Konsolen sind hip, PCs nicht. PCs sehen nach grauer Arbeit aus, Konsolen nach bunter Unterhaltung. Mit diesem Imagevorsprung sollen Konsolen zur Konvergenzzentrale im heimischen Home-Entertainment-Center aufsteigen.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 41

Bit-Kathedralen für dein Wohnzimmer
Die Spielekonsolen rüsten weiter auf

Vom Kinder- ins Wohnzimmer
Die Konsolen-Branche steht mit ihrem Image genau dort, wo ein Großteil der Internet- und PC-Industrie ihre ökonomische Zukunft sieht: Beim trägen Couchpotato, der eigentlich nur konsumieren will. Während Gamekonsolen Hersteller also eigentlich das Image haben, zu dem ein ganzer Teil der Computerindustrie gerne hinwill, steht ihnen in Bezug auf das Internet der Spaß-Ruf bislang noch im Wege. Denn die Beschränkung auf den Game-Sektor nützen Sega und Nintendo nicht besonders viel. Kooperation wie Segas Online-Aktienhandel via die Internet-fähige superschnelle Dreamcast, die zusammen mit einer japanischen Bank betrieben wird, fallen zwischen die Stühle: Die Game-Klientel ist an Aktien nicht interessiert, Handelswillige empfinden dagegen die Konsole als zu unseriös für ihre Geschäfte.
Diese Situation dürfte dem Branchenführer Sony weiteren Auftrieb verschaffen. Das Unternehmen arbeitet fleißig an der Komplementierung seines Sortiments für die Wohnzimmerstandards der Zukunft: Das heißt dann “Home-Entertainment-Center” und bündelt Spiele, Music- und Video-On-Demand, E-Commerce und andere Netzfunktionen um den Fernseher, am besten alles in einer praktischen Box. Wie diese aussehen könnte, hat ausgerechnet Nokia unlängst vorgeführt: Deren “Media Terminal” integriert ab Frühjahr 2001 eine Surfstation für den Idioten-sicheren Netzzugang, den Empfang digitaler TV-Programme, einen MP3-Player und einen Festplattenvideorekorder [Personal Video Recorder, PVR]. Natürlich darf bei diesem Familienpaket nicht der Hinweis auf “das Spielen von 3D-Games” fehlen, für den die Wunderbox vom Fachhändler des Vertrauens mit mehr Prozessorleistung ausgestattet werden kann.

Bits und Geld im Stream
Ein künftiges Geschäftsmodell für’s Internet: Der Schlüssel für saftige Gewinne sollen jeweils monatliche oder nutzungsabhängige Gebühren für gestreamte Inhalte sein. Schon jetzt wird das praktiziert: Was in der TV-Industrie Pay-Per-View oder Kanäle-Abonnieren heißt, sind für die Game-Industrie Online-Spielwelten wie “Everquest”. Sie werfen jetzt schon durch die monatlichen Gebühren heftig Geld ab, dazu verdienen auch die Provider ziemlich gut an den Heavy-Usern der Parallel-Welten. Sony hat deshalb unlängst die Entwicklungsfirma von “Everquest”, Verant Interactive, geschnupft. Aber bisherige Online-Welten sind nur das Appetithäppchen, das mit der Playstation 2, die über einen Netzanschluss verfügt, zur opulenten Mahlzeit werden soll. Und Sony wäre nicht der große, smarte Motherfucker, wenn das Ganze nicht auch mobil funktionieren würde: Zusammen mit NTT DoCoMo, dem Mobilnetz von Japan, wird derzeit an einem Game-Netzwerk für den WAP-Killer “iMode” gearbeitet.

Konvergenz rules
Sony zeigt also höchste Konvergenz: Die besteht zunächst aus einem kombinierten Surf/TV-Gerät mit Funkverbindung zum Bildschirm [“Airboard”], für das eigens ein MPEG Image Prozessor [MIP] entwickelt wurde, der die gefunkten, bewegten Bilder ohne Ruckeln auf den Bildschirm bringen soll. Dazu kommt der obligatorische Festplattenvideorekorder und eben die PS2, die natürlich auch flott ins Netz geht. Die Funkverbindung zum Bildschirm zeigt auch, wohin die Kombination geht: Über die Funkverbindung Bluetooth fällt Kabeln und Konfigurieren flach. Auf der Siggraph, der größten Veranstaltung zu Hochleistungs-Computergrafik [siehe letzte De:Bug], hat Sony außerdem seine “strategische Vision für die Evolution von Computer-Entertainment und Breitbandnetzen” hergezeigt. Das “GScube”-Entwicklungssystem besteht aus nicht weniger als 16 “PlayStation 2”-Konsolen, die noch dazu gehörig erweitert wurden. Der GScube ist allerdings zunächst keine Spielekonsole, sondern ein Großrechner zum Generieren von digitalen Videowelten in Echtzeit. Bang Bang.

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Elektronische Lebensaspekte.