So simpel wie eine Büroklammer und genauso weit verbreitet (bald): mit Latex ummantelte Socken der Modedesigner Postweiler/Hauber.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 102

Die einen halten es für eine Schnapsidee, die anderen für eine Erleuchtung. Wir haben uns für die Erleuchtung entschieden. Das Design-Duo Postweiler/Hauber ummantelt Strumpfsocken mit Latex. Das ist das Schuhwerk der Zukunft wie der Container die Behausung der Zukunft ist: Reduktion, Simplizität, Mobilität, Ubiquität. Postweiler/Hauber entwerfen nicht nur diesen Schuh, sondern kleiden dich bis zum Hals ein – wenn du auf Glanzpunkte durch herausfordernde Materialien stehst. Aber der Schuh hat uns in seinem einfachen Wurf besonders begeistert.

Ihr habt Latex-Schuhe seit einem Jahr/drei Kollektionen dabei, wenn ich das richtig sehe. Was war die Inspiration: Neopren-Surfschuhe oder finnische Hüttenschuhe oder …?
Richtig, die Latexschuhe sind seit der Sommerkollektion 2005 dabei – zum dritten Mal. Bei dieser Kollektion ”before after and between“ ging es um Frisuren, die wir mit Kleidung in Verbindung gebracht haben, zum Teil 1:1 übertragen oder wir haben eben typische Handlungen wie Abschneiden und Verlängern zum Beispiel an Hosen und Jacken angewendet. Für die abgeschnittenen Kleidungstücke suchten wir ein geeignetes Material, um die Schnittkanten zu versiegeln, da kam die Idee mit dem Flüssiglatex für Schuhe oder Socken. Grundsätzlich finden wir schlappenartige Schuhe immer modern.

Sollen die Schuhe nur ein Image-Produkt ohne hohe Funktionalität sein oder habt ihr auf Tragekomfort, Belastbarkeit und Langlebigkeit geachtet?
Die Schuhe sind eher aus einem ästhetischen, konzeptionellen Hintergrund entstanden und werden von uns auch so gesehen. Wir sind keine Sportswear- oder Hitech-Marke, daher steht die Funktion im Hintergrund, was nicht heißen soll, dass die Schuhe nicht tatsächlich auch funktional und robust sind. Sie sind bis 90° waschbar und straßentauglich, ähnlich wie ein Autoreifen und super bequem wie Hausschuhe.

Wie bewusst oder sogar wichtig ist euch die Fetisch-Assoziation?
Die Fetisch-Assoziation ist unwichtig und nicht beabsichtigt. Ich glaube, so wie wir das Material einsetzen und es im Kontext der Kollektion steht, ist es davon auch weit entfernt. Es macht uns aber auch nichts aus, wenn solche Assoziationen entstehen.

Wie könnte man solch ungewöhnliche Schuhe in die Massenproduktion geben? Gibt es Fertigungsstätten, die auf solche Sonderaufträge ausgerichtet sind? Oder müsst ihr jedes Paar selbst produzieren, weil es niemand übernehmen könnte?
Die Produktion geschieht in Handarbeit. Da man mehrere Schichten an Flüssiglatex auftragen muss, ist es sehr aufwendig. Die Massenproduktion ist sicherlich möglich, man müsste dann eventuell eine schnellere Methode entwickeln, vielleicht würde auch das Eintauchen funktionieren.

Welchen Markt habt ihr für die Schuhe im Blick? Shibuya und dann mal weitersehen?
Momentan verkaufen wir die Schuhe noch in überschaubaren Stückzahlen in Japan. Die Japaner sind ja meist Vorreiter, wenn es um neues Design geht.

Wie sieht euer realistischer Plan aus, den Schuh am Markt bekannt zu machen? Teuer und limitiert oder Footlocker oder was dazwischen?
Da wir nicht nur diesen Schuh machen und er nur ein kleiner Bestandteil der Kollektion ist, die hauptsächlich aus Kleidung besteht, geht es uns eher darum, die gesamte Marke weiterhin zu etablieren. Eine limitierte oder kleinere Auflage, die in ausgesuchten Geschäften angeboten wird, wäre ideal, auch in Zusammenarbeit mit einer großen Firma. Dieser Schuh würde sich gut in die Kategorie Sportswear mit modernem High-Fashion-Design einfügen, und die Kooperation mit einer Sportswear-Firma wäre daher perfekt. Adidas, Puma, Nike etc. by Postweiler/Hauber.

Wie wäre eure Traumvorstellung von einer Kampagne, um den Schuh zu lancieren? Harald Schmidt stellt ihn im Fernsehen als seinen Lieblingshausschuh vor?
Er wäre super, die Schuhe eignen sich auch sehr gut für Indoor und Studio …

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Elektronische Lebensaspekte.