation, geht es vor der Konsole oder dem PC darum, auf errechneten Rennstrecken Rekorde einzufahren und nicht echte Straßen unsicher machen. Es geht darum, sich blutig den Weg an die Spitze der Gangsterhierarchie freizuschießen und nicht darum, echtes Gehirn an die Wände zu spritzen. Es geht darum, mit in Wirklichkeit unausführbaren Sprung- und Trittkombinationen Gegner niederzuboxen, die zehnmal so groß wie die eigene Spielfigur sind, und nicht darum, sich vor der eigenen Haustür einen Passanten vorzuknöpfen. Dies – und damit die Prinzipien der frei fließenden Fantasie und der Simulation – missachten Spiele wie “Kick Ass Kung-Fu” ganz grundsätzlich und machen sich damit eher zu Kandidaten für Fitnessstudios als das Gamer-Wohnzimmer. Was allerdings nicht bedeutet, dass das Prinzip des Spielerkörpers als Controller schon ausgereizt wäre, ganz im Gegenteil: Spannend wird es aber erst, wenn die Bewegungen des Spielers in etwas ganz anderes umgesetzt werden als die tatsächlichen Bewegungen – und das kann dann auch wieder ganz ohne Schweiß und sogar im Sitzen passieren.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.