Export ist sowas wie die Oma der Medienkunst. Eine Ausstellung in Berlin zeigt warum.
Text: Moritz Metz aus De:Bug 69

Lernen von den Alten

Valie Export

Berlin im Januar. Rundum altbackene Schwarzweiß-Ästhetik von ausgeschnittenen Schreibmaschinentexten, graue Fotos nackter Menschen an komischen Orten oder das Rattern von konzeptionellen Super8-Filmen. 68er-Elterngeneration, Widerstand und Feminismus leuchten da gleich als Stichworte in unserem jungen Assoziationssystem auf. Worauf der lasergebeamte Schriftzug an der Wand des Innenhofes der Ausstellungsräume ephimär leuchtend antwortet: “Die Hauptsache ist immer unsichtbar.”
Recht hat sie mit ihrem Motto, Valie Export, die weise Macherin des Laserschrifzugs. Oma der Medienkunst könnte man sie nennen. Ohne Omas und Opas wäre man nämlich selbst nicht da. Und ohne Valie Export gäbe es vielleicht keine Transmediale, Video hätte noch Pubertätspickel und Mama uns Kinder womöglich nicht allein erziehen dürfen. 62 Jahre ist sie heute alt, der edle Ausstellungskatalog faßt über 200 Seiten und ihre Berliner Werkschau über 2000 Quadratmeter.
Die wilden Jahre verlebte Valie Export in Wien, arbeitete als Filmemacherin, Feministen, Performance- und Konzeptkünstlerin und prägte gemeinsam mit Peter Weibel den Begriff “Medienkunst”. Ziel war es für Valie Export immer, die Wirkungen und Effekte der elektronischen und technischen Medien auf die Menschen und deren Umgang zu untersuchen. Dabei verstand sie es bestens, die Medien für ihre öffentlichen Aktionen einzuspannen. Eines Tages im Jahre 1968 spielte sie, einen verhängten Kasten vor der nackten Brust, mit den Passanten des Münchner Karlsplatzes “Tapp und Tastkino”, also öffentliches Busengrapschen mit Medienaufmerksamkeit. Die Redaktionen reagierten fasziniert bis empört über eine feministische Provokation, die die Bild-Zeitung heute wohl eher reißerisch bejubeln würde!

Für die Darstellung “der Inszenierung der Wirklichkeitserfahrung durch technische Medien” montierte sich Valie Export 1973 für mehrere Spaziergänge drei Kameras am Körper. Eine am Bauch befestigt, eine am Rücken, die dritte als Beobachterin. Um dann alles nebeneinander abzuspielen. Heute macht das jeder. Und wer mediale Interaktivität ohne Computer als unmöglich einschätzt, der hat nicht Exports “Ping Pong, ein Film zum Spielen – ein Spielfilm” gesehen.

Und heute? Obgleich Valie Export z.B. schon seit 1989 mit digitaler Fotografie experimentiert und neben einer Professorentätigkeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln bis heute aktiv arbeitet, blickt die Ausstellung eher zurück. Nur ein Zehntel der Arbeiten entstand in den letzten zehn Jahren. Ist Export also am Ende ihrer Mission angelangt, in einem 2003, wo sich Frauenquoten fast erledigt haben? Gesellschaftspolitsch hat Valie Export viel erreicht. Aber Medienkritik muß weitergehen, denn die Hauptsache ist immer unsichtbar.

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Elektronische Lebensaspekte.