Text: moritz sauer aus De:Bug 65

Spalte

Zwei ohne Masterplan
Lemon Jelly

Manchmal hat man ja diese leisen Vorahnungen. Die einen nennen es dann den sechsten Sinn und die anderen beschreiben es als Vibrations. Und genau so kleine winzige Beben fand ich auf der Sonar Compilation von 2001 in Form von Lemon Jelly. Als damals diese warmherzigen Pianotupfer das erste Mal durch den Raum klimperten und der flockige Downbeat lustig dahinmarschierte, da musste ich unweigerlich glücklich vor mich hingrinsen. Fröhlichkeit und einen ungezwungenen Optimismus versprühten Nick Franglen und Fred Deakin mit “A Tune For Jack”.

Ein Jahr später rotiert endlich das Debüt der Engländer in meinem CD-Spieler und taucht den Herbst in bunte, volle Farben. Zwei Jahre haben die beiden sich Zeit gelassen und herausgekommen ist ein rundes Downbeat-Album, das sich nicht wirklich mit seinen Artgenossen vergleichen lässt. Es weht kein Brazil-Flair durch die acht Tracks, wie man es z.B. aus Wien kennt. Und von Jazz sind die poppigen Melodien auch meist weit entfernt. Driftet man mit dem Album davon, so erscheinen eher Erinnerungen aus der Kindheit vor dem eigenen Auge und man denkt unweigerlich an die Jingles von Kinderserien und –filmen. Kein Wunder, sind doch die beiden Briten selbst Soundtrack-Fans, die gerne bis tief in die Nacht gemeinsam vor dem Computer sitzen.

Doch angesprochen auf diese Bilder geben sich Nick und Fred eher wortkarg und weichen den Fragen aus. Man merkt ihnen förmlich an, dass sie eigene Bilder beim Produzieren hatten, aber diese mit niemandem teilen möchten, um ihre Zuhörer nicht zu sehr zu beeinflussen. Jeder soll sich seine eigene Jelly-World aufbauen und an den Punkt kommen, an welchem der Song sein Eigenleben preisgibt.

Denn einen Masterplan gab und gibt es nicht. Auch wenn das meiste Material eigens eingespielt und aufgenommen wurde, so bastelten Nick und Fred doch eher wie vor einem Legosack und puzzelten die Ideen und Melodien ineinander bis sich plötzlich die Teilstücke zu einem eigenen Ganzen formten. Diese Momente waren für sie dann auch die erhabensten, wenn das Stück seine eigene Identität bekam.

Herausragend neben den kuscheligen Tracks ist auch das farbenreiche Artwork in 3D. Gewagt ist da vor allem die Nicht-Beschriftung der dreiteiligen Pappverpackung, die mit Bildern aus der eigens für das Album kreierten Jelly-World bedruckt wurde. Hier wurde endlich mal wieder an uns Musikliebhaber gedacht, anstelle über illegale Downloads zu jammern, und ein wunderschönes Collectors-Item kreiert. Auseinandergeklappt passt das wunderbar ins Wandregal.

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Elektronische Lebensaspekte.