Tinte ist dicker als Blut
Text: sascha kösch aus De:Bug 110

Wer noch einen Beweis braucht, wie schizophren Minimalismus sich immer noch verbreitet, der sollte auf den Typen hinter Ink And Needle achten. Noch ein weiteres Label mit einem dieser tollen Künstler aus Kopenhagen? Mit der Vermutung liegt man weit daneben. Unter so unterschiedlichen Pseudonymen wie Artificial Funk, Heavy Rock oder Rune hat Rune Reilly Kolsch (selbsterklärter Speedbeat-Mixer) nämlich schon einiges verbrochen. Bei Skint, Southern Fried und sogar Superstar Recordings. Und wir haben teils zum Glück, auf jeden Fall nicht überraschend, nicht mal viel davon mitbekommen.

Aber weil heutzutage jeder alles kann und selbst eine – gelegentlich peinliche, auf jeden Fall Ibiza-geschulte – Vorgeschichte niemand mehr daran hindert, morgen der Underground-Überstar zu werden, ist Ink And Needle ein verdammt perfektes, geschlossenes, aber dennoch völlig organisches und selbsteinleuchtendes Konzept. Eben aber weil es diesen organischen Flow hat, ist es auch nicht einfach nur ein weiteres dieser Bausteinchen in der großen Welle von Minimal-Labeln, die Woche für Woche die Welt mit immer neuen Variationen gelegentlich deckungsgleicher Ideen und Namen beglückt, und frisst sich, selbst mit nur zwei Releases bislang, in guter alter Technotradition eines gut gehüteten, aber offenen Geheimnisses quer durch alle DJ-Charts. Und warum brauchen Ink-And-Needle-Platten auf Tattoo Records keine Titel? Weil sie Tattoos haben, und “Tattoos are the ultimate dedication of love”. Mit Haut und Haaren.

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Elektronische Lebensaspekte.