aus De:Bug 43

Videopreis zu erringen
Videomenschen aufgepasst. Bonn dreht auf. Alle zwei Jahre findet dort die Videonale statt und bis zum 20. Januar 2001 kann man seine mühevollen Arbeiten dort einreichen. Die Videonale ist Ausstellung, Festival und Symposium mit angeschlossenen Preis. Im kommenden Frühjahr entscheidet dann eine internationale kunstgeprägte Jury darüber, wer unter den für das Festival ausgewählten den Videonale Preis (10 000 DM), den Preis für Postproduktion (40 000 DM) und den WDR-Award für junge Künstler (5 000 DM) errungen hat. Über Formate, Einreichmodi und den anderen bürokratischen Kram kann man sich unter

videonale erkundigen.

Perspektiven kritischer Kunst
“Agenda” war eine Vortragsreihe, die 1997 in der Wiener Secession stattfand und sich mit den Bedingungen und Möglichkeiten kritischer Kunstpraxen befasste. Unter anderem Marion von Osten, Reneé Greeen, Julie Ault und Mathias Poledna gehörten zu den Vortragenden. Ihre Manuskripte haben sie für diesen kompakten Band neu editiert – nicht zuletzt die ÖVP/FPÖ-Koalitionsbildung verschleppte wohl die auf Aktualität bedachte Revision. Doch immer wird auch über die Grenzen der Tagespolitik hinaus geblickt, etwa wenn Rasheed Araeen den Kontext kritischer Kunstpraxis in den 70er Jahren schildert und analysiert. Im Zentrum steht hier die Suche nach kollektiven Handlungsformen und nach Fluchtpunkten des Projektes “Institutionskritik” unter den Bedingungen neoliberaler Vereinzelung – um stilistische und/oder phänomenologische Fragen der Kunstproduktion geht es weniger. Löblicherweise wird dabei versucht, auf kausale Verkürzungen nach dem Motto “Der Kunstbetrieb als Avantgarde deregulierter Arbeitsverhältnisse” etc. zu verzichten. In den besten Momenten ist das Buch deshalb Kritik ohne verallgemeinernden Fatalismus. Es kann & muss schließlich weiter (kritisch) gehandelt werden!
[Christian Kravagna (Hrg.): Agenda – Perspektiven kritischer Kunst, Folio Verlag, Wien/Bozen 2000, # DM]

Private oder Public
Die Musik-Kunst-Netz-Gruppe Stationrose streamt regelmässig seit 1999 (!) Animationen, Musik und Gespräche. Jetzt haben sie letztere aufgeschrieben und ein Buch daraus gemacht. Es heisst “private://public – Gespräche im Cyberspace” und die sind mit Medienwizzard Geert Lovink, Bazon Brock, dem alten Kunstgestein, und den aktiven Gestalten Josephine Bosma, Thomas Feuerstein, Petra Klaus und Hans Romanov und Birgit Richard. Themen sind das Netz, der Club, die Kunst, die Medientheorie und alle anderen Assoziationen, an denen man während des Sprechens vorbeisegelt. Ich muss gestehen: So ganz komme ich da nicht mit. Denn während Stationrose musikalisch ihre Leichtfüssigkeit sehr gut in Material umsetzen können (Station Rose haben ein Label namens Gunalfa) und dabei meistens dem Format Musik gerecht werden – ihre Tracks kommen immer eher verspielt sympathisch daher, geht das Leichtfüssige beim Transfer vom Stream ins Buch irgendwie nicht auf. Nicht, dass das Buch nicht interessante Themen ansprechen würde, aber man muss sich zu ihnen durchkämpfen. Lesend durch einen Jungle gesprochener Sprache – hm, vielleicht sollte man doch langsam ernst nehmen, dass man es sich zwischen Rede und Schrift immer um zwei Medien handelt, die nicht durchaus so einfach zauberhaft miteinander kompatibel sind. Beispielsweise, wenn man sich durch Abschweifungen und Dialoge lesen muss, wer welches Mousepad mitnehmen darf oder so etwas. Hier geht die direkte Übertragung von einem Medium ins andere einfach nicht auf. Schade. Wir warten lieber auf die nächste Platte.

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Elektronische Lebensaspekte.