Hier schimmert Freundschaft durch
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 124


Manchmal wundert man sich, was man alles vergisst. Leila Arab z.B. Nicht dass man sich nicht mehr genau an ihre EPs und Alben “Like Weather” auf Rephlex und “Courtesy of Choice” auf XL erinnern würde, aber das letzte ist schon acht Jahre her. Und man hat eben so lange nichts von ihr gehört. Aber auch nicht nachgefragt. Nach ihrem letzten Album war sie mit Björk auf Tour, ihre Eltern verstarben, und erst letztes Jahr konnte sie sich wieder auf ihre eigene Musik einlassen.

Und wenn man “Blood, Looms, and Blooms” das erste Mal hört, wird einem auch klar, warum sie das mit so vielen Freunden zusammen machen musste. Das ist nicht einfach ein Album. Das ist eine Reise. Weniger vielleicht, wie das Cover nahe legen könnte, eine Reise in einen inneren Kosmos. Das ist keine psychotrope Erkundung der eigenen Seele. Und genau für dieses Spiel mit der eigenen Identität (man findet, leicht versteckt, ihre “Mädchen auf Fahrrad”-Trademark auf dem Cover) braucht es Freunde. Die halten zusammen, was sonst schwer denkbar wäre.

Leila ist vor allem immer noch lofi. Aber nicht als Suche nach einer Soundästhetik, sondern als Ausgangspunkt, von dem aus sich völlig verschiedene Welten erschließen. Völlig verschiedene Formen der Energie ausgelotet werden. Auf dem Opener “Mollie” steigert sie sich in eine Emoüberdosis von Verzerrerpedalen, auf “Time To Blow” mit Terry Hall (Specials, Fun Boy Three, etc.) trommeln sich die Beats in einen Ringelreigen, das Clowns vom Karussell fliegen lässt.

“Little Acorns” mit Khemahl und Thao Richardson (dem Gehör nach Kids) gehört zu den großen Erinnerungen einer funkigen Landpartie durch die 60s, Beats und Unschuld. Auf “Dasies, Cats And Spacemen” mit den Vocals ihrer Schwester Roya, die auch schon für Goldie und Grooverider gesungen hat, befindet man sich auf einmal in den Zeiten, als Blues-Diven in Abendkleidern die Bühnen der Welt eroberten. Und so geht es von Track zu Track weiter auf der Suche nach dem Unerwarteten.

Dabei darf die Musik auch schon mal fast kollabieren, durchzogen von eigenwilligen Gerüchen sein, Stimmungen nur für Momente anreißen, die wie Kommentare zu den Grundthemen der einzelnen Tracks wirken, denn selbst auf Stücken wie der digitalen Holzschnitt-blissed-out-Version von “Norwegian Wood” mit Luca Santucci kann die Stücke nichts aus dem Gleichgewicht bringen. Leila ist jedenfalls zurück, und wenn man ihre Platten bislang irgendwie als verspielt, seltsam, komplex bezeichnen konnte, dann ist “Blood, Looms, and Blooms” all das noch mehr, nur in einer eigenwillig durch alles unerwartet hindurchschimmernden Sicherheit.
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Elektronische Lebensaspekte.