Game und Film rangeln nicht mehr um Vorherrschaften, sondern stärken sich gegenseitig. Man denkt jetzt parallelgleisig. Unsere Gewährsmänner: George Lucas, Steven Spielberg und Peter Jackson.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 99

Verschärftes Mash-Up von Game und Film

Wie ging es eigentlich dem Film 2005? Bekommt es ihm gut, dass er nach wie vor für mäßige bis abscheulich dröge Gameadaptionen wie “Alone in the dark“ oder “Doom“ herhalten muss? Abgesehen von diesen vordergründigen Umsetzungen hat sich hinter den Kulissen längst was anderes vollzogen: Game und Film werden immer mehr auf einer strukturellen Ebene zusammengelegt. Beide sind nicht nur enger aneinander gerückt – wo das Game noch Beiprodukt des Films war, sind sie heute zu einem einzigen Endprodukt fusioniert. Und das bereits in der Mache, nämlich mit einem Work Flow für beide. Drei nicht chronologisch aufgebrezelte Begebenheiten können dazu mit dem Finger in Richtungen zeigen. Erste Begebenheit: George Lucas, Hollywoods größter Autorenfilmer, bezieht mit den Verästelungen seiner Entourage ein Militär-Hospital in San Franciscos Presidio Park. Der liegt malerisch vor der Nase der Golden Gate Bridge, nebenan stehen auf dem ehemaligen Kasernengelände zufällig die Rechner des Internet Archive. Lucas’ neues “Lettermann Digital Art Center“ legt nicht nur Teile seiner Sparten Filmproduktion (Lucasfilm), die SFX-Burg (Industrial, Light & Magic) und die Gameabteilung (LucasArts) räumlich zusammen, sie teilen sich auch das Firmennetz. Noch in der Mache des Films sollen die gleichen Files zwischen Gameabteilung und der Filmproduktion hin und her geschoben werden, um gleichzeitig wie gleichrangig für beide Produkte benutzt zu werden. Das macht Sinn für jemanden, der gemerkt hat, dass man mit teuren Vehikeln wie “Star Wars: Episode III“, anderweitig gern als “CGI Sith Storm“ bezeichnet, heute nicht mehr genug Geld scheffeln kann. Jetzt verteilt er seine Arbeit auf mehrere Quellen, wie er das von Anfang an beim Merchandising praktiziert hat. Schließlich hat die “Star Wars“-Reihe seit dem Filmstart des finalen Teils im Mai fast zehn Prozent des Spielzeugmarkts bestimmt. Lucas will jetzt viele kleine Brötchen backen: Gewinne müssen aus mehreren Kanälen aufgebröselt werden, die Zeiten der großen Filmproduktionen sind für ihn vorbei und wer weiß … vielleicht tritt das Game an die Stelle des Films.
Zweites Ereignis: Peter Jackson findet nach nervigen Erfahrungen mit anderen Game-Entwicklern endlich die Firma Ubisoft, um seine Filme in eine höhere Form übergehen zu lassen: Schließlich “entstammen Spiel und Game demselben Universum“, so Jackson im PR-Text von Ubisoft. Parallel zum Kinofilm “King Kong“ wurde das Game entwickelt – kam aber schon vor dem Filmstart im Dezember heraus. Das hat zwar eher was mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun, als dass die Gewichtung von Film und Game sich verschoben hätte. Am Game war aber noch Co-Scriptschreiberin Philippa Boyens beteiligt. Vielleicht werden demnächst Filmregisseure nicht mehr nur Cinematic Opener für Games drehen, sondern das Gesamtprodukt gleich ganz angehen.
Dritter Tatbestand: Steven Spielberg wurde von Electronic Arts eingekauft und soll drei Games mit entwickeln – über die Geldsumme schweigt man sich vornehm aus. Er hat bestimmt nicht vergessen, dass 1982 sein Film-zu-Game-Transfer von “E.T.“ ein Desaster für ATARI wurde. Natürlich hat aber auch er als Nebenerwerb eine Game-Abteilung innerhalb der Produktionsfirma Dreamworks: Dreamworks Interactive, bekannt für “Medal Of Honor“. Die wurde aber vor sechs Jahren von EA eingekauft. Zukunftsorientiert denken heißt Genre-übergreifend einkaufen.
Haben diese drei Ereignisse jetzt eine tiefere Bedeutung? Sie sind weitere Stückchen in einem Vermarktungspuzzle. Nicht das Medium Film an sich verliert an Bedeutung, wohl aber seine Kinoplattform. Andere Träger drängeln sich nach vorne, wie die DVD, bald Video On Demand und vor allem die putzigen tragbaren Gerätschaften von Handy bis Sony PSP. Dem Film bleibt nur übrig, sich in eine gleichwertige Kette mit dem Game einzufügen. Am Anfang gibt es dann eine einzige Idee, am Ende steht alles Mögliche an Promo-Output wie das Game, der Kinofilm zeitgleich auf DVD und seine mobilen Miniversionen.

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Elektronische Lebensaspekte.