Das lustige Doppel Denzel &Huhn oszilliert mit seinem jüngsten Elektronika-Einwurf zwischen spartanischer Leere, Dubspielwiese und Wassertank, kommt aber trotzdem auf den richtigen Punkt. Gemeinsam ins salzige Nirvana schaukeln.
Text: Heiko H. Gogolin aus De:Bug 66

Obskure Brocken Land, von Wasser umgeben. Außerweltlerische Flora & Fauna, wohin das Auge blickt. Durchs Dickicht schlängeln sich verlassene Pfade und Plankenstege, die seltsame analoge Apparaturen verbinden. Die Gerätschaften warten unberührt, scheinbar seit Urzeiten, nur auf den einen Moment unserer Initialisierung. Zahnräder rattern tief unter der Erde ihr einziges Lied. Es ist die Welt von “Riven“, einem Sequel zu “Myst“, und wäre dies nicht nur die erfolgreichste Mac-Spieleserie aller Zeiten, sondern gleichzeitig auch die beste, liefe dazu in bestechender audiovisueller Konvergenz “Time is a good thing“ von Denzel&Huhn. Keine Überraschung also, dass die beiden, wenn sie nicht gerade das dynamische Elektronika-Duo der Stunde sind, auch beruflich gerne Filme oder Webseiten sonisch untermalen. So werkelte Denzel zuletzt mit dem guten Bernd Jestram (of Tarwater Fame) am Score für den Grimme Preisträger “Paul Is Dead“.

Zuvor musizierten die beiden lange Jahre zusammen mit den Lippok-Brüdern in deren offener Gruppenarbeit “Ornament & Verbrechen“. Irgendwann zog man sich in trauter Zweisamkeit in den “Upperroom“ zurück, eine Studioumgebung hoch über den Dächern der Hauptstadt. Viele Tunes später trottet unser Thaddi des Weges, zückt sein prall gefülltes Scheckbuch und verpflichtet sie für sein stetig wachsendes CCO-Konglomerat. Gut so, denn die Feinauslese von Denzel&Huhn auf Doppelvinyllänge ist das beste Album zur Adventszeit geworden. Natürlich wird auch hier nicht in jedem Beitrag das Rad neu erfunden, aber was singulär zunächst unscheinbar klingen mag, offenbart beim Goutieren der vollen Strecke ungeahnte Qualitäten. Eher karge Patterns als vollmundige Tracks, mehr leise Soundscapes statt narrativer Overload. Um so entspannte Schleifen aus dem Hut zu zaubern, muss man schon mal fünf gerade sein lassen können.
“Im Moment ist das Spartanische in unserer musikalischen Sprache unsere größte Stärke. Wir haben vorher relativ viel produziert, waren aber nie so richtig zufrieden damit. Bei einer Session haben wir unser Gesamtwerk angehört und festgestellt, dass die Anfänge meist großartig waren. Wir haben fast 1,5 Jahre gebraucht, um das zu schnallen und den Knoten platzen zu lassen.“
Das Spartanische wirkt trotz aller reduktiver Strategien nie unfertig oder skizzenhaft. Gerne wird sich auch mit marianengrabentiefen Bässen auf die Dubspielwiese begeben, ohne sich auf die simple und lately etwas überstrapazierte Gleichung Delays=Deepnees zu verlassen. Ähnlich wie unsere Lieblingsband Múm haben auch Denzel&Huhn nebenbei so etwas wie Unterwassermusik komponiert. In einem Isolationstank von Samadhi, quasi ein Überraschungsei gefüllt mit Salzwasser auf Körpertemperatur, kann man beim Entspannen die rhythmisch gerne mal hin und her schaukelnden Schleifen immersiv genießen. Demnächst auch als Kompilation auf dem Weg an die Spitze sämtlicher Esoterik-Charts. Wort drauf.

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Elektronische Lebensaspekte.