Text: Karen Khurana aus De:Bug 86

Aussehen wie Noodles

Von rustikal zu iPodweiß gibt es Kopfhörer in allen möglichen Stilen. In einem Stadtbild wie New York, wo alle mit ihren mobilen Playern in der Subway schaukeln, geraten die funktionalen Ohrstecker natürlich schnell in den Fokus der Mode. Und warum auch nicht? Kopfhörer sind, wenn man es sich recht überlegt, ein brillantes Mode-Item: Nicht so schrecklich unfunktional wie Accessoires, immer etwas versteckt und angenehm beiläufig (und längst nicht so lächerlich wie Sonnenbrillen drinnen). Die geliebte Warenwelt stellt schon längst genügend Variationsmöglichkeiten bereit, die nur darauf warten, modisch aufgeladen zu werden: klein, durchsichtig und im Ohr verpackt; flach, glatt und ellipsenförmig deckend oder kopfvergrößernd, rund, überdimensional bis drübergestülpt.

Im Zuge der High-End-Mode in den Staaten werden auch Kopfhörer oft nicht mehr einfach in Plastik verscherbelt, sondern in ihrer eigenen Schmuckschatulle wie Duelliermesser ausgeliefert. Kopfhörer-Miniatur-Modelle, die es maßgeschneidert für jedes Ohr gibt, nennen sich lieber nicht mehr “Headphones”, sondern “Earpieces”. Den “Ue-10 pro” etwa lässt man sich für 900 Dollar beim Audiologen maßschneidern. Daneben bestehen natürlich weiterhin die üblichen Streetwear-Modelle, traditionell groß, mit viel Tragfläche fürs Bass-Bild, mit der man sich getrost und beschützt in die Außenwelt hinauswagen kann. Für praktisch Veranlagte gibt es die Light-Version mit Aluminiumsteg und einklappbaren Ohrmuscheln. Mit den MP3-Playern kommen aber auch wieder die kleinen verschwindenden Ohrstecker zurück ins Straßenbild, die schon in den 80ern die kreisrunden schwarzen Schaumstoffgepolsterten (die einzige Art, die wirklich wie geklont aussah und nicht noch tausend feine Submodelle entfaltete, heute nur noch in Krankenhäusern gesichtet) ablösen durften.

Ob man auf Second-Hand-Märkten nach der Vintage Version des ersten “offenen” Kopfhörers sucht mit weißem Plastiksteg und gelben Lautsprecherpolstern (Sennheisers HD 414) oder die Kombination aus High End und zukunftsweisenden Retro-Style bevorzugt wie den SR-Sigma professional (siehe Photo) mit seinen boxenähnlich eckigen Lautsprechern – Möglichkeiten des modischen Ausdrucks gibt es nicht zu knapp. Kleine und große Klinken verstehen sich seit je mühelos über Adapter.

Endlich mal ein “Wearable”, das nicht blöd futuristisch ausschaut und sich schon längst in den Alltag eingegliedert hat, soweit, dass es schon eigene Weblogs dazu gibt. Unzählige Foreneinträge zum Tragekomfort, Frisurenfreundlichkeit, Sound, Optik und Unschlagbarkeit in all dem eingeschlossen. Ziemlich wahrscheinlich, dass mit der weiteren Verbreitung von mobilen Playern die Mode auch hierzulande einen neuen Spielplatz entdecken wird, der darüber hinausgeht, seine weißen iPod-Kopfhörer mit schwarzen auszutauschen, damit man nicht ausgeraubt wird.

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Elektronische Lebensaspekte.