Unter dem eigenartigen Oberbegriff "Sprache" verspricht Lev Manovich etwas vorzulegen, das Medientheorie bislang weiträumig umgangen hat: "the first systematic and rigorous theory of new media."
Text: Stefan Heidenreich aus De:Bug 55

Lev Manovichs Buch: “The Language of New Media”

Wer sich regelmäßig den Postings in links-intellektuellen Medien-Mailinglisten wie Nettime oder Rhizome aussetzt, dem wird der Name Lev Manovich schon seit Mitte der 90er Jahre untergekommen sein. Fast alles, was er schreibt, hat er dort gepostet, darunter auch manche Texte, die nun überarbeitet in seinem neuen Buch auftauchen. Unter dem eigenartigen Oberbegriff “Sprache” verspricht Lev Manovich etwas vorzulegen, das Medientheorie bislang weiträumig umgangen hat: “the first systematic and rigorous theory of new media”, wie es im Klappentext des Buches heißt. Dass er entlang der historischen Parallele zwischen der Entwicklung von Kino und Computerkultur vorgeht, führt ihn manchmal zu zweifelhaften Ansichten – etwa der von der Computergrafik abgeleiteten Überschätzung von 3D-Abbildungen. Der Anfang vermittelt trotz Systematik nicht wirklich einen Überblick, sondern reicht gerade aus, um eine Reihe von Unterkapiteln zu generieren, in denen Manovich von der Filmtheorie bis zur Geschichte der Computer viel Bekanntes nacherzählt. Die meisten seiner Details hat man im Gemurmel populärer Medientheorie schon einmal gehört und wie dort üblich werden politische und ökonomische Zusammenhänge weitgehend ausgeblendet. Die spannenderen Ideen bleiben halb ausgeführt und man hat den Eindruck, Manovich würde sich davor scheuen, die Konsequenzen seiner eigenen Systematik zu formulieren. Was heißt es, am Computer zwischen Zuständen von Repräsentation und Aktion zu switchen? Was geschieht, wenn nach dem Roman und dem Kino nun die Datenbank zur kulturellen Form wird? Was folgt daraus, wenn Datenstrukturen und Algorithmen zur ontologischen Bestimmung von Datenobjekten werden – also festlegen, was sie wesentlich sind? Ja, was?

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Elektronische Lebensaspekte.