Sebastian Meissners Projekt Klimek ist Teil der Kompaktschen Pop-Ambient-Reihe, orientiert sich dabei aber lieber an den Cocteau Twins und Joy Division als an Brian Eno und Alex Patterson. Sein Debütalbum schmiert einem weiterhin großzügig und unwiderstehlich Honig um den Bart. Ein Fan berichtet.
Text: John Twells aus De:Bug 83

Tragisch, nautisch, unwiderstehlich
Klimek

Mein erstes Zusammentreffen mit Klimek war unerwartet. Ein Freund drückte mir die “Milk & Honey” 12” auf Kompakt in die Hand. “Hör dir das an, du magst das.” Er hatte Recht. Geld und Vinyl wechselten den Besitzer und ich machte mich auf dem Heimweg, mit Klimek unter dem Arm.
Ungefähr ein Jahr später steckte mir jemand das Album zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Maxi bereits in Grund und Boden gespielt. Das Album mit seinen tragischen, tiefen, nautischen Tracks war die größte Gnade, die meinem CD-Player seit langer Zeit widerfahren war.
Unfassbar leichte Gitarrenriffs akzentuieren die Tracks, die sich langsam aufbauen und wie ein Bach inmitten von Bäumen auf- und abschwellen. Die Stimmung ist mehr als zurückhaltend, Klimek hat es nicht nötig, seine Musik mit vielen Sounds zu füllen. Er lässt die Delays laufen und die Tracks blenden ganz langsam aus.
Stell dir vor, du liegst im tiefen Wald zwischen verwelkten Blättern und kaputten Ästen. Du schaust in den Himmel. Die Sonne brennt auf dich hinunter und auf dem Waldboden ist ordentlich Betrieb. Klar und ruhig ist Klimeks Musik, sehr visuell. Viele würden Klimeks Album sicher als eine Art Soundtrack einordnen, aber das lenkt eigentlich von den visuellen Qualitäten von Klimek ab. “Milk & Honey” hört man am besten, wenn die Augen fast ganz geschlossen sind. Wenn man so das Hier und Jetzt mehr und mehr verlässt, kommt man ganz automatisch ins Klimek-Land.

Die Fakten: Klimek ist Sebastian Meissner, der auch schon als “Random Inc” veröffentlicht hat. Seine Klimek-Platten sind Teil von Kompakts “Pop Ambient”-Reihe. Meissners Tracks haben aber eine besondere Qualität. Spielen sich die meisten anderen Produktionen in der Reihe eher in der Dub-Ecke und im klassischen Ambient ab, lässt sich Klimek von Gedanken der klassischen Popmusik leiten. Die merkwürdig gestimmten 80er-Bassgitarren-Töne und die federleicht gespielten Gitarrenmelodien sind inspiriert von Human League, Cocteau Twins, Joy Division, New Order und The Smiths. Meissner tut das, was diese Bands versuchten. Und er macht es richtig.
Es ist keine Überraschung, dass “Milk & Honey” eine Liebeserklärung an Israel ist. Kein profanes politisches Statement, sondern ein Tribut an ein Land, in dem Gegensätze regieren.

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Elektronische Lebensaspekte.