Digital kranky schaufelt im Berliner Underground die abseitigen Sounds zu Tage.
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 66

Digital Kranky-Land ist für den, der ins Bezirksamt geht, so begreifbar wie die unendliche Vielfalt von weihnachtsgeschmückten Fenstern, Balkonen und Häusern. Man sieht es, man erfährt es und hat allein Vermutungen über das, was in den Leuten vorgeht, die so etwas machen. Nella, Julia, Dirk und Christian sind Digital Kranky. Sie schmücken ihre Fenster nie und nimmer.
Julia glaubt, mit Digital Kranky-Land ein Spielzeug in der Hand zu haben. Währenddessen schlumpfen die Gedanken von Nella und Dirk ins Kabolzige. Nella: “Es ist ein schönes buntes Land, mit hüpfenden Flummis, kleinen Meteoriten, die dir auf den Kopf fallen. Morgens steht ein dampfender Kaffee auf dem Tisch und abends bringen wir Fernseher an die Bahngleise.” Dirk: “In Digital-Kranky-Land gibt es Pixelmenschen und LSD-getränkte Briefmarken.” Hm. Wieso nicht, würde jetzt der Gutmensch flüstern. Was soll der Scheiß, der Schlechtmensch schnauzen.
Das wirkliche Digital-Kranky Land liegt in einer WG im Berliner Friedrichshain, in einer Wohnung, die aus dreien besteht, an die 100 Sicherungen hat, in jedem Zimmer zwei Telefonanschlüsse und einen Whirlpool. Ganz in weiß mit Küchentheke aus Glasbausteinen und allerlei selbstgebauten Dingen. Die Soundarchitektur der Räumlichkeiten besteht maßgeblich aus einer rumpeligen und knisternden Gastherme, der man schon eine Explosion zutraut. Das Ganze war mal ein Büro – na, und von wem wohl: vom Bezirksamt.
So einfach kann es also sein, ist es aber nicht, wenn es um das geht, was Digital Kranky unternehmen. Zunächst ist das ein Label, dessen Name so willkürlich ist, wie das, was dort erscheint. Die ersten produzierten Kassetten-mit-Dia-Päckchen hatten damals in Mainz einen Aufkleber, auf dem Digital Kranky stand. Jedoch beruht das Ganze auch auf einem Missverständnis. Denn kranky heißt nicht kränklich, wie einst angenommen. Schlimm ist das aber nicht, denn der Name ist auch nur ein Tor ins DK-Land. Julia betont, dass sie sich vorstellen können, alles von Musik bis Fotos, Video und Büchern zu veröffentlichen. Schließlich gehört ja alles irgendwie zusammen. Die Musik ist schon im Vordergrund, aber eben nur als Bestandteil des Ganzen. Sie wird derzeit auf Vinyl und CD-R veröffentlicht. Wobei hierbei auf das Hörmagazin ”Plattform“ hingewiesen werden muss: CD-Rs in kleiner Auflage, die einfach diverse Künstler vereinigen, ohne den Anspruch einer Compilation zu haben. Ihre Musik präsentieren sie derzeit auf einer kleinen Tour, die sie nach Hamburg, Köln, Frankfurt/Main, Hannover, Luxemburg führt. Und um als Label mehr als 50er Auflagen zu repräsentieren haben sie sich mit Fein Raus, Grundrauschen, Tete a Tete, Underscan aus Berlin und Kohvi aus Estland zu Outon zusammengeschlossen. So eine kleine LG – Labelgemeinschaft also.

http://www.digitalkranky.de
http://www.outon.org
games.bezirksamt.org

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Elektronische Lebensaspekte.