Text: vicky tiegelkamp aus De:Bug 11

Lady Die Hard Vicky Tiegelkamp vicky@berlin.snafu.de Seit einigen Monaten hat die Hamburger Webagentur Fork ein Spiel auf dem Server, dem die lüsterne Boulevardpresse jetzt auf die Schliche kam: das Lady-Di-Tunnel-Racer-Game. Hundeäugig triefend, wenn es darum geht jeden noch so entfernten Schwipp-Schwager-eines-Gärtners-der-Toten zwecks aufregender intimer Nichtigkeit mit vielen bunten Pfundnoten zu bestechen, um dann den Schwachsinn zu veröffentlichen, hatte man hier endlich was Reales. Im Netz, jeder kann es sehen und umsonst isses auch noch!! Hura. Ein schöner, schneller, billiger Skandal. Billig waren dann auch die schlecht recherchierten Sätze über die “Macher, die ihre Büros neben Cannabis-Läden im Rotlicht Distrikt Hamburgs haben” (Daily Mirror). Gestalten jetzt drogensüchtige Zuhälter oder um was geht es hier?! Abgeordnete des britischen Parlaments werden zitiert, die laut zeternd an “den Geschmacklosigkeiten nicht interessiert” seien und “machtlos sind, dieses Material zu verbieten, da es außerhalb von Großbritannien hergestellt wurde”. Da freuen wir uns aber. Schließlich geht es hier nicht um das rechtsradikale Thule-Netz (ob die Abgeordneten überhaupt wissen, daß es solche diskussionswerten Themen im Netz gibt?). Hier geht es um ein Spiel und das ist als ironische, bittere Reaktion auf das Verramschen durchaus zu verstehen. Nein, es fliegen keine bluttriefenden Diana-Beinchen durch die Gegend oder ähnlich Schauriges. Warum dann der ganze Aufruhr? Die Pietätlosen, die den Tod nicht schnell und billig genug verramschen konnten, auf dem Marsch für mehr Respekt? Natürlich nicht – klar. Es geht ums Geldverdienen, um Fake-Netz-Diskussionen. Von Menschen geführt, die sich bisher einen Scheissdreck interessiert haben, aber gerade merken: kommt gut an. Ist irgendwie schick. Und so sieht es Fork selber: “Das Spiel war nie für einen allgemeinen Nutzen gedacht. Ich hoffe Dianas’ Söhne hören oder sehen nie etwas davon. Dianas Tod hat uns schockiert. Die Kommerzialisierung ihres Todes aber noch mehr. Wir machen häufig Spiele, die einen Bezug zu Medien- oder Politikereignissen haben, die sind aber fast ausschließlich für uns selber oder für Freunde gedacht. Wir bezeichnen diese Dinge als Trash-Art. Wir sind Amerikaner! Wir kommen aus einer politically-correct-society. Vielleicht deswegen. Ein noch nicht fertig gestelltes Projekt heißt “Helmut Kohl als Sumo-Tamagotchi”, unser erstes “Air Bosnia”, ein Baller-Spiel. Die Gruppe, an die wir uns wenden, sind die Designer der neuen Medien, insbesondere der Web Medien. Ich glaube nicht, daß irgendjemand in dieser Gruppe das Lady-Di-Tunnel-Racer-Game ernst genommen hat. Es ist eine Trash-Game Reaktion auf das Trash-Marketing von Dianas Trash-Tod. Diana ist tot. Eine Marke geboren.” http://www.fork.de ZITAT: Internet: Drogensüchtige Zuhälter gestalten.Ballerspiele! (Vorschlag vom Redigier-Waldt: Würde prima passen, wenn das im Bild-Zeitungs-Schlagzeilen-Design käme)

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Elektronische Lebensaspekte.