Edding, Sprühdosen und Stencils sind so was von letztes Jahrhundert. Streetart macht man heutzutage mit LED-Leuchten. Die Stadt ist deine Jahrmarktsbude.
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 102


Brechen jetzt die Umsätze von Crylon ein? Muss die Post nicht mehr um ihre Paketaufkleber fürchten? Nicht ganz. Dennoch: Sprüher und Streetart-Macher freunden sich mehr und mehr mit Hightech-Tools an oder basteln sie gleich selbst. Als das holländische Pipslab vor zwei Jahren ihre Matrix-Tags zeigte, waren sie ihrer Zeit weit voraus. Mit diversen Kameras nahmen sie das Schreiben eines Tags mit einem Leuchtstift auf und fotografierten, drehten aus verschiedenen Positionen. Resultat: Aus Taggern wurden Neos. Vor ein paar Monaten fegte eine Idee durch die Blogs, die die Kommentarleisten füllte. Ein Clip mit der Musik von Jose Gonzalez unterlegt, seinem Song aus dem Sony-Spot, zeigt LED Throwies im Einsatz. Eine Meute entspannter New Yorker zieht durch Manhattan und bepflastert ein Haus mit selbst gebauten LED-Leuchten. Simpel gebaut aus Klebestreifen, Magneten und LEDs. Evan Roth vom Graffitiresearchlab hat die elektronischen Glühwürmer mitentwickelt. Die sind so billig, dass sie den üblichen Utensilien ernsthaft Konkurrenz machen. Evan und Co. haben mit ihrem Clip Leute in London, Berlin und anderswo für die Idee begeistert. Jemand, der sich Q-Branch nennt, geht beispielsweise ein paar Schritte weiter. Er kombiniert Graffiti mit LEDs. So funkelt dann heftig, was sonst nur tagsüber sichtbar ist. In Deutschland kostet ein LED Throwie samt starkem Magneten zwischen 60 und 80 Cent. Klar ist das teurer als ein Eimer Farbe aus dem Müll. Dennoch: All die Möglichkeiten, die LEDs für Graffiti-Zwecke in sich tragen, sind noch nicht absehbar. Schon wird davon geträumt, riesige blinkende Schriftzüge wie “Fuck Bush“ zu entwerfen oder anderweitig Reklameschildern Konkurrenz zu machen.
Putzig mutet das an. Immerhin gehen Werbung und Marketing mehr und mehr Richtung viral und geheim. Was wird dann aus dem freiwerdenden Platz der alten Billboards? Na klaro: die neuen Galerien.

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Elektronische Lebensaspekte.

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