Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 29

Elektronika — Hawaii: Castle Of Crime Lakuna ”Als wir mit den Throwing Muses anfingen, war der Sound als Alternative zum amerikansichen Mainstream gedacht. Aber schalte heute mal das Radio an. – Heute ist diese Musik von Mainstream komplett adaptiert worden. Man hört jede Menge Musik, die einfach grausam ist, aber genau den Sound hat, den wir damals mit geprägt haben. Der Impact ist völlig verwässert worden. Ich glaube, dass das mit ein Grund ist, warum wir langsam die Angst vor der Elektronik verlieren und versuchen, einen neuen Sound zu finden”, erzählt mir David Nariczo, der früher bei den Muses das Schlagzeug bedient hat und auf seinem Soloalbum “Castle Of Crime” jetzt die Möglichkeiten des Samplings auslotet. “Ausserdem bieten die elektronischen Geräte jetzt endlich die Möglichkeiten, einen organischen Sound zu kreieren.” Auch wenn jeder Elektroniker bei diesem Statement die Augenbrauen mehr als kritisch liften würde, David Narcizo ist der erste der “US-Rockergilde” auf 4AD, der den Marshall seines Gitarristen dezent auf die Seite räumt, um Platz für ein Rack voller elektronischer Köstlichkeiten zu schaffen. Schon dafür muss man ihm danken, denn das Album ist nicht nur ausgesprochen gelungen, sondern hilft auch 4AD, wieder ein bisschen auf die Spur zu kommen: “Ich kaufte so alte Platten aus der Zeit, als Hawaii zum Bundesstaat wurde. Damals wurde versucht, die hawaiianische Kultur den Festländlern näherzubringen. Gekauft habe ich nur Platten, bei denen mir das Cover gut gefallen hat. Dann habe ich Passagen wahllos gesampelt und Tracks herumgebaut. Ich wollte die Samples in einen neuen Zusammenhang stellen, eine Art Recycling betreiben. Die Platte sollte modern klingen, ohne die Vergangenheit zu verleugnen.” Mit diesem Approach hängen David und die ganzen anderen Indierocker ihrer Zeit zwar mindestens zehn Jahre hinterher, aber Mr. Narcizo macht keinen Hehl daraus, dass er von elektronischer Musik nicht viel versteht, Techno im besonderen ihn nie “offended” hat und er einfach das macht, worauf er Lust hat. Das alles erzählt er so freundlich und offen, dass man seine leuchtenden Augen geradezu übers Telephon spürt, also singe ich fröhlich mit. Das Album “Castle Of Crime” ist eine Sammlung von kleinen, umprätentiösen Soundkollagen, denen man anhört, dass sie aus dem Sampleeditor eines Songwriters stammen. Geplant als Kollaboration mit der Throwing Muses Sängerin Kristin Hersh, bediente sich David letztendlich nur aus einigen Tapes mit Kristins Gitarrensessions, lud Freunde ins Studio ein und jammte drauf los. An den Wänden hingen die Plattencover aus Hawaii mit schrecklich amerkanisch aussehenden Menschen, die vor Palmen versuchten, die traditionellen Tänze der Insel, auf der Magnum heute mit roten Flitzer durch die Gegend zuscht, nachzuahmen. Klar, dass dabei ein schnutzliges Album herauskam.

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Elektronische Lebensaspekte.