Text: Michaela Vieser aus De:Bug 21

Hello Kitty – ich bin nie mehr allein Die Katze ohne Mund, der man alles sagen kann Michaela Vieser micmacv@hotmail.com Erst habe ich sie kaum wahrgenommen, die kleine Katze Kitty. Und jetzt kann ich sie mir nicht mehr wegdenken. Sie ist überall und prägt das Straßenbild Japans wie Micky Mouse das Disneyland. Kitty heißt auch Kitty chan und chan ist so ein Kürzel, das man in Japan an alles Niedliche hängt. Der frisch Verliebte ruft so seine Freundin, die Mutter ihr Kind und das Mädchen ihre Katze Kitty. Die Geschichte der Kitty geht zurück ins Jahr 1974, in dem sie als einfache Dekoration einen Geldbeutel schmückte. Man fand Gefallen an ihr, und die Firma Sanrio, im Sinne der “social communication gift goods”, fing an, andere Accessoires mit ihr zu verzieren. Vom Geldbeutel zum Bleistift, dem Federmäppchen und den Tassen, alles, was nicht niet und nagelfest war. Heute gibt es kaum einen Gebrauchsgegenstand, von dem sie nicht süß in die Welt schaut. Da gibt es Handys, Staubsauger, ja selbst Toaster, die Kittys Gesichtchen ins Frühstückstoast brennen. Schokolade, Nudeln und Kekse. Pullover, Hausschuhe und Unterwäsche. Sie ist nicht mehr wegzudenken. Selbst Vitamintabletten und Vitalizer. Kittys Heim; aber lieber möchte sie zu dir Sanrio Läden gibt es inzwischen in fast jeder Stadt Japans. Mittlerweile sind es 127, zählt man dazu noch die Filialen, also Sanrio Stände in Kaufhäusern, Bahnhöfen etc., kommt man auf ca. 3000. Sanrio wurde 1960 vom Yamanushi Silk Center gegründet, spezialisiert sich aber seit den 70er Jahren auf “social communication gift goods” und konnte so 1976 in den US Markt einsteigen. Damals war Kitty schon dabei. 1995 waren es über 2000 Kitty Läden in den USA. Inzwischen gibt es Sanrio Läden in 7 Ländern. Alle sind sie ähnlich eingerichtet. Rosa und hellblau. Regale nicht höher als Augenhöhe, vollgestopft mit Artikeln von Kitty. Die dort arbeitenden jungen Mädchen tragen Schürzen mit Kitty-Aufdruck. Alles so, wie man sich die Umgebung eines braven Mädchens vorstellt. Mariko hat ihren Schreibtisch im Büro komplett mit der Katze ausstaffiert. Kleine Bildchen mit Kitty hängen an den Pappwänden, alle Stifte sind mit Kitty verziert, und von ihrer Handtasche grüßt natürlich Kitty. ”Ich will Kitty mit allen hier im Büro teilen. Kitty ist so süß und so lieb, die beruhigt einfach. Wenn ich mich mal wieder über etwas ärgere, brauche ich nur zu meinem Arbeitsplatz zu gehen, sehe Kitty, und schon geht es wieder besser”. Die 17 jährige japanische Highschool Schülerin Hiroko erklärt in der eigens für Kitty herausgegebenen Zeitschrift “Kitty Goods Collection” das Erfolgsgeheimnis so: “Kitty hat keinen Mund. Darum schaut sie immer lustig, wenn du auch lustig bist, und traurig, wenn du auch traurig bist”. “Sie ist wie die beste Freundin. Weil ich immer mit Kitty zusammen sein will, laufe ich mit Kitty goods rum”.Und selbst Frauen über 30, die eigene Kinder haben, schließen gerne enge Freundschaft mit dem lieben Kätzchen. “Von Kitty gibt es so viele Sachen, auch im Design für Ältere,” erklärt mir eine andere Office Lady. Dennoch steht im Mittelpunkt jedes Kitty Goods das mundlose Gesicht. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Kitty nie etwas sagte, um berühmt zu werden. Micky Mouse konnte wenigstens piepsen. Das Niedliche mit nichts dahinter Natürlich kennen wir in Europa auch den Drang zum Niedlichen. Das Teddybärdesign taucht immer wieder auf. Einmal ist es die “Schlumpelpuppe” von Sarah Kay der späten 70er Jahre, dann das Monchichi und jährlich folgt ein neues Idol- neulich die Teletubbies. Ist das Kitsch? Niedlich kommt von kindlich und ist nichts Neues. Selbst das Girlie-Image ist ein Statement. In Japan jedoch ist diese Kindlichkeit rein und pur und dient nur dem einen: cute. Hier geht es nicht um Politik, nicht um Feminismus, nicht um Anti-…. Hier geht es nur darum, nett zu sein. Es verbirgt sich aber noch mehr hinter dem Kitty-Kult (im Internet gibt es neuerdings “The church of Kitty”!). Ist es nicht vielleicht so, daß es für eine japanische Frau gar nicht so attraktiv ist aufzuwachsen? Was erwartet sie denn dort bei den Erwachsenen? Im Job kaum Aufstiegsmöglichkeiten; der Job allerhöchstens Warteschleife zum Traualtar. Nach der Hochzeit Kündigung und Beschäftigung im Haushalt. Dort Zeit totschlagen. Sie geht ihren neuen oder alten Hobbys nach und lädt oft Freundinnen ein, trinkt Tee mit denen – lebt wie ein Kind, das spielt, erwachsen zu sein. Das ist Kittys Leben. Das ist Hirokos, Sachikos und Marikos Leben. Der Name verrät es schon. Die Silbe Ko bei japanischen Frauenvornamen bedeutet “Kind”. Da sich das japanische System nur langsam ändert, wird es für Sanrio noch viel Zeit geben, sich neue schöne Kitty Artikel auszudenken. KASTEN: Zusatzinformation: Wer nach Japan kommt und so richtig in die Welt der Kitty eintauchen möchte: in Tama City in der Nähe Tokyos gibt es den Freizeitpark Purolando nur für Kitty. Auch im Süden, im Staat Oita gibt es das Harmony Land. Auch nur für Kitty Fans. Und im Saiginza Depato, einem Kaufhaus auf der teuersten Straße Tokyos, gibt es zwei Stockwerke, die wie Kittys Haus eingerichtet sind. Zitat: Es gibt Toaster, die Kittys Gesichtchen ins Frühstückstoast brennen Hier geht es nicht um Politik, nicht um Feminismus, nicht um Anti-…. Hier geht es nur darum, nett zu sein.

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Elektronische Lebensaspekte.