Keine zwei Jahre ist es her, da eroberte das Trio Little Brother die HipHop-Welt mit neuen alten Klängen. Nach Soloexkursen setzen sie jetzt mit Major-Vertrag zum zweiten Album an - straight outta North Carolina.
Text: ekrem eydin aus De:Bug 90

Große Bären und kleine Brüder
Litttle Brother

Little Brother, bestehend aus MC Phonté, Rapper Big Pooh und Produzent 9th Wonder, schlug mit dem Debüt ”The Listening“ im Stile eines Pete Rock und klaren Native-Tongue-Wurzeln ein wie eine Bombe. Seit dem ist viel passiert. Phonté, der immer wieder im Forum der von The Roots Drummer ?uestlove initiierten Website Okayplayer.com unterwegs ist, traf dort auf einen ambitionierten Produzenten mit Namen Nicolay, wohnhaft in den Niederlanden. Es entstand ein reger Austausch über das Netz, bei dem Nicolay für die Musik sorgte und Phonté die Reime beisteuerte. Das Ganze nannten sie The Foreign Exchange und ihr Album bezeichnenderweise ”Connected“. Es ist ungewöhnlich, so kurz nach einem gemeinsamen Erfolg mit Little Brother direkt eine neue Band zu bilden, doch die Jungs lassen sich nicht gerne festlegen. So auch nicht Produzent 9th Wonder, der vor ”The Listening“ selbst im so genannten Underground ein Unbekannter war. Ständig unterwegs und mit neuer Musik im Gepäck, machte er nach dem Erfolg des Albums erstmals durch eine inoffizielle Remixversion von Nas Album ”God’s Son“ von sich reden, das bei ihm ”God’s Stepson“ hieß und einige der Tracks besser als auf dem Original klingen ließ. Damit trat er eine Welle los, die in den unzähligen Remixversionen des später erschienenen ”Black Album“ von Jay-Z ihren Peak mit Danger Mouses ”Grey Album“ fand. 9th Wonder musste Jay-Z nicht remixen. Er war selbst einer der erlesenen Produzenten des ”letzten” Jay-Z-Albums und der einzige bis dahin völlig unbekannte in der Liga der Major-Artists. Vor kurzem rief ihn Jay-Z dann auch mal an, was damit endete, dass 9th nun auch zwei Beats auf dem neuen Destiny’s-Child-Album produziert hat.

Aufwachen
Doch war da nicht noch einer in der Gruppe? Rapper Big Pooh (und der ”Rapper” gehört zum Titel) drohte zu dem zu werden, was Jarobi bei A Tribe Called Quest war, sprich „dieser andere Typ, den keiner auf dem Schirm hat“, erzählt Pooh dann auch mit einem Lächeln im Gesicht. Der Titel ”Sleepers“ und der von ihm favorisierte Ausspruch ”Sleep is the cousin of death“ beziehen sich auch genau auf dieses Erlebnis. “Nachdem Phonté und 9th ihr Ding an den Start gebracht hatten, musste ich einfach was machen. Ich hatte das Gefühl, die Leute würden mich verschlafen. Verdammt, letztendlich hatte ich selbst das Gefühl, die ganze Zeit geschlafen zu haben.“ Sein Album ist jedoch alles andere als verschlafen geworden. Produktionstechnisch je zur Hälfte zwischen 9th Wonder und dem neuen Produzenten Khrysis aufgeteilt, liefert Pooh soliden HipHop ab, den zu hören Spaß macht. ”Ich wollte ein Album machen, das die Dinge umschreibt, die mir, aber auch anderen im Leben passieren. Und genau das könnt Ihr auf Sleepers hören.”

Auf halber Strecke zwischen New York und Miami setzen Little Brother stetig ihre Vision um. So gehören sie zur JUSTUS League, einem Kollektiv, bei dem mit The Away Team, L.E.G.A.C.Y. und einigen Weiteren frisches Talent nachrückt. Nach dem Interview geht es zu Gilles Petersons ”Worldwide“, um ein Stück für dessen nächsten Sampler beizusteuern, im Sommer 2005 erscheint ”The Minstrel Show“, dass zweite Album von Little Brother, nun auf einem Major, doch in gleicher Besetzung wie die erste LP, Foreign Exchange produzieren eine Coverversion für ein Radiohead-Tributealbum und es kommen unzählige weitere Projekte, die ihren Ursprung in North Carolina haben, einem Ort, an dem man HipHop so sehr vermutet wie in Grönland und der trotz oder gerade deswegen großartig ist.

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Elektronische Lebensaspekte.