Gumption ist Name und Programm eines brandneuen deutsch-englischen Minimal-Labels: Es gilt, im Südhessischen aus dem Arsch zu kommen.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 102

Nach wie vor sprießen Land auf Land ab neue und frische Plattenlabel aus dem Boden, die sich auf die eine oder andere Art am Minimal-Sounddesign abarbeiten. So auch Gumption Recordings, eine englisch-deutsche Koproduktion von Ehepaar Tanja und Neville Attree, die im südhessischen Darmstadt zu Hause ist. Vor ein paar Jahren hatte Neville genug von der britischen Rave-Szene mit ihren überdimensionierten Superclubs und globalen Business-Strategien, in denen die Musik nur noch zweitrangig war. Als er schließlich Tanja kennen lernte, fiel ihm die Entscheidung nicht schwer, aufs Festland überzusiedeln. Dort gewann er den Spaß, den er auf der Insel am Auflegen, Produzieren, daran, in einer Szene involviert zu sein, verloren hatte, wieder. Zusammen mit Tanja arbeitete er ab 2003 für das Hanauer Minimal-House-Label Lo-Fi Stereo, bevor sie jetzt Gumption gründeten.

Aber was genau ist Gumption? ”Gumption ist ein altes schottisches Wort, das man in etwa mit ‘Köpfchen’ oder ‘Mumm’ übersetzen kann. Robert M.Pirsig widmet dem Begriff Gumption ein ganzes Kapitel in seinem Buch ‘Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten’ und beschreibt ihn als ‘psychic gasoline’ . Es geht darum, aus dem Arsch zu kommen und die Kreativität spontan fließen zu lassen“, erklärt Neville per Email.

Und die ersten beiden Veröffentlichungen auf Gumption – eine vom Italiener Renato Figoli und die andere von Ed Davenport aus London – klingen auch wie aus einem Guss und verbinden bleepige Leichtfüßigkeit mit druckvoller Geradlinigkeit. Tracks, die wie Mosaike aus einem größeren Ganzen geschält zu sein scheinen und perfekt zwischen der kühlen und funktionalen Ästhetik von Minus und den verspult klöppelnden Rhythmen auf Cadenza vermitteln.

Bleibt die Frage, wie der sympatisch headbangende Hund heißt, der auch jedes Gumption-Cover ziert. Neville: ”Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. Aber ‘Sub Woofer’ würde ganz gut passen. Er repräsentiert die animalische Seite des Labels. Unser Ziel ist es zu überraschen, manchmal auch zu verwirren, aber niemals zu enttäuschen. Deswegen wollen wir uns auch nicht in der Minimal-Schublade festlegen lassen. Klar gibt es solche Elemente, klare Bezüge, aber letztlich ist es eher ein hybrider Sound. Die Summe unterschiedlicher Erfahrungen. Ein englisch-deutscher Hybrid. Tanja steht mehr für die kühlere Seite des Dancefloors, während ich einen Hauch oldschoolige UK-Rave-Euphorie nach wie vor liebe.“

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Elektronische Lebensaspekte.