Präsentierten die USA am Golf ihre immer perfider werdenen Waffensystem noch stolz der zensierten CNN-Öffentlichkeit, hält sich das Pentagon in Afghanistan eher bedeckt. Dabei sprechen Experten von einem "Wendepunkt der Militärgeschichte". Die Front ist voll von Robotern.
Text: anton waldt aus De:Bug 58

Roboter an die Front

“Von der körperlichen Anstrengung ist hier am Ort hauptsächlich die Rede, weil sie wie die Gefahr zu den vornehmsten Ursachen der Friktion gehört, und weil ihr unbestimmtes Maß sie der Natur elastischer Körper ähnlich macht, deren Reibung sich bekanntlich schwer berechnen läßt.” [Carl von Clausewitz: “Vom Kriege”]

Uncle Sam hat seinen Clausewitz selbstredend gelesen und wie kein anderes Land die Faktoren Angst und Schweiß aus der Kriegsführung möglichst weitgehend eliminiert. Automatisierte Systeme oder Roboter sind dabei die Mittel der Wahl, weil die Blech-Rekruten garantiert niemals nach Mama verlangen, statt munter auf den Feind einzustürmen, oder nach einem Päuschen an der Gulaschkanone gieren, statt deftig drauf zu halten. Während beim Golfkrieg noch der waffentechnische Fortschritt im Fokus einer staunenden Öffentlichkeit stand, die teils fasziniert, teils empört, Videos der “ferngelenkten Präzisionswaffen” bestaunte, hat der letzte Automatisierungsschritt während des Afghanistan-Feldzugs weitgehend unbeachtet stattgefunden, obwohl hier erstmals echte Kampfroboter zum Einsatz kamen, die eine Kriegsführung vom Bildschirm aus ernsthaft ermöglichen.

Bewaffnete Kampfdronen in Aktion

Die USA haben in Afghanistan zum ersten Mal ein unbemanntes und ferngesteuertes bewaffnetes Flugzeug in den Kampf geschickt. Militärexperten halten den Einsatz der mit Anti-Panzer-Raketen des Typs “Hellfire” bestückten Drone “RQ-1 Predator” in Afghanistan für einen “revolutionären Schritt bei der Kriegsführung”. Bisher ist allerdings wenig über die Art des Einsatzes der Maschinen bekannt und die Desinformationspolitik des Pentagon dürfte auch dafür sorgen, dass dies so bleibt. Sicher scheint aber, dass die Flugroboter bereits einige Male Raketen abgefeuert haben. Die Kriegs-Autoritäten vom “Jane’s Defense Magazin” sprechen auf jeden Fall von einem “Wendepunkt in der Militärgeschichte”, da die US-Luftwaffe nun Aufklärung und Angriffe aus geringer Höhe in kürzester Folge verknüpfen könne, ohne das Leben von Piloten auf’s Spiel zu setzen. Der Kampfroboter ist eine Kombination aus zwei relativ bewährten Systemen, was Militärs bekanntlich sehr schätzen, da das Debuggen auf dem Schlachtfeld eine lästige Angelegenheit ist. Der “Predator” der Firma General Atomics Aeronautical Systems [GAAS] ist ein propellergetriebenes UAV [Unmanned Air Vehicle]. Es fliegt entweder selbstständig auf einem festgelegten Kurs oder wird über eine mobile Kontrollstation gesteuert. Die Drohne kann in einer Höhe bis zu 7.620 Metern operieren und sich 40 Stunden in der Luft halten. Die maximale Zuladung wird von GAAS offiziell mit 204 Kilogramm angegeben – was für vier “Hellfire”-Raketen ausreicht. Die eingesetzten Raketenmodelle “AGM-114A” und die “AGM-114L Longbow” sind Luft-Boden-Waffen, die bislang beispielsweise von Helikoptern aus abgefeuert wurden und eine Reichweite von sechs bis acht Kilometern haben. Einmal abgefeuert, navigieren sie sich über verschiedene Funksysteme selbstständig zu mobilen oder feststehende Zielen. Die USA dürften jetzt auch an einer Bewaffnung des unbemannten Aufklärungsflugzeuges “RQ-4A Global Hawk” arbeiten. Die Drone, die noch getestet wird, hat eine so große Reichweite, dass sie künftig Waffen über Kontinente hinweg zu den Einsatzorten tragen könnte.

Hüpfende Panzerminen

Ein weiteres System ist zwar offensichtlich schon ausgereift, ob es auch eingesetzt wurde, ist unterdessen noch völlig unklar: Die DARPA [Defense Advanced Research Projects Agency] des US-Verteidigungsministeriums hat ein “selbstheilendes Minenfeld” entwickelt. Die Antipanzer-Minen kommunizieren dazu ständig ihre Entfernungen zueinander. Wird durch ein Fahrzeug oder eine Räumaktion des Feindes eine Bresche in das Feld geschlagen, “hüpfen” einzelne Mienen bolzengetrieben und pro Sprung bis zu zehn Meter weit, bis die Lücke geschlossen ist. Das vernetzte Minenfeld soll das “gemischte” ersetzen, bei dem Anti-Personenminen vor allem an den Rändern des Antipanzer-Feldes platziert werden, um eine Räumung zu erschweren.

Roboter erzählen vom Krieg

Aber auch die Zivilgesellschaft könnte künftig mit elektronischen Stellvertretern am Krieg teilnehmen: Chris Csikszentmihalyi vom Massachusetts Institute of Technology [MIT] hat einen Roboter entwickelt, der die Aufgaben eines Kriegsberichterstatters erfüllen soll. Der über einen Satelliten verbundene und via Internet zu steuernde Roboter soll in Zukunft auf Schlachtfeldern und an anderen gefährlichen Orten zum Einsatz kommen und Informationen “unzensiert” und zugleich ohne Gefährdung von Menschen [kein Schweiß, keine Gefahr] direkt über das Internet übermitteln. “Natürlich ist es besser, wenn sich ein menschlicher Berichterstatter überall frei bewegen kann”, meint Csikszentmihalyi, “aber da genau das eben nicht geht, habe ich mir gedacht, wenn das Militär Roboter einsetzen kann, warum nicht auch die Journalisten?” Der “Afghan Explorer” hat bereits erste Tests auf freiem Gelände erfolgreich hinter sich gebracht. Einen Meter lang und 65 Zentimeter breit, bewegt sich der Explorer auf Rädern mit 35,6 Zentimeter Durchmesser und hat einen Bildschirm und ein Mikrofon an seinem 1,3 Meter langen “Hals” angebracht, so dass er stehende Erwachsene problemlos interviewen kann.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.