Mr. Austen, Paradefigur des weltgewandten Verführers mit seidenmatter Stimme und aktuellem Beatanschluss, hat eine Hand immer noch frei, um neben dem Mikro den Cocktailshaker zu halten. Hier seine Lieblingsdrinks, standesgerecht süffig kommentiert.
Text: Jan Joswig / Louie Austen aus De:Bug 72

Die Nacht ist draußen
Louie Austen

Honey, heut’ geh’n wir out tonight. Höchste Zeit, dass uns der große Schwung durch die Haare streicht, easy love ist easy nice, but schnell kommt der Verschleiß, I believe in pain and drowning, I believe in wine and blood auf weißen Kragen, davon könnten wir ‘ne Portion vertragen. Frank Sinatra wusste zwar mit Stil eine Perücke zu tragen, aber bei der lahmen Musik ist dem Dirigenten doch der Taktstock aus der Hand gefallen. Ne, unsere Herzen sollen anders wallen. Die gleiche Grandezza, das gleiche savoire vivre, der gleiche Nelkenduft, aber Musik näher dran und drüber weg über den Puls der elektronischen Zeit, Crooning mit einem Finger in der Steckdose. Honey, heut’ geh’n wir out tonight – zu Louie Austen!
Der ewige Vergleich von Louie Austen mit Sinatras Rat Pack ist ein müder Hinker. Was Austen mit Pulsinger und Neugebauer auf dem neuen Album “Easy Love” zu später Blüte bringt, ist ein viel visionäreres Projekt: Robert Palmer, Brian Ferry, ABC, Human League oder Billie MacKenzie kämpften darum, die Blue-Eyed-Soul-Ballade mit einer Amphetaminspritze Elektronik aufzumöbeln, um ihr Schärfe, Wagnis und Koks in die sentimentale Tränenflüssigkeit zu träufeln. Austen löst dieses Projekt auf “Easy Love” wie der Entertainer, der vom Himmel fiel, mit einem nonchalanten Saltoschwung seines Mikrofons ein. Kampf? Mais non. Nur ein Drahtseilakt ohne Erdanziehungskraft.

Allround-Weltmann, der er ist, verrät er nebenbei den Debug-Connaisseuren aus der Redaktion Essen & Trinken exklusiv seine liebsten Cocktailkompositionen:

Louie Austens Guide To Cocktails

Lady Dream

3 cl Kubanischer Rum (Havana Club, 3 Jahre)
3 cl Batida de Coco
10 cl Orangensaft
Ice Cubes
Eiswürfel-Box
Shaker

Sehnsüchtig:
Dieser Drink ist in der Karibik bei Sonne und 25 Grad, Passat-Winden um 4-5 Bft und 3m hohen Wellen zur Unterhaltung an Bord entstanden. Die Zutaten mit einigen Eiswürfeln in den Shaker geben, schütteln und anschließend in ein mit 2-3 Eiswürfeln gefülltes Glas abseihen. Etwas Kokusnuss oder ein Orangenviertel als Dekoration beigeben. Mit diesem Getränk hat man bei der Dame seines Herzens schon gewonnen: schmeckt nach Kokusnuss und lässt sich trinken wie Wasser in der Sonne.

Dancing Coconut

6 cl Ananassaft
2 cl Malibu
1 cl Maracujasirup
2 cl Rum braun
1 cl Rum weiß
1 cl Zitronensaft
Crushed Ice
Strainer

Romantisch:
Ein Cocktail für eine heiße Tanzparty. Alle angegebenen Zutaten mit einigen Eiswürfeln in den Shaker geben und kräftig schütteln. Den Cocktail durch ein Barsieb in das Longdrinkglas gießen. Das Glas mit zerstoßenem Eis auffüllen. Eine Ananasscheibe an den Glasrand stecken.

Heartbreaker

6 cl Ananassaft
2 cl Cherry Brandy
6 cl Orangensaft
3 cl Rum braun
Ice Cubes

Keine Ahnung, woher dieser Longdrink seinen Namen hat. Aus einer Soap-Opera? Naja, was soll’s, so lange er verspricht, was er hält. Alle Zutaten mit etwas Eis im Shaker verschütteln und in ein Glas geben. Eiswürfel dazu und als Dekoration eine Cocktailkirsche an den Rand dieses coolen Drinks. Ach ja, und – viel Glück!

Sehr lecker!!!

Singapore Sling
1 dash Cointreau
12 cl Ananassaft
1 dash Angostura Bitter
1 dash Bénédictine D.O.M.
1.5 cl Cherry Brandy
3 cl Gin
1 cl Grenadine
1.5 cl Lime Juice
Ice Cubes

Traurig: Einige Eiswürfel in den Shaker geben. Alle Zutaten dazu, Spirituosen zuerst, dann die Säfte, alles für kurze Zeit kräftig schütteln und in ein Longdrinkglas abseihen. Den Angostura am besten erst zum fertig gemixten Drink dazugeben. Alternativ lässt sich auch der Singapore Gin Sling mixen, der wohl etwas bekannter sein dürfte als das “Original”. In vielen Bars findet sich dieser Sling wie folgt auf der Karte wieder: 4 cl Gin und 2 cl Cherry Brandy werden mit 2 cl frisch gepresstem Zitronensaft im Shaker gemixt und in ein Longdrinkglas auf Eis gegeben. Mit (nicht zuviel) Soda auffüllen. Zur Dekoration eine kleine Scheibe Anananas und eine Kirsche verwenden.
Dieses Rezept entspricht dem Original-Rezept des Raffles Hotel in Singapur. Der Singapore Sling wurde dort um die Jahrhundertwende von einem chinesischen Barkeeper names Ngiam Tong Boon erfunden.

Das hab ich noch recherchiert: Im Museum des Hotels können Besucher nach wie vor den Safe besichtigen, in den Ngiam stets seine Rezeptbücher wegzuschließen pflegte, und das Stück Papier, auf das 1936 ein Besucher eilig das wohlgehütete Rezept kritzelte, das er einem unvorsichtigen Kellner abschwatzte. Ursprünglich war der Singapore Sling als Drink für Frauen gedacht, daher auch die attraktive Farbe Pink. Heute ist er jedoch ein Drink für alle geworden und ein Besuch im Raffles Hotel Singapur wäre kein richtiger, ohne dort einen Sling probiert zu haben …

ciao

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Elektronische Lebensaspekte.