L'Altra waren eine x-beliebige Indieband. Zwei Alben mit wechselnden Mitgliedern hat man gestrampelt. Das muss doch auch anders gehen? Hier kommt "Different Days" ...
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 90

Windy City Blues
L’Altra

Auf “Different Days” ist in der Tat vieles anders. Es ist nicht nur einfach ein grandioses Indie-Album, es ist der größte Schritt für eine Band, die eigentlich gar keine mehr ist. Zusammengeschrumpft auf das Songwriting-Duo Joseph Costa und Lindsay Anderson, ist L’Altra viel mehr Kollektiv. In Chicago, einer Stadt mit großer Musikgeschichte, kann man sich das leisten. Raus, laut, das Innerste nach außen kehrend. Produziert vom Telefon-Tel-Aviv-Mann Joshua Eustis, einer langen Liste von Gastmusikern und Mark Hellner von Pulseprogramming als Quasi-Mitglied, ist “Different Days” eine melancholische Ansage. Ein Aufschlag, den man schwer beantworten oder zurückgeben kann. Die Songs sind von zu erdrückender Perfektion und Schönheit. “Wir sind keine traurige Menschen”, sagt Joseph Costa. “Warum unsere Songs immer so traurig sind, puh, das ist unser tägliches Gesprächsthema. Vielleicht ist die Musik eine geheime Sprache, mit der wir Dinge sagen, die wir im normalen Leben nie so ausdrücken könnten. Wir machen einfach. Joshua von Telefon Tel Aviv hat uns im Studio massiv getriezt, er hat Dinge aus uns rausgekitzelt, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Deshalb klingt die Platte auch anders als ihre Vorgänger. Wir wollten etwas Großes, etwas Kraftvolles. Ich hoffe, dass uns das geglückt ist.” Es ist. Songs wie “It Follows Me Around” krabbeln tief in unsere Ohren, rütteln uns wach und sind doch sanft wie nichts anderes. In einer Stadt wie Chicago geht das. Nach dem Hype ist der Reset hier schon wieder ein paar Jahre alt. Egal ob Bläser oder ProTools, alles wird genutzt, damit am Ende das bestmögliche Ergebnis erzielt wird. Und “Different Days” ist so eine Platte. Wie gesagt, in Chicago geht das.

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Elektronische Lebensaspekte.