Als multitalentierter Brite ist Kid Acne nicht nur für seine obskuren Rap-Platten bekannt, sondern rührt seine Finger seit langem auch als Coverdesigner. Neben seinen eigenen Platten hat er bereits für Plaid, TTC und Caural seine charismatischen Figuren an den rechten Platz gerückt. Zeit für ein paar Fragen.
Text: Clara Völker aus De:Bug 85

Coverlover

DEBUG:
Bezieht sich dein Name in irgendeiner Weise auf deinen visuellen Stil?
KID ACNE:
Ich habe mit 15 angefangen, Kid Acne zu schreiben. Da ich ein pickeliger Teenager war, machte der Name Sinn, aber eigentlich mochte ich einfach die Buchstaben in dem Wort “Acne”, denn sie sind denen von “Edna”, meinem anderen Tag, ähnlich. Ich wollte einfach zwei Namen. Das “Kid” bezieht sich auf Oldschool-Writer wie T-Kid und Kid Panama. Jetzt ist Kid Acne zu meinem Rap-Alias geworden, aber ich verwende gerne den selben Namen für alles.

DEBUG:
Du machst ja viele verschiedene Sachen: MCing, Streetart, ein Comicbuch … inwiefern fühlst du dich von HipHop als Idee beeinflusst?
KID ACNE:
Als ich mit Graffiti angefangen habe, habe ich Rave gehört und dann fand ich britische Rap-Gruppen wie Hijack und Gunshot gut. Was ich an HipHop und Graffiti liebe, ist die alte DIY-Einstellung, dass du Sachen mit dem Equipment und den Tools machst, die du hast, erfinderisch zu sein und neue Wege zu finden, mit wenig Zeit und wenig Geld zu arbeiten. Es ist mehr eine Punk-Mentalität, denke ich. Ich war noch nie an den “4 Elementen des HipHop” oder an “keeping it real” interessiert. Ich finde, wenn man den Regeln folgt, belässt man die Sachen langweilig. Es ist wichtiger, das zu machen, was du willst, als das, was du denkst, dass du es tun solltest, um Teil einer Szene zu sein.

DEBUG:
Was motiviert und inspiriert dich?
KID ACNE:
Meine Motivation heute ist es, wirklich meinen eigenen Style zu entwickeln und ihn rauszubringen, so dass die Leute ihn sehen können. Meine Inspiration ist eine Mischung zwischen Old School Rap, Fantasy-Kunst und Dokumentationen über ausgestorbene Tiere und untergegangene Zivilisationen.

DEBUG:
Was bevorzugst du: Cover-Design, ein Comic zu zeichnen oder Streetart?
KID ACNE:
Kommt auf meine Stimmung an. Ich ziehe aus allem etwas heraus, deswegen mache ich ja auch alles. Im Moment bevorzuge ich es Graffiti zu malen und Rap-Shows zu machen, weil es augenblicklich ist, du kannst nicht zurückgehen und es ändern, du musst die Fehler einfach akzeptieren. Das mag ich sehr gerne.

DEBUG:
Und worin besteht der Unterschied für dich?
KID ACNE:
Plattencover und Magazine sind für andere Leute, also gibt es da eine andere Fragestellung. Ich muss etwas machen, mit dem ich glücklich bin, aber das auch für den Kunden funktioniert. Ich mag diese Herausforderung jedoch. Es ist gut, nach Vorgaben kreativ zu sein und Deadlines einzuhalten. Es bedeutet, dass du weniger pingelig mit deiner Arbeit bist.

DEBUG:
Bitte erkläre mal deine Comic-Buch Produktion Zebra Face …
KID ACNE:
Zebra Face ist ein Comic-Buch, das ich vor ein paar Jahren mit meinem Freund Supreme Vagabond Craftsman gemacht habe, er schreibt die Geschichten und ich male die Bilder. Es dreht sich um die Abenteuer eines blödsinnigen Superhelden mit dem Gesicht eines Zebras und einem zuckerkranken Side-Kick, der ihm hilft. Sie rappen und fluchen eine Menge und bekämpfen Bösewichte. Weil es so populär war, bringen wir dieses Jahr eine zweite Auflage raus.

DEBUG:
Welche Verbindung sollte eine Plattenhülle zu ihrem Inhalt haben?
KID ACNE:
Ich denke, die Plattenhülle sollte etwas sein, das dabei hilft, die richtige Atmosphäre für die Musik zu kreieren. Es ist das Erste, was du siehst und oft der Grund, weswegen du die Platte kaufst, aber im Endeffekt ist die Musik das Wichtigste, also sollte das Design nie zu ausgefallen sein.

DEBUG:
Und welche Platte hättest du gerne gestaltet, hast es aber nicht?
KID ACNE:
Das Album von King Geedorah auf Big Dada. Das war gerade, nachdem ich die TTC-Umschläge gemacht habe und ich hätte liebend gerne etwas anderes für sie gemacht. Ich mag Big Dada als Label sehr gerne und liebe MF Dooms Musik, also wäre es perfekt für mich gewesen. Einen dreiköpfigen Drachen, der die Welt umkreist, zu übersetzen, wäre krass gewesen!

DEBUG:
Was ist deine Lieblingsplatte, für die du bisher das Design gemacht hast?
KID ACNE:
Vielleicht die 7″, die ich für The Vines gemacht habe, es war ihre erste UK-Single und niemand hatte vorher von ihnen gehört, nach ein paar Monaten haben sie einen Vertrag bei einem Major unterschrieben und diese 7″s wurden für bis zu 80 Pfund bei Ebay verkauft. Ich wünschte, ich hätte meine Kopien nicht meinen Freunden gegeben.

DEBUG:
Glaubst du, dass ein charismatisches Umschlag-Design die Beliebtheit von realen im Vergleich zu digitalen Formaten aufwertet?
KID ACNE:
Die Leute werden immer Platten kaufen. Als die CD kam, haben die meisten zwar aufgehört, Tapes zu kaufen, aber weiterhin Vinyl gekauft. Hier in England hatten HMV und Virgin immer weniger Vinyl im Angebot, jetzt wird es wieder mehr. Ich denke, es gibt eine Menge Leute da draußen, die Platten lieben und mit runtergeladenen MP3s auf einem Laptop aufzulegen ist einfach uncool.

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Elektronische Lebensaspekte.