Bei Keith Kenniff dreht sich alles ums Piano. Sacht von Software-Schnipseln gestützt, improvisiert er, bis alles im ruhigen Fluss ist. Om.
Text: René Margraff aus De:Bug 103

Pianoplatten sind ein schöner Minitrend und Hauschka, Sylvain Chauveau oder auch Keith Kenniff als Goldmund haben dabei die interessantesten Ergebnisse erzielt. Auf “Corduroy Road“ tupfte Goldmund sachte traurige Akkorde und Tonfolgen über- und ineinander und kümmerte sich nicht um all die PlugIns auf der Festplatte. Keith Kenniff nutzte die selbst gewählte Beschränkung als Mittel zum Erfolg.

Zuvor hatte er ein wesentlich elektronischeres Debut als Helios auf Merck veröffentlicht. Mit “Eingya“ auf Type Records setzt Keith Kenniff den vorsichtigeren Einsatz von Software fort, jegliche IDM-Anklänge des Debuts werden von Gitarren, Piano und trockenen Drums weggeschubst. Helios verwebt verschiedene Motive zu Songs und manipuliert seine Aufnahmen nur subtil mit dem Laptop. Goldmund hat also auch auf Helios gewirkt.
Keith: “Ich verlasse mich nicht mehr auf synthetische Sounds und spiele lieber mit ‘found sounds’, zudem kommen inzwischen viel mehr Live-Instrumente zum Einsatz, vor allem Gitarren. Goldmund hatte insofern einen Einfluss, dass ich nun auch bei Helios alles eher spontan halten wollte und schnell gearbeitet habe, etwas intuitiver als zuvor. Zumindest habe ich das immer mehr probiert. Trotzdem sind die beiden Arbeitsweisen für Helios und Goldmund für mich zwei verschiedene mit wirklich unterschiedlichen Ergebnissen. Meine Pianosachen komponiere und nehme ich in maximal zwei Takes auf, Helios-Stücke brauchen da schon länger und sind wohl durchdachter. Manchmal habe ich viele Ideen, da sprudelt es wie kleine Springbrunnen, die versiegen dann aber auch wieder. Die meiste Zeit verbringe ich damit, auf diese Ideen zu warten.“

Liest man die Antworten von Keith Kenniff, scheint es, als sei ihm Zwang oder Anstrengung fremd. Wie seine Musik scheint er eine gewisse Ruhe verinnerlicht zu haben, was seine Kreativität angeht. Sein Motto: Dinge passieren oder eben auch nicht:”Ich versuche wirklich intuitiv zu arbeiten. Oft setze ich mich hin mit der Gitarre oder an das Piano und improvisiere, bis dabei etwas rauskommt oder bis ich merke, dass es nicht klappt. Wenn es nicht funktioniert, merke ich das meist sehr schnell und dann nehme ich mir eben eine Auszeit.“
“Eingya“ klingt relativ geschlossen und fließt im besten Sinn angenehm dahin, aber es ist kein konstruiertes Konzeptalbum: “Ich habe die Tracks nicht mit dem Gedanken an ein Album aufgenommen, obwohl einige erst entstanden sind, als es klar war, dass es ein Album geben wird. Ich habe John Twells (Xela), der Type Records macht, etwa zwei oder drei CDs mit Material gegeben und davon ausgehend haben wir das Album zusammengestellt. ‘Emancipation’ nahm ich zum Beispiel eine Nacht, bevor ich das Master geschickt habe, noch auf.“

Auch bei Livekonzerten will Keith zukünftig den Computer so weit wie möglich aus dem Geschehen raushalten und zieht dabei noch einen familiären Trumpf aus dem Ärmel: “Ich werde versuchen, so viel wie möglich live zu machen, da ich denke, dass das Publikum immer noch Schwierigkeiten hat, sich mit Laptops anzufreunden. Hinter dem Schlagzeug oder mit einer Gitarre fühle ich mich auch wesentlich wohler als hinter einem Bildschirm. Mein Bruder wird mir dabei helfen.“

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Elektronische Lebensaspekte.