Gameboy-Sound nach eigenen Regeln: Nach Nanoloop holt jetzt das Modul "Little Sound DJ" aus, um uns allen zu zeigen, wo der 8Bit-Hammer hängt. Und wie.
Text: nils dittbrenner aus De:Bug 60

Zwischen Super Mario Land und Tetris gibt es Gemeinsamkeiten. Beide waren auf der Konsole Superseller mit Mainthemes, die zu Ohrwürmern wurden. Spätestens seit dem funky Game Boy-Musikprogramm “Nanoloop” dürfen wir auch selbst Hand an den internen Spieljungen-Soundchip legen. Das wahrscheinlich fitteste Modul zur musikalischen Frickelei kommt jetzt aus Schweden und heißt “Little Sound DJ”. Der Code ist seit 2 Jahren im Wachsen und als Version 1.4 für den Game Boy direkt bei seinem Erfinder Johan Kotlinski erhältlich. Mit Nintendos Lila Pause (dem Game Boy Advance) lässt sich bei “Little Sound DJ” leider nicht viel reißen, da Tastenkombinationen unergonomisch werden und Samples in Nebengeräuschen untergehen. Im neuen Game Boy werkelt aber auch nur eine Emulation des alten 8Bit-Soundchips, daher beschränken wir uns gerne auf den schönen, bassigen Ur- Game Boy sowie den etwas funkigeren GBColor. Zum Objekt unserer Begierde: “Little Sound DJ” ist ein vierstimmiger Sequenzer/Arranger in vom Amiga wohlbekannter Tracker-Metapher. Aus der kleinsten Einheit, sogenannten “Phrases” – 16 Steps (255 verschiedene packt der Speicher) entstehen in wohlbekannter Trackermanier bis zu 255 verschiedene “Chains”, die dann zum “Song” organisiert werden dürfen. Sowohl Phrase- als auch Chain- und Song-Editor bieten dabei klassische vertikal scrollende Edit-Screens, in denen die indizierten Bausteine hintereinander gelegt werden. Anders als bei Nanoloop und ganz was besonderes, können in den Phrases nur Steuerdaten à la Midi definiert werden, die danach frei auf einen der 4 Kanäle geroutet werden dürfen. So klingt die Ohrwurmmelodie auf dem Noise-Kanal schon gar nicht mehr so melodiös und der 4/4-Beat auf Pulswellenspur eher langweilig – bei den Kanalschiebereien kommt es so oft zu unvorhersehbaren Resultaten – ab und an sind richtige Killer dabei – Fehler is King.

4 Stimmen
Wie schon angemerkt besitzt “Little Sound DJ” 4 Stimmen: zwei Pulswellen, Rauschen und Wavetable/Sample/Speech. Der erste Puls-Kanal hat eine spektakuläre Sweep-Funktion, die Frequenzmodulation bietet, der zweite muss leider ohne FM auskommen. Beide Oszillatoren besitzen wählbare Pulsbreiten und dürfen vor dem gemeinsamen Einsatz gegeneinander verstimmt werden. Die WAV-Spur gibt zwar nicht die gleichnamigen Files wieder, dafür aber entweder frei editierbaren Wavetablecontent, Minisamples oder Sprachsynthese. Die über 200 Samples sind klassische: Neben dem Speech-Set mit 59 Phonemen des auch aus frühen Videospielsystemen bekannten SP0256-AL2 Chips befinden sich die üblichen vintage Roland-, Boss-, Linn- usw. Drummachine-Samples on Board. Obwohl angesichts der rauschigen Soundqualität das jeweilige Original nicht zwingend in Erinnerung gerufen wird, ist die Sammlung gut gelungen und ziemlich komplett.

Gewohnheiten
In der Praxis geht das Arbeiten mit “Little Sound DJ” nach einer gewissen Einarbeitungsphase fix von der Hand. Leider lässt die Anleitung ein Tutorial vermissen, aber nach der anfänglichen Trial & Error-Session steigt man schnell hinter die Logik und der Spaß kann beginnen. Und dieser stellt sich wirklich ein. Anfangs mag die teilweise kryptische Bedienungsoberfläche noch stören, aber ein Game Boy ist nun mal kein G4 mit 21-Zoller und “Little Sound DJ” hat zahlreiche brillante Funktionen am Start, die das portable Track-Basteln enorm erleichtern.

Schnieke Extras
Copy/Paste gibt’s ebenso wie einen für Instant-Rocken wichtigen Life-Mode. Per “Table” lassen sich außerdem z.B. Arpeggien oder kirre Temposprünge pro Instrument definieren. Im Phraseeditor sind mit Groove, Delay und Bending insgesamt 15 Effekte editierbar, dazu kommen Sprünge in andere Teile des Tracks usw. Für das Speech-Instrument kann man auf 42 Einzelnoten aus den Phonemen zu bastelnde Worte legen und sich so mit dem Game Boy unterhalten. Auf den PW-Kanälen kann man auch Percussion-Instruments anlegen und spielen, da die Envelopes kurz genug sind; der Noise-Kanal ist eh vor allem dafür da. Werden im Songarrangement “Chains” mit unterschiedlicher Länge verwendet, stellt sich durch das genügsame Cyceln mitunter ein lustig-ungerader Songverlauf ein.

Online
Last but not Least gibt es eine gute Online-Dokumentation (http://www.littlesounddj.com), auf der Tipps zum Game Boy-Tuning genauso runtergezogen werden dürfen, wie überraschend fette Demosongs und ein für Game Boy-Emulatoren zum Ausprobieren gedachtes Rom-Image. “Little Sound DJ” ist desweiteren mit einem zweiten Game Boy (Little Sound DJ oder Nanoloop) sync- und zur MIDI Clock slavebar, was die Integration ins bestehende Setup immens erleichtert, ich aber noch nicht ausprobiert habe. Insgesamt ein mighty Tool, dessen Funktionsumfang sich erst nach einiger Zeit erschließt, dann aber um so mehr rockt. Bleibt Nanoloop vor allem für weirde Soundtüfteleien die erste Wahl, findet sich bei Little Sound DJ das Arrangement-Update, von dem wir Mobile-Producer lange geträumt haben.

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Elektronische Lebensaspekte.