Entspannung für Admins ohne Masterplan
Text: Philipp Bullwein aus De:Bug 126


Kaum jemand hat im letzten Jahr so sehr die Grenzen von Deephouse verschoben wie Lerosa. Seine Platten auf Real Soon, A Touch Of Class, Uzuri, Enclave und zuletzt Millions of Moments haben selbst bei denjenigen ein Leuchten in den Augen hervorgebracht, deren Housefanatismus bestenfalls zehn Kilometer jenseits der Stadtgrenze von Detroit aufhört.

Überraschend für einen Römer in Irland. Überraschender noch, wie zufällig er zu einer der neusten Houselegenden geworden ist, durch Zufall, als Entspannung zum Job, auf jeden Fall aber auf Umwegen.

De:Bug: Du hast seit den frühen Neunzigern aufgelegt?

Lerosa: Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger habe ich zusammen mit DJ Dancy in Rom aufgelegt. Er war ein guter Freund von mir und wir mochten House und Techno sehr gerne. Danach habe ich das Interesse verloren.

De:Bug: Warum?

Lerosa: In Rom musste man kommerzielle Sachen spielen, wenn man Geld verdienen wollte. Neben Soul 2 Soul sollte man auch Euro-Disco-Müll wie Haddaway dabei haben. Die Acid- und Underground-Scheiben gefielen mir viel besser, nur wurde man damals nicht als DJ nach Deutschland gebucht. Außerdem gab es damals in Rom kaum Underground-Platten zu kaufen.

De:Bug: Wodurch kam dein Intersse dann wieder zurück?

Lerosa: Zunächst stand ich total auf Led Zeppelin und bluesige Sachen. Ein Freund von mir hatte eine Bluesband, in der ich eine Zeit lang Mundharmonika spielte. Ungefähr 1995 hatte ich Rom ein wenig satt und ging dann nach Irland. Freunde von mir hatten dort ein günstiges Haus bekommen. Sie lebten da in einer Art Kommune und luden mich ein. Eigentlich wollte ich nur für ein paar Monate dahin, um wieder ins Lot zu kommen. Dann hat es mir so gut gefallen, dass ich jetzt seit 13 Jahren dort lebe. Meine irischen Freunde spielten mir Goldies Timeless-LP vor, die mir den Kopf wegblies. Danach fing ich wieder an viel elektronische Musik zu kaufen. Platten von The Orb, Warp Records, Drexciya. Als ich bei einem Freund ins Studio kam, sah ich zum ersten mal einen Synthesizer und war total begeistert. Kurz darauf fing ich selbst mit dem Musikmachen an. In Dublin gab es vor 10-12 Jahren kaum Leute, die elektronische Underground-Musik mochten und es gibt nach wie vor wenig nette Clubs. Da ich einen Vollzeit-Job habe, schon ein wenig älter und verheiratet bin, ist mir das egal. Ich mache lieber zu Hause Musik.

De:Bug: Hast du einen Masterplan für deine Musik?

Lerosa: Einen bestimmten Plan gibt es nicht. Die erste Platte auf D1 kam auch nur raus, weil ein Freund von mir die Tracks einfach an das Label geschickt hat.

De:Bug: Deine Releases klingen allesamt sehr unterschiedlich.

Nach der ersten Veröffentlichung gefiel mir technoide Musik Lerosa: besser. Ich schickte dann Demos an Delsin und auch an Real Soon. Obwohl bei Real Soon zwar Breakbeats und Elektro auf der Demo waren, gefiel ihnen “Ruski” dennoch und sie fragten nach mehr House-Tracks, von denen ich genug hatte. Sobald die “Real Soon” draußen war, kamen Uzuri und andere Labels auf mich zu. Mich freute das. Ich hatte nichts dergleichen geplant. Ich mache noch viele abgedrehte Techno-Tracks, mit denen ich nichts anzufangen weiß. Produzieren ist für mich ein Hobby neben der Arbeit und mit 28 Jahren war ich auch spät dran, mich in die ganze Technik und Maschinen einzuarbeiten.

De:Bug: Lass uns über Deep-House sprechen.

Lerosa: Ich sehe mich nicht als Deep-Houser oder Teil einer solchen Bewegung. Mir gefallen die Sachen von Theo Parrish, Kenny Dixon Jr. und Omars S. Ich finde elektronische Musik im Allgemeinen gut. Minimal ist in Deutschland etwas am Aussterben, es geht wieder mehr in House über und das ist wie etwas Neues. Nur sitze ich in meinem Studio in Irland und mache einfach meine Sachen.

De:Bug: Hast du denn eine Ahnung, warum die Leute House neuerdings wieder so feiern?

Lerosa: Da ich nie in Clubs gehe, kann ich das schlecht beurteilen. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Leute nach den ganzen düsteren Tracks mit Klicks und Crackles wieder Spaß an Platten haben, die mehr Melodie, mehr Seele besitzen.

De:Bug: Was machst du denn beruflich?

Lerosa: Ich arbeite bei einer irischen Firma, die Software für Banken entwickelt.

De:Bug: Welche Veröffentlichungen stehen denn in nächster Zeit an?

Lerosa: Die nächsten fünf Releases stehen schon fest und bis Februar muss ich nichts mehr tun. Gerade erschienen ist “Lover´s bleed”, ein Verweis auf euren Bleed, auf Millions of Moments. Danach wieder eine auf Uzuri, eine auf Real Soon und den Rest verrate ich noch nicht. Sonst ist die Überraschung weg.
http://www.myspace.com/lerosa

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

One Response