Immer mehr Menschen legen sich Laptops auf die Brust, um ihren originär eigenen Filmkonsum zu gestalten – Hollywood und Medienforscher sind ratlos.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 102

Es sieht scheiße aus, ist nur bedingt logisch, hat nicht zwingend etwas mit Porno zu tun und bedroht das Klischee vom Couch-Potatoe: Zu Hause Filme schauen, heißt dieser Tage zunehmend mit dem Rechner im Bett kuscheln, genauer gesagt sich unter den Laptop zu begeben und aus nächster Nähe auf den Bildschirm zu starren. In etwa der Hälfte der Fälle wird der Rechner dabei direkt auf dem eigenen Körper platziert, in der anderen ein Kissen als Auflage bevorzugt. Unzweifelhaft bekommt man so die neue DVD oder den frischen US-Serien-Download ordentlich auf die Augen geknallt, was ein eindringliches Filmerlebnis garantiert. Genauso unzweifelhaft ist die bisher namenlose Haltung aber auch mit zahlreichen Tücken behaftet, angefangen vom strikten Ausschluss weiterer Zuschauer über das Risiko übler Verbrennungen durch überbordende CPU-Abwärme bis hin zu den Legionen möglicher Unfälle durch die stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Schließlich gilt es nicht nur den Rechner auf der Brust zu balancieren, auch das für den Konsum eines ganzen Spielfilms fast immer unabdingbare Stromkabel will im Auge behalten werden, damit beim Film-begleitenden Konsum nichts schief geht – dabei ist liegend trinken ohnehin keine reine Freude und Brandlöcher in der Bettwäsche mag wirklich niemand. Vordergründig umso erstaunlicher ist der Befund, dass auch zahlreiche Besitzer von TV-Geräten mit angeschlossenem DVD-Player den Rechner mit ins Bett nehmen, was auf ein irrationales Element hindeutet: Der Monitor wäre demnach das Zeitgeist-Lagerfeuer, an dem sich der Laptop-Arbeiter wärmt, wobei die ganz reale Hitzeentwicklung ihr Übriges tut. Die kleinste Einheit aktueller Wertschöpfung – Kopf und Rechner – kuscheln sich zur hoffentlich wohlverdienten Arbeitspause aneinander und erzeugen digitales Wohlbefinden. Dabei dürfte gerade der strikt vereinzelte Filmkonsum, der Medienforscher zum Gruseln bringt, dazu beitragen, dass sich die Haltung so verdammt gut anfühlt. Der Filmindustrie verschafft das Update des Couch-Potatoes unterdessen ganz neue Darstellungs-Probleme: Auch echt abgeschlaffte, Chips-süchtige und Bier-stumpfe Charaktere wie Homer-Simpson lassen sich noch vergleichsweise sexy und Action-geladen auf ihrem Stammplatz in der Sofaecke inszenieren, während die Liegenden mit dem Laptop auf der Brust als Sujet einfach nur völlig untauglich sind.

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Elektronische Lebensaspekte.