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Leipzig Seit den Sechzigern musste die Kunst immer wieder bemerken, dass sie nicht mehr die alleinige ästhetische Schrittmacherfunktion des Visuellen innehatte (davon kann sie heute nur noch träumen). Die Entwicklung der Comics und deren Aufgreifen durch Künstler wie Ad Reinhardt und Roy Lichtenstein sind da nur zwei Beispiele. Comic ist seitdem jedoch ein künstlerisches Thema geblieben. Bis zum 23.7. kann man in der wunderschönen Galerie für Zeitgenössische Kunst (Karl-Tauchnitz-Str. 11) unter dem Titel “I love you too, but” heutige künstlerische Positionen zwischen Comic-Ästhetik und Narration ansehen. Und zwar u.a. von Martin Eder, Takashi Murakami, Markus Muntean & Adi Rosenblum, Anny Öztürk, Pietro Sanguineti, Simone Westerwinter. (MB) Wolfsburg Grossaustellung im Kunstmuseum Wolfsburg. Jean Tinguely, der Mann, der aus Schrott Kunst machte, die auf Knopfdruck knackt und klappert. Wegen dem direkten Zugang, den Tinguelys Kunst erlaubt, wurde der Mann/die Kunst ein Welterfolg. Heute faselt man vom anarchischen Geist seiner Arbeit. Das unterschätzt ihn völlig. Vor allem im Marketingbereich war der Mann ein Revolutionär. Über die gross angelegten Eventhappenings, auf denen er seine Kunstwerke in die Luft blies, oder so, wurde er weit über die Kunstszene hinaus bekannt. Vielleicht sollten es Konzerne mal mit der gleichen Taktik versuchen: Einfach ihre Produkte auf einem grossangelegten Happening zerstören, das fasziniert bestimmt. Bis zum 03.10. in der Porschestr.53. Eintritt regulär: 12 DM. Ausserdem gibts in Wolfburg noch richtige zeitgenössische Kunst. Ebenfalls im Kunstmuseum stellt Sharon Lockhart noch bis Ende August neuere Fotos und Filme eines Projektes am Amazonas aus, das sie gemeinsam mit Anthopologen realisiert hat. Jedenfalls vorbeischauen nicht verkehrt. Und im Kunstverein, bzw. von da aus über die ganze Stadt verstreut, findet die Ausstellung “Das Unheimliche Heim” statt (Shuttlebus in einer Autostadt dabei, eh klar.) Und zwar nicht nur mit Künstlern, sondern auch mit Architekten oder Ökonome. Zu erwarten u.a. Plamen Dejanov, Dorothee Albrecht, Rirkrit Tiravanija, Christine Hill und das Büro für Kognitiven Urbanismus. Bis zum 10.9. in der Schlossstr. 8 (MB) Anarchistische Kunstaktionen im Internet Zu grosser Popularität gelangten in letzter Zeit Updates von AnarchoKunstSites aus New York und London. Während sich http://www.hi-res.net an neuen Kombinationen aus dynamischen Design versuchten, arbeiten deren Partner Soulbath http://www.hi-res.net/sb/intro.html auschliesslich mit vermeintlichen Editierfehlern, 80erProtokollironien, Abstürzen und Soundschleifen. Ausserdem wurde über die Zusammenarbeit der New Yorker Fluxusaktion “let’s shredder bb tv” mit den schwarzenwochen.de, die sich für die von Big Brother TV verfolgte Klagewelle auf Fanwebsites wehrten, nun auch Mark Napiers http://www.potatoland.org aus NY weiter bekannt. Dessen Sammelsurium aus Javasoundcollagen und dem berüchtigten Shredderbrowser sorgte für eine weitere Shreddermanie. Sämtliche unbeliebte Websites können in deren Browser zerhackt werden (natürlich nicht auf dem Original Server) und als Sample irgendwo weiterverbreitet werden. Die Initiative “freedom for links” unterstützte schliesslich auch die Live-Aktion innerhalb von http://www.fakeshop.com, an deren letztem Tag einer dreiwöchigen Installationsperformance auch der Live-Stream von bb tv geremixt wurde und Zlatko einen illbient Mix über sich ergehen lassen musste, der schliesslich beim Open Source Tracker GNUTELLA (gnutella.wego.com/) abgeladen wurde. (NH)

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Elektronische Lebensaspekte.